Pressemitteilung vom 17. September 2026

Biodiversität, Klimawandel und menschliches Verhalten zusammen denken

CBC2026-Konferenz vom 21. bis 24. September am UFZ in Leipzig

Den Verlust der Biodiversität zu stoppen und den Klimawandel aufzuhalten – das sind dringende Aufgaben, die die Menschheit lösen muss, um ihre Lebensgrundlagen zu erhalten. Gut gelingen kann das nur, wenn beide Themen gemeinsam gedacht werden und zudem das menschliche Handeln berücksichtigt wird, das sowohl als Treiber wirken als auch gegensteuern kann. Da auch in der Wissenschaft Biodiversität, Klima und Mensch lange getrennt betrachtet wurden, sind viele der Wechselwirkungen bislang nur ansatzweise erforscht. Auf gemeinsame Einladung des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) und der Universität Leipzig treffen sich deshalb vom 21. bis 24. September Forschende unterschiedlicher Fachrichtungen aus über 30 Ländern in Leipzig zur CBC2026 Konferenz (Connecting Biodiversity, Climate and Human Behaviour). Sie werden sich über den Stand des Wissens in diesem neuen Forschungsfeld austauschen, neue Forschungsthemen identifizieren und sich auf internationaler Ebene vernetzen.

<p>Biodiversität, Klimawandel und menschliches Verhalten zusammen denken</p> Foto: Collage UFZ / Fotos: Silvio Bürger und Pixabay

Biodiversität, Klimawandel und menschliches Verhalten zusammen denken


Foto: Collage UFZ / Fotos: Silvio Bürger und Pixabay

Wachsendes öffentliches Bewusstsein und wissenschaftliche Erkenntnisse machen verstärkt klar, dass der Klimawandel und der Verlust von Biodiversität eng miteinander verflochten sind. Menschliches Handeln treibt beide Krisen an und muss für wirkungsvolle Lösungen die Wechselwirkungen berücksichtigen. Wissenschaftliche Untersuchungen über das Zusammenspiel dieser Faktoren stehen jedoch noch am Anfang. "Was fehlt ist eine Verbindung dieser Krisen: Wir wissen, dass die Art und Weise, wie wir mit unseren Ressourcen umgehen, das Wechselspiel zwischen Biodiversität und Klimawandel beeinflusst", erklärt Prof. Dr. Karin Frank, ökologische Modelliererin am UFZ und Vorsitzende des Organisationskomitees der CBC2026.

Auf der viertägigen Konferenz kommen deshalb mehr als 270 internationale Expert:innen aus Biodiversitäts-, Klima und Verhaltensforschung zusammen. Sie wollen sich über den Stand des Wissens austauschen, Forschungslücken identifizieren, die internationale Vernetzung stärken und Problemlösungswege diskutieren.

Dass darunter auch viele junge Forschende sind, die als Promovierende und PostDocs am Anfang ihrer wissenschaftlichen Karriere stehen, freut die Organisator:innen sehr, zeigt es doch die Aktualität des Themas. 90 der Nachwuchswissenschaftler:innen bewerben sich um einen der begehrten "Awards for Early Career Researchers".

"Meteorologen wie ich wollen verstehen, wie Biodiversität helfen kann, die Auswirkungen des Klimawandels abzumildern. Das braucht die gemeinsame Arbeit mit Biodiversitätsforscher:innen und beispielsweise Wirtschaftswissenschaftler:innen", sagt Prof. Dr. Johannes Quaas, der auch Sprecher des Exzellenzbereichs Integrative Biodiversitätsforschung an der Universität Leipzig ist.

Die Wissenschaftler:innen, die vom 21. bis 24. September zur Konferenz nach Leipzig kommen, erwartet ein vielfältiges Tagungsprogramm mit ca. 180 wissenschaftlichen Vorträgen, 80 Posterpräsentationen und einer Podiumsdiskussion. Die Themen spannen einen weiten Bogen von Biodiversitäts- und Klimaforschung über Fernerkundung, Modellierung und künstliche Intelligenz bis zu Umweltpsychologie und Verhaltensforschung – jeweils mit Blick auf die Erkundung der Wechselwirkungen zwischen Biodiversitätsverlust und Klimawandel.

