Statischer Düngungsversuch Bad Lauchstädt

Luftbild

Versuchsbeschreibung

Der Statische Düngungsversuch gehört zu den wertvollsten Dauerversuchen der Welt. Dies beruht auf der langen Versuchsdauer, der Variantenvielfalt, den besonderen Standortbedingungen und der Kontinuität der Bewirtschaftung. Durch die langjährig gleich bleibende Düngung haben sich extreme Spannweiten in den Gehalten von Corg, Nt, pH, P(DL) und K(DL) eingestellt. Dadurch erlangt der Versuch eine weit über die Agrarforschung hinausgehende Bedeutung für die Grundlagenforschung und die Kalibrierung von Großgeräten, so dass er heute als experimentelle Plattform für die interdisziplinäre Umweltforschung genutzt werden kann.

Der Statische Düngungsversuch Bad Lauchstädt liegt in der Versuchsstation des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung in Bad Lauchstädt am Rande der Querfurter Platte. Der Boden ist eine Schwarzerde mit der Ackerzahl 94-98 (ausführlich beschrieben in ALTERMANNN et al. 2005). Der Versuch wurde 1902 von Schneidewind und Gröbler angelegt. Er ist 4 ha groß und besteht aus 8 Feldern, die Schlaghälften (SH) genannt werden. Jede Schlaghälfte ist ca. 200 m lang und zwischen 25,5 und 28,5 m breit (siehe Anlageplan). Dabei bilden die Schlaghälften 2, 3, 6 und 7 die über die Jahre nahezu unveränderten Hauptschlaghälften, während auf Schlaghälfte 1 eine Kalkung und auf Schlaghälte 8 die Integration von Leguminosen in die Fruchtfolge erfolgt. Die Schlaghälften 4 und 5 wurden im Laufe der Zeit umgestellt und stellen den sogenannten Erweiterten Statischen Düngungsversuch dar.


Anlageplan des Statischen Düngungsversuchs

Versuchsplan

Anlageplan mit den 18 Düngungsvarianten und 8 Schlaghälften (gelb: Originalvarianten, grau: zusätzliche Kalkung, grün: Integration von Leguminosen, orange: Erweiterter Statischer Düngungsversuch)


Versuchsaufbau und Fruchtfolge

Aus der Kombination von 3 organischen und 6 mineralischen Düngungsstufen ergeben sich 18 Prüfglieder, die systematisch hintereinander angeordnet sind. Das Versuchsdesign ist also nicht randomisiert und hat – wie viele alte Dauerversuche - auch keine echten Wiederholungen. Die Parzellen sind 10 m lang. Die Parzellengröße variiert in Abhängigkeit von der Breite der Schlaghälfte zwischen 255 und 285 m2. Die fehlenden Wiederholungen versucht man durch 4 sogenannte Parallelen (a-d) auf jeder Parzelle auszugleichen, d. h. auf jeder Parzelle befinden sich 4 Ernteparzellen. Die Größe der Ernteparzellen unterliegt je nach verwendeter Erntetechnik Veränderungen. Sie sind zurzeit beim Getreide 1,5 m x 8,3 m, bei Silomais 2,25 m x 7,6 m und bei Luzerne 1,2 m x 9,8 m groß.

Die Fruchtfolge des Versuches war von 1902 bis 2014: Zuckerrübe – Sommergerste – Kartoffel – Winterweizen. 2015 wurden die Hackfrüchte Kartoffel und Zuckerrübe durch Mais ersetzt. Die angebauten Sorten unterliegen einem ständigen zulassungsbedingten Wechsel.


Versuchsfrage

Ursprünglich: Wirkung unterschiedlicher organischer und mineralischer Düngung auf Ertrag und Qualität der Ernten sowie Einfluss unterschiedlicher Düngung auf fruchtbarkeitsbestimmende Bodeneigenschaften - Nachweis nachhaltiger Bodennutzung - Quantifizierung C- und N-Kreislauf
Heute: Experimentelle Plattform für interdisziplinäre Umweltforschung

Die Grundlage dafür bilden die über Jahrzehnte vorhandenen Zeitreihen einer Vielzahl von Boden- und Pflanzenmerkmalen


Sonstiges

An der Nord- und Südseite des Versuches befinden sich Grasflächen, in denen Eisenrohre zum Einmessen des Versuches einbetoniert sind. Alle Eckpunkte der Parzellen sind mit GPS eingemessen. An der Nordseite von SH 1 befindet sich ebenerdig eine kleine Betonfläche, die sich zum Anpeilen des Bodens mit einem Laserscanner für Untersuchungen der Bodenhöhe eignet. In unmittelbarer Nachbarschaft des Versuches steht seit August 2017 eine Station des Deutschen Wetterdienstes. Daten für die Zeit davor liefern eine Wetterstation des UFZ bzw. eine frühere Station des DWD (bis 2006) auf dem Gelände, so dass eine unvollständige Datenreihe zur Verfügung steht, die auf Messwerten beruht und eine Datenreihe, deren Lücken mit Hilfe benachbarter Stationen und mit Hilfe eines Wetterdatengenerators geschlossen wurden.


Kooperation und Datenverfügbarkeit

Es besteht generell ein großes Interesse zum Ausbau der Zusammenarbeit zwischen Wissenschaftlern am UFZ und externen Partnern zur besseren Nutzung des wissenschaftlichen Potentials dieses Versuchs. Diesbezügliche Aktivitäten werden von einem Wissenschaftlichen Board koordiniert. Weitere Informationen für konkrete Anfragen finden sie hier.


Weiterführende Informationen

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  • geändert: 19.03.2024
  • Inhalt: Dr. rer. nat. Thomas Reitz
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