Kurzinformation vom 19. August 2026

Vater der Landschaftsökologie und Mitbegründer des UFZ

Prof. Dr. Wolfgang Haber im Alter von 100 Jahren verstorben

Der Biologe war Vordenker der Landschaftsökologie und des Naturschutzes und galt als einer der bedeutendsten Ökologen in Deutschland. Dem UFZ war er seit Gründung eng verbunden: Er leitete 1991 als Vorsitzender das UFZ-Gründungskomitee und war bis 1998 Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats. Im Alter von 100 Jahren ist Prof. Dr. Wolfgang Haber am 13. August verstorben.

<p>Prof. Dr. Wolfgang Haber</p> Foto: UFZ

Prof. Dr. Wolfgang Haber


Foto: UFZ

"Mit dem Tod von Wolfgang Haber verlieren wir einen der bedeutendsten deutschen Ökologen, dessen weitreichendes Schaffen in vielen Bereichen der Forschung und des Naturschutzes auch heute noch wirksam ist. Seine Rolle bei der Gründung und bei der weiteren wissenschaftlichen Ausrichtung des UFZ ist nicht hoch genug einzuschätzen. Zeit seines Lebens blieb er dem UFZ eng verbunden und setzte über viele persönliche Kontakte immer wieder neue Impulse", sagt Prof. Dr. Katrin Böhning-Gaese, Wissenschaftliche Geschäftsführerin des UFZ.

Wolfgang Haber, der für viele als „Vater der Landschaftsökologie in Deutschland“ galt, wurde am 13. September 1925 in Datteln/Westfalen im heutigen Kreis Recklinghausen geboren. Er studierte Botanik, Zoologie, Chemie und Geografie an den Universitäten Münster, München, Basel, Stuttgart und Hohenheim. Im Jahr 1957 promovierte er zum Thema Bodenatmung an der Universität Münster.

Nach Tätigkeiten an der Universität Hohenheim und am Westfälischen Museum für Naturkunde zu Münster wurde er 1966 Leiter des neu gegründeten Instituts für Landschaftspflege der TU München in Freising-Weihenstephan, das er später in Lehrstuhl für Landschaftsökologie umbenannte. Bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1993 hatte er den Lehrstuhl inne. Er forschte unter anderen zu Grundfragen der allgemeinen und theoretischen Ökologie und der Anwendung der Ökologie in der Landnutzung, insbesondere im Naturschutz, in der Landwirtschaft sowie in der Entwicklung und Planung von Naturschutzgebieten, Natur- und Nationalparken. Damit leistete er Pionierarbeit zu ökologischen Grundlagen des Naturschutzes, der Landes- und Landschaftspflege sowie Landschaftsplanung.

Wolfgang Haber hat seit Mitte der 1960er-Jahre auch die umweltpolitische Entwicklung des Natur- und Landschaftsschutzes mitgeprägt. So war er unter anderem maßgeblich an der Gründung der ersten deutschen Nationalparke Bayerischer Wald (1970) und Berchtesgaden (1978) beteiligt. Als Meilenstein für den Naturschutz galt die Biotopkartierung, die Bayern als Pionier für Deutschland durchführte: Habers Lehrstuhl für Landschaftsökologie kartierte im Auftrag des Freistaats zwischen 1974 und 1976 erstmals schutzwürdige Biotope in Bayern. Zudem war Wolfgang Haber unter anderem Mitglied des Beirates für Naturschutz und Landschaftspflege beim Bundeslandwirtschaftsministerium und beim Bundesumweltministerium, Vorsitzender des Sachverständigenrats für Umweltfragen (SRU) sowie Mitbegründer und Präsident der Gesellschaft für Ökologie. Im Jahr 1993 erhielt Wolfgang Haber den erstmals verliehenen Deutschen Umweltpreis der DBU für seine wegweisende Forschung im Natur- und Landschaftsschutz sowie sein Lebenswerk.

Enge Verbundenheit mit dem UFZ

Im Zuge der deutschen Wiedervereinigung engagierte sich Wolfgang Haber sehr bei der Umwandlung und dem Neuaufbau von Forschungseinrichtungen der damals neuen Bundesländer. So war er als einer der Gründungsväter maßgeblich am Aufbau und der thematischen Ausrichtung des UFZ beteiligt: 1991 als Vorsitzender des vom Wissenschaftsrat eingesetzten Gründungskomitees und von 1992 bis 1998 als Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats.

"Wolfgang Haber war ein exzellenter Wissenschaftler, dem Inter- und Transdisziplinarität in der Umweltforschung sehr am Herzen lagen. Durch seine kritische, ergebnisoffene Analyse und intensive Zusammenarbeit mit uns als Geschäftsführern des UFZ war er in verschiedenen Funktionen viele Jahre entscheidend an der Entwicklung des UFZ beteiligt. Die von ihm gepflegten ruhigen, klaren und offenen Diskussionen sind mir in guter Erinnerung. Es war eine Freude mit ihm zu arbeiten und ich bin ihm nach wie vor sehr dankbar", sagt Prof. Dr. Peter Fritz, Gründungsdirektor und langjähriger Wissenschaftlicher Geschäftsführer des UFZ (1991-2004).

 


Weitere Informationen

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Im Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) erforschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Ursachen und Folgen der weit reichenden Veränderungen der Umwelt und erarbeiten Lösungsoptionen. In sechs Themenbereichen befassen sie sich mit Wasserressourcen, Ökosystemen der Zukunft, Umwelt- und Biotechnologien, Chemikalien in der Umwelt, Modellierung und sozialwissenschaftlichen Fragestellungen. Das UFZ beschäftigt an den Standorten Leipzig, Halle und Magdeburg circa 1.100 Mitarbeitende. Es wird vom Bund sowie von Sachsen und Sachsen-Anhalt finanziert.

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Die Helmholtz-Gemeinschaft identifiziert und bearbeitet große und vor allem drängende Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft. Ihre Aufgabe ist es, langfristige Forschungsziele von Staat und Gesellschaft zu erreichen. Damit sollen die Lebensgrundlagen der Menschen erhalten und sogar verbessert werden. Helmholtz besteht aus 19 naturwissenschaftlich-technologischen und medizinisch-biologischen Forschungszentren.

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