Pressemitteilung vom 28. August 2019

Gelungener Auftakt für neues Forschungszentrum in Görlitz

CASUS richtet Festveranstaltung und ersten wissenschaftlichen Workshop aus

Die Übergabe eines symbolischen Schlüssels durch Bundesforschungsministerin Anja Karliczek, Sachsens Ministerpräsidenten Michael Kretschmer und Wissenschaftsministerin Dr. Eva-Maria Stange am 27. August markierte den offiziellen Start eines aussichtsreichen Projekts: die Etablierung der Forschungseinrichtung CASUS als international sichtbares Zentrum für datenintensive Systemforschung in Görlitz. Hier wird fach- und grenzübergreifend geforscht an schnelleren Computern, neuen Codes und innovativen Software-Methoden. Doch diese bilden nur das Gerüst, denn an CASUS stehen die wissenschaftlichen Themen im Mittelpunkt.

(v.l.): Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer sowie Wissenschaftsministerin Dr. Eva-Maria Stange, Bundesforschungsministerin Anja Karliczek, Prof. Leszek Pacholski (Uni Breslau), Prof. Ivo Sbalzarini (MPI-CBG und TU Dresden), Prof. Hans Müller-Steinhagen (Rektor TU Dresden), Prof. Georg Teutsch (Wiss. GF UFZ) und Prof. Roland Sauerbrey (Wiss. Direktor HZDR). Foto: HZDR/Paul Glaser
(v.l.): Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer sowie Wissenschaftsministerin Dr. Eva-Maria Stange, Bundesforschungsministerin Anja Karliczek, Prof. Leszek Pacholski (Uni Breslau), Prof. Ivo Sbalzarini (MPI-CBG und TU Dresden), Prof. Hans Müller-Steinhagen (Rektor TU Dresden), Prof. Georg Teutsch (Wiss. GF UFZ) und Prof. Roland Sauerbrey (Wiss. Direktor HZDR).
Foto: HZDR/Paul Glaser
Erdsystemforschung: Integrierte Landnutzungs-Strategien sind nötig im Angesicht globaler Veränderungen. CASUS soll Prognosen für komplette Ökosysteme und ihre Ökosystem-Funktionen für die nächsten 50 bis 100 Jahre liefern. Foto: UFZ / André Künzelmann
Erdsystemforschung: Integrierte Landnutzungs-Strategien sind nötig im Angesicht globaler Veränderungen. CASUS soll Prognosen für komplette Ökosysteme und ihre Ökosystem-Funktionen für die nächsten 50 bis 100 Jahre liefern.
Foto: UFZ / André Künzelmann
CASUS erforscht Materie unter extremen Bedingungen: Komplexe Prozesse, die bei der Laser-Schockkompression von Materie ablaufen, können neue Teilchenbeschleuniger zur Krebstherapie ermöglichen. Im Bild: Aluminium bei Raumtemperatur (Kristallgitter, hinten) und oberhalb der Schmelztemperatur (vorn). Foto: HZDR/Jan Vorberger
CASUS erforscht Materie unter extremen Bedingungen: Komplexe Prozesse, die bei der Laser-Schockkompression von Materie ablaufen, können neue Teilchenbeschleuniger zur Krebstherapie ermöglichen. Im Bild: Aluminium bei Raumtemperatur (Kristallgitter, hinten) und oberhalb der Schmelztemperatur (vorn).
Foto: HZDR/Jan Vorberger

Wie wirkt sich das Klima auf die Umwelt aus? Wie bilden sich Planeten und Sterne? Wie kommunizieren Zellen und wachsen zu Organen heran? Wie lernen autonome Fahrzeuge, auf unvorhersehbare Einflussgrößen richtig zu reagieren? Die Forschungsrichtungen, die sich mit diesen Fragen beschäftigen, haben eines gemeinsam: Sie gehören zur sogenannten Systemforschung. Komplexe Systeme sind gekennzeichnet durch unbekannte Größen und ein vielfältiges Geflecht aus Ursachen und Wirkungen. Verändert man nur eine einzige Einflussgröße, kann das überraschende, schwer vorherzusehende Folgen für das Gesamtsystem haben.

"Mit CASUS erhält Görlitz ein hervorragendes Forschungszentrum, das sich vielen Zukunftsthemen widmen wird", ist sich Bundesforschungsministerin Anja Karliczek sicher. "CASUS wird zeigen, welche Chancen in der Digitalisierung für unsere Gesellschaft liegen. In dem Forschungszentrum werden Mathematiker, Computer- und Datenwissenschaftler und Experten für Künstliche Intelligenz interdisziplinär zusammenarbeiten. Sie sollen Antworten auf die Herausforderungen unserer Zeit mitformulieren, wie den Klimawandel oder den Kampf gegen Krebs. Mit diesem Zentrum unterstützen wir auch den Strukturwandel in der Region - vom Braunkohleabbau zu Hightech und zu Wissenschaft und Forschung."

Ministerpräsident Michael Kretschmer betont: "CASUS ist interdisziplinär und international: Damit entsteht in der Lausitz ein Wegweiser der europäischen Forschungslandschaft im Bereich der Digitalisierung. Görlitz und Zittau werden zu einem immer stärkeren Forschungsstandort - und damit auch zur Adresse für junge Menschen in der Lausitz. Das Wissenschaftszentrum wird kluge internationale Köpfe anziehen und ein Impulsgeber für weitere Wirtschaftsansiedlungen sein. Dies ist ein konkreter Schritt für den Strukturwandel in unserer Region und für Sachsen."

