uVITAL − User-Valued Innovations for Social Housing Upgrading through Trans-Atlantic Living Labs

Nutzer-orientierte Innovationen für die Aufwertung von Sozialwohnungsbeständen mit Hilfe des Reallabor-Ansatzes

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Partner

Projektkoordination
• Landesuniversität von Campinas − UNICAMP (Brasilien)

Projektpartner
• Technische Universität Delft (Niederlande)
• Universität Huddersfield (Großbritannien)

Kooperation im Rahmen der Trans-Atlantic-Platform „Social Innovation“

Praxispartner des Projekts
• LWB – Leipziger Wohnungs- und Baugesellschaft mbH (Deutschland)
• CDHU São Paulo (Brasilien)
• Noorderberg & Partners (Niederlande)
• Saint Basils Housing Association – Birmingham (Großbritannien)


Förderung

Bundesministerium für Bildung und Forschung – BMBF

Laufzeit

01/2020 – 12/2022


Inhalt

Weltweit existiert ein beträchtlicher Sozialwohnungsbestand, der im Laufe der Zeit insbesondere mit Blick auf den Klimawandel modernisiert werden muss. Es sind gezielte Aufwertungsmaßnahmen (z.B. energetische Sanierungen) gemäß neuester Konstruktions- und Nachhaltigkeitsstandards notwendig, um die Lebensqualität der Bewohnerinnen und Bewohner zu erhöhen sowie soziale Kosten zu senken. Jedoch stehen Modernisierungen für den niedrigpreisigen Wohnungsbestand im Vergleich zu architektonisch innovativen Neubauprojekten eher selten im Fokus der öffentlichen, einschließlich wissenschaftlichen Aufmerksamkeit. Doch gerade diese Wohnungsbestände, in denen vorrangig einkommensschwache Haushalte wohnen, übernehmen eine große Versorgungsfunktion und leisten einen wichtigen Beitrag zur sozialen Integration. Gleichzeitig sind sie vielmals von Stigmatisierung betroffen.

Um einer sozialen Polarisierung in Wohngebieten entgegenzuwirken, müssen Modernisierungsmaßnahmen sorgfältig geplant werden. Ein zentrales Erfolgskriterium ist dabei die Dialogbereitschaft und Zusammenarbeit aller beteiligten Akteure (Bewohnerinnen und Bewohner, Immobilienunternehmen, Wohnungsbaugesellschaften, Stadtverwaltungen, Planungsämter/-büros, NGOs, Politik, …), die unterschiedliche Präferenzen haben und dementsprechend verschiedene Zielstellungen verfolgen. Es ist daher dringend erforderlich, die Kommunikation zwischen allen Beteiligten zu verbessern. Um dies zu erreichen und die nutzerorientiere Aufwertung von Wohnungsbeständen zu befördern, werden im Projekt „uVital“ innovative Ansätze im Rahmen von Reallaboren (engl. „Living Labs“) entwickelt und erprobt. Dazu ist eine umfangreiche Analyse der Vor-Ort-Bedingungen in den ausgewählten Fallstudiengebieten von großer Bedeutung. Auf dieser Basis können Möglichkeiten und Erfolgsfaktoren für einen Reallaboransatz im alltagsweltlichen Lebensumfeld ausgelotet werden. Um Hindernisse zwischen den verschiedenen Akteuren zu überbrücken, soll das Potenzial neuer Visualisierungsansätze, z.B. „Virtual Reality“ (VR) oder „Building Information Modelling“ (BIM), genutzt werden.

Der enge Austausch zwischen den internationalen Projektpartnern aus Brasilien, Großbritannien, den Niederlanden und Deutschland über die jeweiligen lokalen Forschungsergebnisse und kontextbezogenen Erfahrungen basiert auf einem gemeinsam erarbeiteten Konzept und einem abgestimmten methodischen Design. Es soll lokal spezifisches Wissen mit praktischen Lösungsvorschlägen erzeugt werden. Darüber hinaus werden die jeweiligen Ansätze, Instrumente und Ergebnisse miteinander verglichen, um deren Übertragbarkeit in anderen kulturellen Kontexten zu prüfen. Die daraus entstehenden Synergien führen zu einem besseren Verständnis, wie Nachhaltigkeit im Sozialwohnungsbestand durch gezielte Aufwertungsprozesse befördert werden kann.

Aufgaben des Projektteams am UFZ

Das Team des UFZ trägt in Kooperation mit den Projektpartnern zu allen der insgesamt sechs Arbeitspakete des Projektes bei. Diese umfassen folgende zentrale Aufgaben:

UNICAMP koordiniert das Arbeitspaket 1, das in erster Linie die Projektadministration und –verwaltung beinhaltet. Ein zentrales Anliegen ist der enge Austausch zwischen den Projekt- und Praxispartnern über die laufenden Forschungsarbeiten sowie die Verbreitung von Informationen zum Projektfortschritt über soziale Medien und die Projektwebsite. Im ersten Projektjahr findet zudem ein Kick-Off-Meeting statt. Weitere Treffen und Workshops in den beteiligten Projektländern werden folgen.

