KoopLab

Teilhabe durch kooperative Freiraumentwicklung - Ankunftsquartiere gemeinschaftlich entwickeln


Verbundkoordination:

Freie Universität Berlin, Prof. Dr. Antonie Schmiz

Projektwebseite:


Weitere Verbundpartner:


Förderung:

Bundesministerium für Bildung und Forschung – BMBF

Laufzeit:

01/2018 - 09/2021


Inhalt

Ziel des Verbundprojekts KoopLab war es, in Reallaboren in drei Kommunen (Hannover, Leipzig, Dortmund) neue Verfahren und Instrumente zur kooperativen Freiflächenentwicklung zu erarbeiten. Es wurde analysiert, wie Grünflächen gestaltet und unter Einbeziehung lokaler Akteure gemeinschaftlich entwickelt werden müssen, um die sozial-räumliche Teilhabe im Quartier zu befördern und zu seiner ökologischen Aufwertung beizutragen. Im Fokus standen sogenannte Ankunftsquartiere, die in besonderem Maße von sozialer Benachteiligung, (temporärer) Migration und baulicher Dichte geprägt sind. Die Reallabore wurden zum einen als physische Orte, z.B. in Form einer Flächengestaltung verstanden. Zum anderen bildeten sie als Foren der Aushandlung von Interessen modellhafte Lernstätten für eine kooperative sozial-ökologische Quartiersentwicklung. Durch die Reallabore werden Kooperationsstrukturen gefestigt und Lernprozesse im Umgang mit zielgruppenspezifischer und kooperativer Stadtplanung ermöglicht. Partner in der Initiierung, Durchführung und Verstetigung der Reallabore waren die Kommunen, Wohnungsunternehmen, Planungsbüros, zivilgesellschaftliche Organisationen und Intermediäre. Der Ergebnistransfer erfolgt über die Modellkommunen hinaus in die (inter-)nationale Stadtentwicklungspolitik und Forschung.


Mariannenpark Leipzig


Podcast zum Projektabschluss

Rahmen von KoopLab Leipzig sind im Sommer 2021 zwei 20-minütige Podcasts über den Mariannenpark in Leipzig-Schönefeld entstanden. Dafür haben sich Karoline Weber und Lea Brinkmann vom Leipziger Team zum einen mit mehreren Schönefelder:innen getroffen, um ihre Geschichten aus und über den Mariannenpark zu erfahren. Zum anderen wurden Wissenschaftler:innen zu ihrer Forschung rund um den Mariannenpark befragt. Das gesammelte Material wurde im Anschluss in Kooperation mit dem Sphere Radio Leipzig zu einem spannenden Hörerlebnis verarbeitet. Wir bedanken uns recht herzlich, bei allen, die an den Podcasts mitgewirkt haben!

