Pressemitteilung vom 12. Juli 2021

Besondere Ehre für Biodiversitätsforscher Josef Settele

Taxonomen geben einer neuen Schmetterlingsgattung den Namen Setteleia

Neue Arten im Tier- und Pflanzenreich werden oft nach Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens benannt. Prof. Dr. Josef Settele ist nun diese besondere Ehre zu Teil geworden: Nach dem Biodiversitätsforscher und Schmetterlingsexperten, der am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Halle forscht, wurde gleich eine neue Gattung benannt: Setteleia. Sie besteht aus vier Nachtfalterarten, die zu den Flechtenbären gehören und auf den Philippinen vorkommen. 

Josef Settele bei Feldarbeiten in der Pfalz Foto: Björn Kray Iversen
Josef Settele bei Feldarbeiten in der Pfalz
Foto: Björn Kray Iversen
Die vier Arten (jeweils männlich und weiblich) der Gattung Setteleia Foto: Zoological Studies
Die vier Arten (jeweils männlich und weiblich) der Gattung Setteleia
Foto: Zoological Studies

Setteleia witti, Setteleia carota, Setteleia lourensi und Setteleia bakunawa heißen die neuen Schmetterlingsarten, die die Taxonomen Anton V. Volynkin und Karel Černý in einem jetzt erschienenen Beitrag für die Fachzeitschrift Zoological Studies erstmals beschrieben und damit als Art definiert haben. Erfasst wurden die Nachtfalter auf den Philippinen und von den beiden Systematikern anhand der Morphologie der Geschlechtsmerkmale als eigene neue Gattung inklusive der vier Arten definiert. Bei der Namensgebung fiel ihre Wahl auf den Agrarökologen und Schmetterlingsexperten Prof. Josef Settele. "Die Gattung ist nach Josef Settele benannt, weil er bei der Organisation der Forschungsarbeiten auf den Philippinen sehr geholfen hat und sich auf politischer Ebene stark für den Schutz der Schmetterlinge und der Biodiversität auf den Philippinen sowie weltweit engagiert", begründeten die Autoren ihre Entscheidung, die Gattung nach dem UFZ-Forscher zu benennen. 

Dem Inselstaat in Südostasien ist Josef Settele seit Jahrzehnten stark verbunden. So promovierte er im Jahr 1992 zu den Auswirkungen der Intensivierung des Reisanbaus auf Insektengemeinschaften philippinischer Reisterrassen. Für die dafür notwendige Feldarbeit war er in Verbindung mit dem Institut für Pflanzenproduktion in den Tropen und Subtropen der Universität Hohenheim 1985 und 1988 insgesamt fast zwei Jahre lang auf den Philippinen. Im Jahr 1988 bekam Settele unter anderem Besuch von Karel Černý, dem er vor Ort half, die notwendige Forschungsinfrastruktur für den Fang von Nachtfaltern in den bergigen und schwer zugänglichen Regionen des tropischen Regenwalds bereitzustellen. Zwischen 2011 und 2016 koordinierte Josef Settele dann das vom BMBF finanzierte Verbundprojekt LEGATO, in dem Forschende unter anderem eine nachhaltigere Nutzung von Reisökosystemen auf den Philippinen entwickelten. Bei den damaligen Forschungsaufenthalten arbeitete und lebte Settele in der Region Banaue, die bei der Beschreibung der neuen Art Setteleia carota als erstmaliger Fundort angegeben wurde. "Dass eine Schmetterlingsgattung nach mir benannt wurde, berührt mich sehr und ist für mich zugleich eine Reise in meine Vergangenheit", sagt Prof. Josef Settele.

Die Gattung Setteleia mit den auffallend abgerundeten Vorderflügeln zählt zum Tribus der Lithosiini (deutsch: Flechtenbären), die zur Unterfamilie der Arctiinae (Bärenspinner) und damit zur Familie der Erebidae (Eulenfalter) gehören. In Deutschland bekommt man die neue Gattung Setteleia nicht zu sehen. "Die vier vermutlich auf Flechten oder Algen angewiesenen Arten sind endemisch und kommen nach bisherigem Wissensstand nur auf waldnahen Standorten in bestimmten Regionen der Philippinen vor", erklärt Josef Settele. 

