Lebendige Wände

Fassadengrün für multifunktionale Klimaanpassung in der Stadt


Bearbeitung

Department Stadt- und Umweltsoziologie
Prof. Dr. Uwe Schlink (Leitung)
Raphael Karutz
Niels Wollschläger

Department Ökonomie
Heinrich Zozmann


Laufzeit

10/2021 − 12/2022

Status

Logo Sachsen

Diese Maßnahme wird mitfinanziert mit Steuermitteln auf Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes.


Ranken an einer Wand. Foto: Wengang Zhai, unsplash.

Im transdisziplinären Projekt Lebendige Wände untersucht das UFZ in Kooperation mit der Leipziger Wohnungs- und Baugesellschaft (LWB), dem Ökolöwen und der Initiative Wir im Quartier die Potenziale von Fassadenbegrünungen als Klimaanpassungsmaßnahme. Dafür werden in Leipzig Modellbegrünungen durchgeführt an mehreren exponierten Fassaden durchgeführt. Das interdisziplinäre wissenschaftliche Team des UFZ führt meteorologische Messungen durch, integriert die Ergebnisse in Klimasimulationen, und führt einen breiten Beteiligungsprozess mit Anwohner:innen, Expert:innen und weiteren Stakeholdern durch.

Der Klimawandel stellt Kommunen vor bisher nicht dagewesene Herausforderungen, insbesondere durch die heißen und trockenen Sommer der letzten Jahre. Diese belasten die Bevölkerung, die Wirtschaft und die Natur in der Stadt. Fassadenbegrünungen versprechen vielseitige Beiträge zu effektiver urbaner Klimaanpassung: Sie kühlen die Umgebung an heißen Tagen, erhöhen Luftqualität und Biodiversität und tragen zu Gesundheit und Wohlbefinden der Anwohner:innen bei. Trotz zahlreicher geeigneter Fassaden gibt es kaum eine nennenswerte Nutzung dieses Potenzials.

Dies liegt an diversen Hürden: Grünfassaden werden häufig als wirtschaftliche Mehrbelastung wahrgenommen oder nicht fachgerecht umgesetzt bzw. gepflegt. Bei der Durchführung von Projekten wird meist das für klimaangepasste Grünfassaden wichtige Bewässerungskonzept außer Acht gelassen. Die Folge: Verwilderte oder vertrocknete Grünfassaden verstärken Hemmnisse und Akzeptanzprobleme bei Eigentümer- und Anwohner:innen.

Für diese Probleme werden im Zuge des Projektes Lösungsansätze entwickelt und erprobt. Unter der Leitung des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) werden modellhaft Fassaden der Leipziger Wohnungs- und Baugesellschaft (LWB) begrünt. Der Umweltschutzverein Ökolöwe und das bürgerschaftliche Netzwerk  Wir im Quartier bringen Expertise und zivilgesellschaftliches Engagement in das Konsortium ein. Das Projektteam wird durch das Leipziger Unternehmen FassadenGrün e.K, einem führenden Anbieter von Fassadenbegrünung, beraten.

Im Laufe des Projektes werden durch eine systematische Literatur- und Bestandsanalyse Hemmnisse und Umsetzungsschwierigkeiten identifiziert. Daraufhin entwickeln Expert:innen und verschiedene Stakeholder (Hauseigentümer:innen, Gartenbauunternehmen, Stadtverwaltung, zivilgesellschaftliche Initiativen) im Rahmen von Ko-Kreations-Workshops innovative Lösungsansätze zur Überwindung dieser Hemmnisse. Die Lösungsansätze beinhalten Verfahren zur Einbindung der Anwohnerschaft, Bewässerungslösungen (z.B. Regenwasserzisterne, Ampelsystem) sowie Prozesse zur Sicherstellung von fachgerechter Pflege. 

Schema: Ko-Kreationsprozess der am Projekt Beteiligten

Diese Verfahren werden anschließend an mehreren Modellwänden angewendet: Vier exponierte Fassaden aus dem Plattenbaubestand der LWB werden im Frühjahr 2022 mit Rankhilfen ausgestattet und bodengebunden begrünt. Dabei entstehen beispielhafte Grünwandtypen, wie etwa eine Biodiversitätswand oder eine Retentionswand. Die Bedürfnisse von Anwohner:innen werden durch Befragungen erfasst und die Modellprojekte aus interdisziplinärer Perspektive erforscht. An den begrünten Fassaden und an mehreren Vergleichswänden ohne sowie mit vollständig entwickelter Begrünung werden Sensoren zur experimentellen Bestimmung der Kühlwirkung von Fassadengrün installiert. Die Messdaten werden in ein mikroklimatisches Simulationsmodell integriert, das variierende Umgebungsbedingungen berücksichtigt, und Abschätzungen der Effekte auf Quartiersebene zulässt. In einer zweiten Runde von Ko-Kreations-Workshops werden die Erfahrungen aus der Umsetzung der Modellprojekte evaluiert. 

Als Ergebnisse des Projektes entstehen umfangreiche, wissenschaftlich belastbare Informationen zu Kosten (ökonomisch) und Nutzen (ökonomisch, sozial, klimatisch) von Fassadengrün, sowie eine Sammlung von Best-Practice-Ansätzen und Handlungsempfehlungen. Durch die Installation des Messsystems ist ein kontinuierliches Monitoring für weitere Demo- und Forschungszwecke möglich. Insgesamt werden reproduzier- und skalierbare Konzepte geschaffen, die zu einer effektiven Anpassung an den Klimawandel beitragen. Durch das Projekt entsteht in Leipzig ein Fassadengrün-Cluster aus Unternehmen, Forschung und Zivilgesellschaft, das neue Geschäftsmodelle und Konjunktureffekte nach sich zieht. 


Ergebnisse