Highlights: sieben Keynotes internationaler Expert:innen

Einer der Keynote-Speaker ist der deutsche Klimaforscher Prof. Dr. Hans-Otto Pörtner, der mit seinem Vortrag "Climate Change and Biodiversity Loss: Existential Challenges for Nature and Humankind" die Konferenz eröffnet. Er ist Wissenschaftler am Alfred-Wegener-Institut AWI und gehört zu den weltweit führenden Experten für physiologische und ökologische Auswirkungen des Klimawandels auf Meereslebewesen und Ökosysteme. Von 2015 bis 2023 war er Co-Vorsitzender der Arbeitsgruppe II des Weltklimarats (IPCC) und trug so maßgeblich dazu bei, die Folgen des Klimawandels für menschliche und natürliche Systeme zu bewerten. Seit 2020 ist er Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung für Globale Umweltfragen (WBGU). Zudem leitete er die erste gemeinsame Arbeitsgruppe von IPCC und dem Weltbiodiversitätsrat IPBES, die 2021 einen gemeinsamen Workshopbericht zum Zusammenspiel von Klimawandel und Biodiversität veröffentlichte.

Einblicke in ihre Forschung zur Biodiversität gibt Prof. Dr. Liesje Mommer von der Wageningen University & Research in ihrer Keynote "Hidden Foundations: Soil Biodiversity as the Basis of Ecosystem Stability in a Changing World". Liesje Mommer ist eine renommierte Expertin für Pflanzen-Boden-Wechselwirkungen und Biodiversität. Im Mittelpunkt ihrer Forschung steht die Frage, wie unterirdische Prozesse – insbesondere Wurzelinteraktionen, Bodenmikroben und Krankheitserreger – die Funktionsweise, Produktivität und Widerstandsfähigkeit von Ökosystemen beeinflussen. Sie leitet die "Wageningen Biodiversity Initiative", die eine Brücke zwischen ökologischer Grundlagenforschung und politischen sowie gesellschaftlichen Maßnahmen gegen den Verlust der biologischen Vielfalt schlägt.

Den Menschen im Fokus hat Prof. Dr. Stephan Lewandowski von Lehrstuhl für Kognitive Psychologie an der University of Bristol. In seiner Keynote "Climate Change Misinformation: Supply, Demand, and the Challenges to Science in a ‘Post Truth’ World" blickt er auf die Schnittstelle zwischen kognitiver Wahrnehmung, Fehlinformationen und gesellschaftlichen Reaktionen auf wissenschaftliche Erkenntnisse. Er zeigt, wie der menschliche Verstand Informationen verarbeitet, speichert und aktualisiert – mit dem Schwerpunkt darauf, warum Menschen manchmal an Überzeugungen festhalten, die im Widerspruch zu wissenschaftlichen Erkenntnissen stehen.

Weitere Keynotes halten: Prof. Dr. Hans Verbeeck (Ghent University): „Lianas in a Changing World: Ten Years of Research on Tropical Forest Functioning”; Prof. Dr. Moritz Drupp (ETH Zurich): “Navigating sustainability challenges: Insights from economics”; Prof. Dr. Isabel Martínez Cano (Spanish National Research Council): “Vegetation dynamics in Earth System Models: ecological processes, disturbance and climate change projections” sowie Prof. Dr. Kelly Fielding (University of Queensland): “How do we promote greater public support for action on climate change and biodiversity loss?”.