Konzept/Sprecherinnen: Karoline Weber, Lea Brinkmann; Ton/Schnitt: Amir Shokati

Folge 1: Geschichten aus und über den Mariannenpark

Folge 2: Der Mariannenpark heute


Die Städte der Fallstudien

Die Stadt Leipzig hat als „Stadt der Extreme“ (Rink 2015) in den letzten 25 Jahren eine Entwicklung von einer massiven Schrumpfung hin zu einem dynamischen Wachstum erlebt, welches nunmehr seit 2010 andauert und sich insbesondere auf die innenstadtnahen Ortsteile auswirkt. Die hohen Zuzugszahlen führen zu steigenden Wohnkosten, baulicher Verdichtung und wachsender sozialer Ungleichheit. In den letzten Jahren hat sich die Zuwanderung nach Leipzig deutlich internationalisiert und zu einer größeren Diversität der Bevölkerung beigetragen.
Der Fokus des Leipziger Teilprojekts lag auf den Ortsteilen im Leipziger Osten und Schönefeld. Dort geht eine Konzentration sozialer Benachteiligung mit einer neuen, jungen und zunehmend internationalen Zuwanderung einher. Die zentrale Lage, eine gute infrastrukturelle Ausstattung sowie neue Parks und sozio-kulturelle Initiativen führen zu einer schnellen Abnahme des Leerstands, steigenden Wohnkosten und zugleich einem stärkeren Nutzungsdruck auf Grün- und Freiflächen im Stadtteil.
Ziel des Leipziger Teilprojektes war es, die quartiersbezogenen Bedarfe der örtlichen Bevölkerung in diesen Stadtteilen mit „Ankunftscharakter“ in den Blick zu nehmen und Anforderungen für eine nachhaltige Flächengestaltung zu eruieren. An mehreren Standorten im Leipziger Osten und in Schönefeld wurden die vielfältigen Perspektiven von Praxisakteuren, Vereinen, Wissenschaft und den Bewohner*innen in Prozessen der kooperativen Freiflächenentwicklung zusammengebracht. Das Leipziger Teilprojekt wurde vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung als wissenschaftlichem Partner, Annalinde gGmbH als Praxispartner und in Zusammenarbeit mit dem Leipziger Amt für Stadtgrün und Gewässer bearbeitet.

Die Dortmunder Nordstadt entstand im 19. Jahrhundert nördlich des Hauptbahnhofs. Schon damals ein Wohnstandort zugewanderter Arbeitskräfte, ist sie mit rund 60.000 Einwohnerinnen und Einwohnern auch heute noch traditioneller Ankunftsstadtteil. Jeder dritte Neu-Dortmunder findet hier seine erste Wohnung. Die Wohnbevölkerung tauscht sich (statistisch betrachtet) aufgrund großer Fluktuation etwa alle fünf Jahre aus. Die sozioökonomischen Daten der drei Quartiere Hafen, Nordmarkt und Borsigplatz deuten auf die besonderen Herausforderungen im Stadtteil hin: Die Arbeitslosenquote ist seit Jahren stets etwa doppelt so hoch wie im gesamtstädtischen Durchschnitt (ca. 24% gegenüber 12%). Rund ein Drittel der Bewohnerinnen und Bewohner bezieht Leistungen nach SGB II. Die überwiegende Mehrheit (75,2%) der Menschen hat eine Zuwanderungsgeschichte. Zugleich ist die kinderreiche Nordstadt der jüngste Dortmunder Stadtbezirk. Durch die dichte Bebauung haben Grün- und Freiflächen eine wichtige Kompensationsfunktion. Die stadtweit geringste Wohnfläche pro Kopf, kleinteilige Hofsituationen ohne Aufenthaltsqualität und Wohnungsbestände ohne Gärten und Balkone verstärken den Druck auf den öffentlichen Raum als Ausweichfläche. Hier setzte das Teilprojekt zu Dortmund an: Die gemeinsame Gestaltung von öffentlichen Freiräumen soll nicht nur einen Beitrag zur ökologischen Entwicklung im Stadtteil leisten, sondern darüber hinaus unterschiedliche Gruppen von Bewohnerinnen und Bewohnern zusammenbringen.

Standort des Teilprojekts Hannover war der Stadtteil Sahlkamp am nördlichen Rand des Stadtgebiets. Der Sahlkamp ist von einer Hochhaussiedlung der 1960er- und 1970er-Jahre gekennzeichnet, die von Einfamilienhausgebieten gerahmt ist. Das Hochhausgebiet Sahlkamp-Mitte ist geprägt durch einen hohen Anteil von Geflüchteten und anderen Migrantinnen und Migranten, überdurchschnittliche Arbeitslosigkeit und eine hohe Bevölkerungsfluktuation. Seit 2009 ist Sahlkamp-Mitte Programmgebiet im Städtebauförderprogramm „Soziale Stadt“. Kernakteure des Teilprojektes Hannover waren das Institut für Geographische Wissenschaften an der Freien Universität Berlin, das Büro plan zwei Stadtplanung und Architektur, der Internationalen StadtteilGärten Hannover e.V. als Garten-Partner vor Ort sowie die kommunale Wohnungsbaugesellschaft hanova als Partner der Wohnungswirtschaft.