Pressemitteilung vom 09. Dezember 2025

Der Chemiker Dusan Materic erhält den UFZ-Forschungspreis 2025

Neue Analysemethode ermöglicht quantitativen Nachweis von Nanoplastikpartikeln

Der Chemiker Dr. Dusan Materic wird dieses Jahr mit dem mit 10.000 Euro dotierten UFZ-Forschungspreis ausgezeichnet. Der UFZ-Forscher hat eine Analysemethode entwickelt, mit der sich Nanoplastikpartikel in Umwelt- und biologischen Proben nachweisen lassen. Die Jury würdigte auch die Vielzahl seiner interdisziplinären und internationalen Kooperationen, die das Erfassen der Nanoplastikbelastung auch in entlegenen Regionen der Erde möglich gemacht hat.

<p>v.l.n.r.: Dr. Sabine König (Admin GF UFZ), Dr. Dusan Materic, Prof. Katrin Böhning-Gaese (Wiss. GF UFZ)</p> Foto: Klaus-Dieter Sonntag / UFZ

v.l.n.r.: Dr. Sabine König (Admin GF UFZ), Dr. Dusan Materic, Prof. Katrin Böhning-Gaese (Wiss. GF UFZ)


Foto: Klaus-Dieter Sonntag / UFZ

Das Forschungsinteresse von Dušan Materic gilt Nanoplastik, also jenen weniger als 1 Mikrometer großen Plastikteilchen, die aufgrund ihres geringen Gewichts weltweit verteilt sind. Während die Auswirkungen von Makro- und Mikroplastik zur Umweltverschmutzung bereits als recht gut erforscht gelten, weiß man über die noch kleineren Nanoplastikpartikel und deren Folgen für Umwelt, Biodiversität, Menschen und Klima deutlich weniger. Deshalb ist es wichtig, quantitativ zu erfassen, wie hoch die Belastung von Nanoplastik in der realen Umwelt und im Menschen ist, was deren globale Ausbreitungswege sind und wo die Herkunftsquellen dafür liegen könnten.

Dusan Materic entwickelte dafür eine Analysemethode, bei der er ein hochauflösendes Protonentransfer-Reaktions-Massenspektrometer (PTR-MS) mit thermischer Desorption (TD) koppelt. Das heißt, die winzigen Plastikpartikel in den Proben werden zuerst verbrannt und die dabei freigesetzten Gase anschließend im Massenspektrometer analysiert. Da jedes Polymer einen eigenen chemischen Fingerabdruck erzeugt, lassen sich so Identität und Konzentration von Kunststoffen – selbst in den winzigsten Größen – sehr gut ermitteln.

Die Idee dazu entstand während seiner Promotion im Rahmen eines von der EU finanzierten Marie Sklodowska-Curie Initial Training Networks. In seiner Postdoc-Zeit an der Utrecht University gelang es ihm, in Kooperation mit Partnern aus der Industrie und anderen Forschungsdisziplinen wie der Physik und den Materialwissenschaften die Wirksamkeit dieser Methode nachzuweisen. So konnte er erstmals das quantitative Vorkommen von Nanoplastik in Eiskernen, die zum Beispiel von Grönland und aus den Alpen stammten, belegen. Am UFZ, wo er seit dem Jahr 2022 forscht, hat Dusan Materic die Analyse auf das nächste Level gehoben: Er verfeinerte die Methode und baute sie mithilfe strenger Qualitätskontrollverfahren und Modelle aus der Klimaforschung aus, um etwa Aussagen zur aerodynamischen Ausbreitung von Nanoplastik zu treffen.