Sachsens Wissenschaftsministerin Dr. Eva-Maria Stange fügt hinzu: "Die Ansiedlung eines völlig neuen Instituts wie CASUS in Görlitz ist der richtige Weg, um mit wissenschaftlichem Know-how den Strukturwandel direkt vor Ort gestalten zu können. Ich bin sehr froh, dass sich dafür bei CASUS fünf Institutionen gefunden haben, die mit einem interdisziplinären Ansatz der Forschung und der sich daraus ergebenden systemischen Kooperation diverser Fachrichtungen neue Wege gehen. Sie haben bewusst entschieden, sich dafür abseits der sogenannten großen Zentren zusammenzufinden. Ihre Standortwahl zeigt, dass sie an das Potenzial glauben, das die Stadt Görlitz bietet."

"Die Erforschung von Systemen hoher Komplexität ist Kernbestandteil der Helmholtz-Mission. Mit unseren sechs Forschungsbereichen gehen wir über die Grenzen einzelner Disziplinen hinweg große Fragen wie den Klimawandel, unsere Energieversorgung oder Volkskrankheiten an. So schaffen wir wichtige Grundlagen für die Gestaltung unserer Zukunft", sagt Prof. Otmar D. Wiestler, der Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft. "Vom neuen Forschungszentrum CASUS versprechen wir uns markante Fortschritte beim Verständnis komplexer Systeme und daraus resultierend neue Werkzeuge für die Wissenschaft und die Anwendung in Kooperation mit der Wirtschaft."

"Der Start des deutsch-polnischen Forschungszentrums CASUS am Untermarkt ist ein Meilenstein für die Entwicklung von Görlitz als Stadt der Forschung und der neuen Technologien. Der Name Görlitz wird ab sofort auch mit Zukunftsforschung verbunden und in alle Welt getragen werden", freut sich der Görlitzer Oberbürgermeister Octavian Ursu. "Wir heißen alle Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hier in der Mitte der Europastadt Görlitz/Zgorzelec herzlich willkommen und werden Sie mit bestmöglichen Arbeitsbedingungen und der guten Lebensqualität unserer Stadt tatkräftig unterstützen."

Fünf Partner in Sachsen und Polen

Den symbolischen Schlüssel in Empfang nahmen führende Vertreter der vier sächsischen Forschungseinrichtungen, deren Initiative sich CASUS verdankt: Prof. Georg Teutsch, Geschäftsführer des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) Leipzig, Prof. Roland Sauerbrey, Wissenschaftlicher Vorstand des Helmholtz-Zentrums Dresden-Rossendorf (HZDR), Prof. Ivo Sbalzarini, Gruppenleiter am Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik (MPI-CBG) und der Rektor der Technischen Universität Dresden, Prof. Hans Müller-Steinhagen. Zu den wichtigsten CASUS-Partnern auf polnischer Seite gehört die Uniwersytet Wrocławski (Universität Breslau), dessen Vertreter Prof. Leszek Pacholski vom Institut für Computerwissenschaften zu den Empfängern des Schlüssels zählte. Langfristig gesehen ist CASUS als deutsch-polnisches Zentrum mit gleichberechtigten Partnern konzipiert.

Die Abkürzung CASUS steht für Center for Advanced Systems Understanding (Zentrum für fortgeschrittenes Systemverständnis). Finanziert wird das Zentrum zu 90 Prozent aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) und zu 10 Prozent aus Mitteln des Sächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst (SMWK). Bisher wurde eine Fördersumme von insgesamt rund elf Millionen Euro für die Aufbauphase eingeplant. Der Einzug der ersten Forschungsgruppen in das angemietete CASUS-Gebäude in Görlitz auf dem Untermarkt 20 ist für Dezember 2019 geplant.

Diese Maßnahme wird mitfinanziert durch Steuermittel auf Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushalts.


Weitere Informationen

Prof. Dr. Sabine Attinger
Leiterin des UFZ-Themenbereichs Smarte Modelle und Monitoring
sabine.attinger@ufz.de

UFZ-Pressestelle

Susanne Hufe
Telefon: +49 341 235-1630
presse@ufz.de


Im Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) erforschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Ursachen und Folgen der weit reichenden Veränderungen der Umwelt und erarbeiten Lösungsoptionen. In sechs Themenbereichen befassen sie sich mit Wasserressourcen, Ökosystemen der Zukunft, Umwelt- und Biotechnologien, Chemikalien in der Umwelt, Modellierung und sozialwissenschaftlichen Fragestellungen. Das UFZ beschäftigt an den Standorten Leipzig, Halle und Magdeburg circa 1.100 Mitarbeitende. Es wird vom Bund sowie von Sachsen und Sachsen-Anhalt finanziert.

www.ufz.de

Die Helmholtz-Gemeinschaft identifiziert und bearbeitet große und vor allem drängende Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft. Ihre Aufgabe ist es, langfristige Forschungsziele von Staat und Gesellschaft zu erreichen. Damit sollen die Lebensgrundlagen der Menschen erhalten und sogar verbessert werden. Helmholtz besteht aus 19 naturwissenschaftlich-technologischen und medizinisch-biologischen Forschungszentren.

www.helmholtz.de
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