Diversitätssensible Bildsprache
Bilder wirken schneller als Worte. Sie prägen, wer sich zugehörig fühlt – und wer sich eher ausgeschlossen sieht. In der Personalgewinnung und Öffentlichkeitsarbeit ist dieser Effekt besonders stark, denn Bilder vermitteln Werte, Erwartungen und eine Vorstellung davon, wer „gemeint“ ist.
Die Forschung zeigt deutlich:
- Menschen trauen sich eher Leistung zu, wenn sie in Bildern Personen sehen, die ihnen in Aussehen oder Hintergrund ähneln – besonders in erfolgreichen oder führenden Rollen (Born et al., 2023, S. 60).
- Für Männer spielt das Geschlecht ihrer Vorbilder kaum eine Rolle; für Frauen wirken weibliche Vorbilder dagegen besonders bestärkend (ebd.).
- 67 % der Bewerber*innen schließen aus Bildern in Stellenausschreibungen direkt auf die Unternehmenskultur (StepStone Diversity-Studie, 2022).
Diversitätssensible Bildsprache wirkt dieser Dynamik entgegen. Sie unterstützt eine Unternehmenskultur, in der sich unterschiedliche Menschen angesprochen, gesehen und willkommen fühlen.
Kurz gesagt: Wer Vielfalt sichtbar macht, gewinnt – bei Talenten, Glaubwürdigkeit und Wirkung.
Stereotype und Klischees erkennen und vermeiden
Eigene Grafik, inspiriert von Goethe Universität 2016
Häufige Sterotype
Um diversitätssensible Bildsprache umzusetzen, lohnt sich ein bewusster Blick auf stereotype Darstellungen. Häufig wiederholen sich bestimmte Klischees – oft unbewusst –, die Menschen auf Rollen reduzieren oder bestimmte Gruppen exotisieren. Die folgenden Beispiele können helfen, solche Muster zu erkennen und zu vermeiden:
- Frauen hören zu (passiv), Männer erklären (aktiv)
- Frauen in Care-Rollen vs. Männer in Führungspositionen
- Menschen mit Behinderungen nur als „hilflos“ oder „Superheld*innen“ darstellen
- Rollstuhl als zentrales Motiv, nicht Teil des Arbeitskontexts
- Exotisierung: Darstellung von Menschen of Colour ausschließlich in kulturell markierten Kontexten, z. B. in traditioneller Kleidung, bei ethnisch konnotierten Festen oder in Szenen, die „Fremdheit“ betonen, statt sie in alltäglichen oder beruflichen Zusammenhängen zu zeigen
Werkzeuge zur Reflexion
Die folgenden Reflexionsfragen unterstützen dabei, eigene Bildauswahlen kritisch zu prüfen:
- Umkehrtest: „Würde diese Darstellung für jede Personengruppe passen?“
- Perspektivwechsel: „Fühle ich mich repräsentiert?“
- Feedback: „Was sagt mein Umfeld oder Representatives (z. B. Beauftragte, Expert*innen, etc.) dazu?“
Wollen wir Menschen mit verschiedenen Perspektiven für uns gewinnen, dann müssen wir:
- Vielfalt sichtbar machen – Menschen unterschiedlicher Altersgruppen, Genderidentitäten, Herkünfte, Körperformen, Religionen und Behinderungen repräsentieren.
- Stereotype vermeiden – keine klischeehaften Zuweisungen oder Symbolbilder. Keine Reduktion auf einzelne Merkmale (z. B. Kopftuch = einziges Erkennungsmerkmal).
- Handlungsmacht (auf)zeigen – marginalisierte Personen als aktiv Handelnde darstellen (z. B. als Sprechende, Leitende, Erklärende nicht nur als Zuhörende).
- Barrierefreiheit mitdenken – Alternativtexte, Untertitel, kontrastreiche Gestaltung, einfache und ggf. leichte Sprache nutzen.