Das Arbeitspaket 2 wird durch das UFZ verantwortet. Als zentraler Bestandteil der konzeptionellen Grundlage von uVital wird durch ein internationales Literatur-Review ein gemeinsam getragenes Verständnis von „Sozialwohnungsbestand“ erarbeitet. Die begriffliche Verständigung und Definition ist von grundlegender Bedeutung für die internationale Zusammenarbeit. Des Weiteren wird die begriffliche Präzisierung im nationalen und lokalen Kontext weiter verfolgt, um die Zusammenarbeit mit akademischen und mit Praxispartnern zu stärken.

Die konzeptionelle Arbeit soll in die Erarbeitung von Szenarien zur Weiterentwicklung dieses Wohnungsbestandes fließen. Im Verlauf der Projektarbeit werden die Szenarien verfeinert und zugespitzt, um sehr praxisnahe Annahmen zu entwickeln. Sie dienen als Orientierung für die Etablierung der Reallabore in den jeweiligen Fallstudien.

Schwerpunkt des Arbeitspakets 3 (Leitung: UNICAMP) ist die Entwicklung von Visualisierungsinstrumenten (z.B. „Virtual Reality“, „Augmented Reality“, „Building Information Modelling“, Videos oder „Design Games“) für die lokalen Reallabore. Diese werden im Laufe des Projekts immer wieder geprüft und weiterentwickelt, um eine gemeinsame Kommunikationsbasis zu schaffen und den gegenseitigen Austausch zwischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus verschiedenen Disziplinen, Bewohnerinnen und Bewohnern sowie Entscheidungsträger/innen zu erleichtern.

Im Arbeitspaket 4 (Leitung: TU Delft) setzt das UFZ-Projektteam ein Reallabor im Fallstudiengebiet Leipzig-Grünau um. Im Vorfeld wird dafür eine repräsentative Bewohnerbefragung durchgeführt. Die Ergebnisse zielen auf die Erkundung von Einstellungen und Erwartungen der Bewohner/innen zu ihren Wohnbedingungen. Diese werden mit den Zielstellungen des kommunalen Wohnungsunternehmens gespiegelt. Um eine innovative Umsetzung des Reallabors in Leipzig-Grünau zu befördern wird mit Visualisierungen, welche im Arbeitspaket 3 entwickelt werden, gearbeitet. Dazu wird mit innovativen Visualisierungsansätzen zum alltagsweltlichen Lebenszusammenhang im Fallstudiengebiet gearbeitet. Damit sollen insbesondere die Mieter/innen zur aktiven Beteiligung an dem Reallabor ermutigt werden.

Im Arbeitspaket 5 (Leitung: Universität Huddersfield) werden die aus den lokalen Reallaboren gewonnenen Daten interpretiert und ausgewertet sowie fallübergreifend analysiert. Die Erkenntnisse fließen in ein gemeinsam erarbeitetes Protokoll für die Aufwertung von Sozialwohnungsbeständen ein. Die konzeptionelle Grundlage dafür entsteht im Arbeitspaket 2.

Ziel des Arbeitspakets 6 (Leitung: UNICAMP) ist die Aufbereitung aller theoretischen und empirisch fundierten Forschungsergebnisse. Diese sollen neben den wissenschaftlichen Erkenntnissen vor allem praxisrelevante Empfehlungen, Best-Practice-Beispiele und Lösungen für die nicht-akademischen Partner liefern. Die Gesamtergebnisse werden in hochrangigen internationalen Fachzeitschriften veröffentlicht und auf der Abschlusskonferenz in Brasilien der internationalen akademischen Gemeinschaft vorgestellt, um einen kritischen Beitrag zur Debatte über die Aufwertung von Sozialwohnungsbeständen und die Rolle von Reallaboren zu leisten.


Sozialwohnungsbau in den Projektländern


Deutschland
Leipzig-Grünau

Leipzig-Grünau
Foto: S. Kabisch
Leipzig-Grünau
Foto: J. Pößneck

Vereinigtes Königreich
Nordirland

Nordirland
Foto: Projekt SIMPLER, Huddersfield
Nordirland
Foto: Projekt SIMPLER, Huddersfield

Niederlande
Pekela und Oldambt (Groningen)

Pekela
Foto: Acantus, via GoogleMaps
Oldambt
Foto: Acantus, via GoogleMaps

Brasilien
Campinas

Campinas
Foto: Divulgação
Campinas
Foto: Álvaro Jr., PUC Campinas