Podiumsdiskussion "CBC Research for Planetary Solutions in Times of Polycrises and Fake News"

Unter der Überschrift "CBC Research for Planetary Solutions in Times of Polycrises and Fake News" diskutieren Expert:innen aus Wissenschaft und Wirtschaft anschließend auf dem Podium die Potenziale der Forschung an der Schnittstelle Klima, Biodiversität und Mensch sowie die Ausgestaltung von Kommunikationsstrategien, unternehmerischen Geschäftsmodellen sowie die Herausforderungen faktenbasierter Politikberatung:

  • Prof. Dr. Stephan Lewandowski, Experte für Kognitive Psychologie, University of Bristol;
  • Prof. Dr. Jörg Junhold, Direktor des Zoos Leipzig, Honorarprofessor an der Universität Leipzig, ehemaliger Präsident des Verbandes Zoologischer Gärten und des Weltzooverbandes;
  • Yvonne Zwick, Vorsitzende des BAUM e.V. und European Climate Pact Ambassador, Netzwerkerin an der Schnittstelle Wirtschaft, Politik, Gesellschaft;
  • Prof. Dr. Josef Settele, UFZ-Agrarbiologe, Mitglied des Sachverständigenrats für Umweltfragen (SRU), in unterschiedlichen Funktionen beteiligt an Berichten des Weltbiodiversitätsrats IPBES.

"Wir freuen uns sehr, dass wir für das Podium diese vier Expertinnen und Experten gewinnen konnten, die sich schon jetzt aktiv um Lösungen bemühen und uns an ihrem Spezialwissen teilhaben lassen, genau an der Schnittstelle zur Anwendung", betont Karin Frank.

Die CBC2026-Konferenz findet vom 21. bis 24. September im Leipziger KUBUS am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) statt. Organisiert wird die Konferenz von UFZ und Universität Leipzig. Die Idee dazu geht zurück auf die Initiative "Breathing Nature", einem Netzwerk mitteldeutscher Forschungseinrichtungen.

Das gesamte Konferenzprogramm finden Sie hier: https://cbc-conference.org/program/

Pressevertreter sind insbesondere zu den Keynotes und zur Podiumsdiskussion am Mittwoch, dem 23.9.26, 14.45–15.30 Uhr herzlich willkommen. Melden Sie sich bitte an unter presse@ufz.de.

Sollten Sie darüber hinaus Interesse daran haben, mit einzelnen Vortragenden am Rande der Konferenz zu sprechen, so melden Sie sich bitte unter gleicher Mailadresse bei uns. Wir helfen Ihnen bei der Organisation.

 


Weitere Informationen

Prof. Dr. Karin Frank
Leiterin UFZ-Department Ökologische Systemanalyse
karin.frank@ufz.de

Prof. Dr. Johannes Quaas
Fakultät für Physik und Erdsystemwissenschaften an der Universität Leipzig
johannes.quaas@uni-leipzig.de

UFZ-Pressestelle

Susanne Hufe
Telefon: +49 341 6025-1630
presse@ufz.de


Im Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) erforschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Ursachen und Folgen der weit reichenden Veränderungen der Umwelt und erarbeiten Lösungsoptionen. In sechs Themenbereichen befassen sie sich mit Wasserressourcen, Ökosystemen der Zukunft, Umwelt- und Biotechnologien, Chemikalien in der Umwelt, Modellierung und sozialwissenschaftlichen Fragestellungen. Das UFZ beschäftigt an den Standorten Leipzig, Halle und Magdeburg circa 1.100 Mitarbeitende. Es wird vom Bund sowie von Sachsen und Sachsen-Anhalt finanziert.

www.ufz.de

Die Helmholtz-Gemeinschaft identifiziert und bearbeitet große und vor allem drängende Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft. Ihre Aufgabe ist es, langfristige Forschungsziele von Staat und Gesellschaft zu erreichen. Damit sollen die Lebensgrundlagen der Menschen erhalten und sogar verbessert werden. Helmholtz besteht aus 19 naturwissenschaftlich-technologischen und medizinisch-biologischen Forschungszentren.

www.helmholtz.de
« zurück