- Komposition prüfen und Hierarchien reflektieren – Wer steht im Zentrum? Wer wirkt aktiv, wer passiv? Welche Blickachsen, Schärfen, Wiederholungen beeinflussen die Wirkung?
- Reflexion und Sensibilität – Eigene Vorannahmen hinterfragen, Feedback aus verschiedenen Gruppen einholen.
Was können Bilder? Und was nicht?
Diversitätssensible Bildsprache heißt nicht, alle möglichen Diversitätsmerkmale in einem Bild abzubilden oder Menschen aufgrund einzelner Merkmale sichtbar „auszustellen“. Sie reduziert Personen nicht auf ihre Zugehörigkeit zu bestimmten Gruppen und inszeniert keine Vielfalt, die im eigenen Umfeld gar nicht gelebt wird, denn Bilder prägen immer auch die Werte, für die eine Organisation steht.
Stattdessen öffnet diversitätssensible Bildgestaltung Räume, in denen unterschiedliche Menschen selbstverständlich vorkommen dürfen – ohne Zwang und ohne Tokenismus. Sie zeigt authentische Alltags- und Arbeitssituationen, stellt Personen über ihre Kompetenzen dar und nicht über einzelne Merkmale. Und sie denkt Diversität langfristig mit: nicht als punktuelle Dekoration, sondern als Ausdruck einer inklusiven Kultur.
DO:
- Unterschiedliche Diversitätsdimensionen aktiv und gleichwertig darstellen
- Echte Mitarbeitende statt Stockbilder einsetzen
- Bildsprache als Teil strategischer DEI-Kommunikation verstehen
DON'T:
- Alibi-Bilder verwenden („Vielfalt“ nur in symbolischen Motiven abbilden)
- Menschen auf Äußerlichkeiten oder stereotype Merkmale reduzieren
- Diversität nur bei Randthemen (z. B. Inklusion) kommunizieren – nicht bei Schlüsselbotschaften oder Führung
Best-Practice-Beispiele am UFZ
Hier finden Sie eine Auswahl an Fotos, die am UFZ entstanden sind und als Best-Practice-Beispiele für diversitätssensible Bildsprache dienen.
Materialien zu diversitätssensibler Bildsprache
Diversitätssensible Bildsprache bedeutet, innezuhalten und genau hinzusehen: Wer ist sichtbar? Wer fehlt? Welche Rollen zeigen wir? Die Materialien des Projekts WAY TO UFZ (Onepager und Reader) laden dazu ein, diese Fragen gemeinsam zu erkunden.
UFZ-Mitarbeitende können uns darüber hinaus anfragen, wenn sie den Vortrag zum Thema diversitätssensible Bildsprache in der Personalgewinnung für ihr Team, ihre Abteilung oder eine Veranstaltung nutzen möchten. Wir unterstützen gern. Mail an kerstin.schmitt@ufz.de
- Bailey, Kristina J.; LaFrance, Marianne; Lytle, Alex (2022): Addressing Gender Bias in Job Titles: From ‘Master’ to ‘Head’. In: Yale University Press.
- Bartels, Lisa; Born, Nadja; Welpe, Isabell M. (2023): „Die Macht der Sprache, Bilder und Strukturen“. In: Personalführung 6/2023, 58–60.
- Bezrukova, Katerina; Caleo, Suzette; Heilman, Madeline (2019): „Effects of Unconscious Bias Trainings: A Meta-Analytic Review“. In: Journal of Organizational Behavior.
- Born, Nadja; Treffers, Theresa; Welpe, Isabell M. (2023): „Kein Nullsummenspiel: DEI kommt allen Geschlechtern zugute“. In: Personalwirtschaft 05/2023, 22–25.
- Gomis, Saraya (2022): Diversitygerechte Personalgewinnung und -auswahl – Eine praxisorientierte Handreichung. Berlin: Senatsverwaltung für Justiz, Vielfalt und Antidiskriminierung.