Der nächste Artverwandte zu den Setteleia-Arten ist in den hiesigen Breiten das Rosen-Flechtenbärchen (Miltochrista miniata). Die ockerfarbene bis orange gefärbte Art lebt in Mitteleuropa in Misch-, Bruch- und Moorwäldern, ist aber eher selten. Auch die vier Setteleia-Arten gelten als potenziell gefährdet, weil sie aller Wahrscheinlichkeit nach ein kleines Verbreitungsareal haben und deswegen sehr sensibel auf die Zerstörung ihrer Lebensräume reagieren dürften.

Rund 180.000 Schmetterlingsarten sind bislang weltweit beschrieben. "Ich schätze aber, dass es auf der Welt ähnlich viele unbekannte wie bekannte Schmetterlingsarten gibt, insbesondere unter den Nachtfaltern", sagt Experte Josef Settele. Auch er selbst hat aus seiner Zeit auf den Philippinen noch einen großen Fundus an bislang nicht näher bestimmten Nachtfaltern. "In meiner Sammlung, die etwa 100.000 Falter von den Philippinen umfasst, sind sicherlich 500 bis 1.000 Arten, die bislang noch nicht beschrieben wurden", schätzt er. Ein Artenschatz, den Josef Settele zu einem kleinen Teil selbst heben möchte, sollte er in den nächsten Jahren die Zeit dafür finden, den er aber auch allen Kolleg:Innen bereitstellt, die sich mit bestimmten Faltergruppen intensiver beschäftigen. Letztlich wird seine Sammlung irgendwann in die Bestände eines Museums übergehen, um als Dokumentation für die Nachwelt erhalten zu bleiben. 

Josef Settele (geb.1961) ist promovierter Agrarbiologie. Er hat sich 1998 an der Universität Hohenheim habilitiert und 2002 an die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg umhabilitiert. Seit 1993 arbeitet Josef Settele am UFZ, wo er seit 2020 das Department Naturschutzforschung leitet. Seit 2016 ist er außerplanmäßiger Professor für Ökologie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und seit 2012 Mitglied des Deutschen Zentrums für Integrative Biodiversitätsforschung (iDiv). Seine Forschungsschwerpunkte sind der Schutz und die evolutionäre Biologie von Insekten, Biodiversität und Landnutzung sowie Interdisziplinäre Kooperationen und Projektkoordination im Bereich Biodiversität. Als begeisterter Schmetterlingsforscher hat er unter anderem am UFZ das Tagfalter-Monitoring Deutschland mit aufgebaut und Sachbücher zu Schmetterlingen publiziert. Im Weltbiodiversitätsrat IPBES war er einer von weltweit drei Direktoren für das Globale Assessment, das im Mai 2019 veröffentlicht wurde. Seit 2020 ist er Mitglied des Sachverständigenrats für Umweltfragen der deutschen Bundesregierung.

Publikation:
Anton V. Volynkin, Karel Černý (2021): Setteleia, a New Genus for Four New Species from the Philippines (Insecta: Lepidoptera: Erebidae: Arctiinae), Zoological Studies 60:27. DOI:10.6620/ZS.2021.60-27; http://zoolstud.sinica.edu.tw/Journals/60/60-27.pdf


Weitere Informationen

UFZ-Pressestelle

Susanne Hufe
Telefon: +49 341 235-1630
presse@ufz.de


Im Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) erforschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Ursachen und Folgen der weit reichenden Veränderungen der Umwelt und erarbeiten Lösungsoptionen. In sechs Themenbereichen befassen sie sich mit Wasserressourcen, Ökosystemen der Zukunft, Umwelt- und Biotechnologien, Chemikalien in der Umwelt, Modellierung und sozialwissenschaftlichen Fragestellungen. Das UFZ beschäftigt an den Standorten Leipzig, Halle und Magdeburg circa 1.100 Mitarbeitende. Es wird vom Bund sowie von Sachsen und Sachsen-Anhalt finanziert.

www.ufz.de

Die Helmholtz-Gemeinschaft identifiziert und bearbeitet große und vor allem drängende Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft. Ihre Aufgabe ist es, langfristige Forschungsziele von Staat und Gesellschaft zu erreichen. Damit sollen die Lebensgrundlagen der Menschen erhalten und sogar verbessert werden. Helmholtz besteht aus 19 naturwissenschaftlich-technologischen und medizinisch-biologischen Forschungszentren.

www.helmholtz.de
« zurück