Flussauenlandschaft_Untere Mulde_Foto: Michael Vieweg

BioAu - Biozönotische Auenzustandsbewertung

Erstellung eines praxistauglichen biologischen Verfahrens
für eine biozönotische Bewertung des Auenzustands
für die Bereiche Ufer und Aue an Fließgewässern

F+E Vorhaben, gefördert durch das Bundesamt für Naturschutz - BfN

Dr. Kathrin Januschke & Prof. Dr. Daniel Hering (Gesamtkoordination), Universität Duisburg-Essen, Fakultät für Biologie, Abteilung Aquatische Ökologie UDE_Logo
Mathias Scholz & Dr. Christine Fischer  (UFZ, Dep. Naturschutzforschung, AG Auenökologie) UUFZ-Logo
Dr. Barbara Stammel  (Aueninstitut Neuburg/Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt) AI Neuburg
Andrea Rumm, Dr. Francis Foeckler &  Julia Sattler  (ÖKON Gesellschaft für Landschaftsökologie, Gewässerbiologie und Umweltplanung mbH) ÖKON_logo
Prof. Stefan Brunzel (Institut für Biodiversitätsmanagement) Institut für Biodiversitätsmanagement

Fachbetreuung am BfN: Dr. Thomas Ehlert

Projektlaufzeit: September 2019 bis August 2021

Projektbeschreibung

Vor dem Hintergrund zahlreicher Renaturierungsmaßnahmen an Fließgewässern und deren Auen zur Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL), aus naturschutzfachlichem Anlass und zum Zwecke des Hochwasserschutzes sowie künftig im Rahmen des Bundesprogramms „Blaues Band Deutschland“ steigt der Bedarf an standardisierten Erfolgskontrollen, um die „biologische Wirksamkeit“ von Renaturierungen im Hinblick auf unterschiedliche Zielvorstellungen zu messen. Das WRRL-Monitoring bezieht sich auf Gewässerlebensräume, wobei der ökologische Zustand anhand aquatischer Organismengruppen bewertet wird. Die Wirkung von Gewässer- und Auenrenaturierungen erstreckt sich aber oftmals auch auf die Ufer und die angrenzenden Auenbereiche. Das FFH-Monitoring schließt nur ausgewählte, naturschutzfachlich besonders bedeutende Arten und Lebensraumtypen der Gewässer und Auen ein. Ein biologisches Verfahren, mit dem der Erfolg von Renaturierungsmaßnahmen für die Bereiche Ufer und Auen an Fließgewässern umfassend bewertet werden kann, fehlt bislang. Gerade die ufer- und auentypischen Lebensgemeinschaften zeigen schnelle und positive Effekte. 
Hochwasser in den Oderauen bei Frankfurt Oder, Foto: Mathias Scholz
Hochwasser in den Oderauen, Foto: Mathias Scholz
Hartholz-Auenwald an der Mittelelbe, Foto: Mathias Scholz
Hartholz-Auenwald an der Mittelelbe, Foto: Mathias Scholz
Im Rahmen der vom Bundesamt für Naturschutz geförderten „Machbarkeitsstudie zur biozönotischen Auenzustandsbewertung“ (BfN-Skripten 484) wurden Grundzüge für ein bundesweites, leitbildbasiertes Verfahren erarbeitet. Auf dieser Grundlage erfolgt in diesem F+E-Vorhaben die Entwicklung eines praxistauglichen biologischen Verfahrens für eine biozönotische Bewertung des Auenzustands für die Bereiche Ufer und Aue an Fließgewässern (F+E-Kurztitel: Biozönotische Auenzustandsbewertung)“, das bundesweit anwendbar sein soll.
Elbe-Hochwasser Juni 2013 bei Dessau, Foto: André Künzelmann, UFZ
Elbe Hochwasser Juni 2013 bei Dessau, Foto: André Künzelmann, UFZ
Trockenrasen Mittelelbe Saalberghau 2017, Foto: Mathias Scholz
Trockenrasen Mittelelbe, Foto: Mathias Scholz

Inhalte und Zielsetzungen des Vorhabens

Mit Hilfe des Verfahrens kann zukünftig eine biologische Erfolgskontrolle von Renaturierungsmaßnahmen auf drei Bewertungsebenen erfolgen. Als Grundlage für die Bewertung wurden im Rahmen des Vorhabens Leitbilder zur Habitat- und Artenausstattung für die bundesweit beschriebenen Abschnittstypen der Fluss- und Stromauen für die Artengruppen Amphibien, Gefäßpflanzen, Land- und Wassermollusken, Laufkäfer und Vögel erstellt. Die Berechnung des Renaturierungserfolgs fußt dabei auf dem Vergleich bzw. der Differenz zwischen den Ergebnissen der einzelnen Kenngrößen eines renaturierten und eines degradierten Vergleichsabschnitts (oder Vorher-Nachher-Untersuchung). Zunächst kann bewertet werden, ob in (renaturierten) Auenabschnitten biozönotisch relevante, auentypische Schlüsselhabitate vorhanden sind (Bewertung des biozönotischen Habitatzustands). Für die Artengemeinschaften kann ein Screening auf Basis von biozönotischen Diagnose-Kenngrößen durchgeführt werden. Damit wird bewertet, inwieweit auentypische und wertgebende Pflanzen- und Tierarten in den Untersuchungsabschnitten vorhanden sind bzw. von einer Renaturierung profitiert haben. Für das Screening wurde ein Set aus 3 obligaten Kenngrößen (z. B. auentypspezifische Arten) festgelegt, das für alle behandelten Artengruppen anwendbar ist. Ergänzend gibt es ein Set weiterer optionaler Kenngrößen (z. B. Arten der FFH-RL bzw. in der Vogelschutz-RL gelistete Arten). Für jeden untersuchten Auenabschnitt kann zudem der biozönotische Auenzustand berechnet werden, der durch die Aggregierung der Ergebnisse ausgewählter Kenngrößen als multimetrischer Index ermittelt wird.
Nach Abschluss des Projektes sollen dem Anwender Empfehlungen für das methodische Vorgehen einer biozönotischen Auenzustandsbewertung sowie biozönotische Steckbriefe und Indikatorartenlisten für bundesweit beschriebene Auenabschnittstypen zur Verfügung stehen.
Auenwiesen an der Mittelelbe, Foto: Mathias Scholz
Auenwiesen an der Mittelelbe, Foto: Mathias Scholz
Beweidung mit Ziegen und Schafen an der Oberen Mittelelbe bei Torgau,  Foto: Mathias Scholz
Beweidung mit Ziegen und Schafen an der Oberen Mittelelbe bei Torgau, Foto: Mathias Scholz