Angewandt hat Dusan Materic die neue Methode in Forschungsprojekten mit internationalen Partnern in entlegenen Regionen rund um in den Globus, sei es in mehr als 4.500 Meter Tiefe des Nordatlantiks, auf mehr als 3.000 Metern Höhe in alpinen Gletschern oder am Nord- und Südpol. Dabei fand er beispielsweise heraus, dass die winzigen Plastikpartikel in allen Tiefenzonen zwischen der gemäßigten und subtropischen Zone des Nordatlantiks zu finden sind und die Menge an Nanoplastik massenmäßig vergleichbar ist mit dem, was bisher an Mikroplastik gefunden wurde. Nachweisen konnte er die unterschiedlichsten Größen von Nano- und Mikroplastik auch in Muscheln in der Adria, die dort für den menschlichen Verzehr gezüchtet werden. Derzeit dehnt er den Einsatz seiner Analysemethode auch auf den Menschen aus und geht der Frage nach, wie sich Nanoplastik in verschiedenen Körperteilen und Organen, etwa den Mandeln, der Bauchspeicheldrüse, dem Gehirn oder auch dem Fettgewebe, nachweisen lassen.

Neben dem Forschungspreis wurden 2025 sechs weitere Preise an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des UFZ verliehen:

  • Der Hydrobiologe Prof. Dr. Dietrich Borchardt erhält den "UFZ-Kommunikationspreis" für seine exzellente, langjährige, faktenbasierte und verständliche Kommunikation rund um die Themen Quantität, Qualität und Management von Wasserressourcen.
  • Der Bioanalytiker Dr. Georg Braun wird für seine exzellente Promotion ausgezeichnet, in der er ein effektbasiertes (Human-)Biomonitoring von Chemikalien zur Bewertung von gesundheitsrelevanten Mischungseffekten entwickelte.
  • Für sein "herausragendes Engagement", ein positives, kooperatives und effektives Arbeitsumfeld zu schaffen, wird Dr. Ing. Robert Köhler geehrt, der seit vielen Jahren als Umweltverfahrenstechniker am UFZ tätig ist.
  • Den UFZ-Verwaltungspreis bekommt ein Team von Kolleginnen und Kollegen aus verschiedenen administrativen Bereichen, die den komplexen Bauprozess des neuen Forschungsgebäudes gemeinsam gemanagt haben – Kerstin Sachse, Jürgen Berndt, Ingo Teichmann, Jana Crone, Sandra Dietze (Bau- & Facility Management), Christian Zwanzig (Einkauf) und Sissy Deseife (Finanzen & Controlling).
  • Die Pflanzenbiogeochemikerin Ass.-Prof. Dr. Eva Marie Muehe und der Umweltchemiker Dr. Martin Krauss teilen sich den "UFZ-Betreuungspreis", mit dem ihr herausragendes Engagement bei der Betreuung von Nachwuchswissenschaftler:innen am UFZ ausgezeichnet wird.
  • Der Nachhaltigkeitsforscher Dr. Johannes Förster erhält den "Wissenstransferpreis". Gewürdigt werden damit seine Aktivitäten bezüglich der Etablierung einer Nachhaltigkeitsberichterstattung in Unternehmen.

Mit den UFZ-Preisen ehrt das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung seit 2014 jährlich herausragende Leistungen von UFZ-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeitern.


Weitere Informationen

UFZ-Pressestelle

Susanne Hufe
Telefon: +49 341 6025-1630
presse@ufz.de


Im Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) erforschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Ursachen und Folgen der weit reichenden Veränderungen der Umwelt und erarbeiten Lösungsoptionen. In sechs Themenbereichen befassen sie sich mit Wasserressourcen, Ökosystemen der Zukunft, Umwelt- und Biotechnologien, Chemikalien in der Umwelt, Modellierung und sozialwissenschaftlichen Fragestellungen. Das UFZ beschäftigt an den Standorten Leipzig, Halle und Magdeburg circa 1.100 Mitarbeitende. Es wird vom Bund sowie von Sachsen und Sachsen-Anhalt finanziert.

www.ufz.de

Die Helmholtz-Gemeinschaft identifiziert und bearbeitet große und vor allem drängende Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft. Ihre Aufgabe ist es, langfristige Forschungsziele von Staat und Gesellschaft zu erreichen. Damit sollen die Lebensgrundlagen der Menschen erhalten und sogar verbessert werden. Helmholtz besteht aus 19 naturwissenschaftlich-technologischen und medizinisch-biologischen Forschungszentren.

www.helmholtz.de
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