Pressemitteilung vom 17. August 2026

Bundesumweltminister Carsten Schneider erforscht mit Bürgerinnen und Bürgern die Gera

FLOW-Projekt von UFZ, iDiv und Universität Jena verbindet wissenschaftliches Gewässermonitoring mit ehrenamtlichem Engagement

Bundesumweltminister Carsten Schneider hat am 14. August in Erfurt das Citizen-Science-Projekt FLOW besucht und gemeinsam mit Mitgliedern des Sportfischervereins Bischleben e. V. und des Deutschen Angelfischerverbands (DAFV) die Gewässergüte der Gera untersucht. An dem bundesweiten Forschungsprojekt sind das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ), das Deutsche Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung Halle-Jena-Leipzig (iDiv) und die Friedrich-Schiller-Universität Jena beteiligt. Gemeinsam mit Bürgerwissenschaftler:innen untersucht FLOW den ökologischen Zustand kleiner Fließgewässer. Im Mittelpunkt des Ministerbesuchs stand die Frage, wie Wissenschaft, Zivilgesellschaft und lokale Akteure gemeinsam zum Schutz und zur ökologischen Aufwertung von Bächen beitragen können.

<p>Bundesumweltminister Carsten Schneider an der Gera </p> Foto: P. Runkewitz

Bundesumweltminister Carsten Schneider an der Gera 


Foto: P. Runkewitz
<p>Bundesumweltminister Carsten Schneider und Projektleiterin Prof. Aletta Bonn</p> Foto: P. Runkewitz

Bundesumweltminister Carsten Schneider und Projektleiterin Prof. Aletta Bonn


Foto: P. Runkewitz

Beim Termin an der Gera in Erfurt-Bischleben beteiligte sich Bundesumweltminister Carsten Schneider selbst an der Gewässeruntersuchung. Gemeinsam mit Beteiligten des FLOW-Projekts sowie örtlichen Angler:innen nahm er den Zustand des Flusses in den Blick. Im sich anschließenden Gespräch tauschten sich die Anwesenden darüber aus, wie kleine Fließgewässer geschützt und ihre natürliche Strukturen wiederhergestellt werden können. "Gerade dieser Sommer ist ein Weckruf, dass wir mit der wertvollen Ressource Wasser anders umgehen müssen als bisher. Das sehen wir mit dem aktuellen Niedrigwasser vor allem an den großen Wasserstraßen. Natürliche Wasserräume speichern Wasser, kühlen die Umgebung und sorgen für Grundwasserbildung. Daher müssen wir Bächen und Flüssen wieder mehr Raum geben, ihre Auen und Überflutungsflächen stärken. Das hilft auch, den Gewässerzustand zu verbessern. Damit wir einen Überblick über den Zustand der vielen kleinen Bäche und Flüsse im Land haben, sind freiwillige Bürgerforschungsprojekte wie FLOW wertvoll und überaus hilfreich, um Bürgerforschung mit Engagement vor Ort zu verbinden. Ich danke allen Ehrenamtlichen für ihren wichtigen Einsatz für unsere Natur. Und besonders freut mich, dass auch Angler wie hier beim FLOW-Projekt mit dabei sind und Verantwortung übernehmen", betont der Bundesumweltminister.

Bürgerforschung generiert Daten zu kleinen Fließgewässern

Seit 2021 haben im Citizen-Science-Projekt FLOW rund 2.000 Freiwillige in etwa 200 regionalen Gruppen bundesweit mehr als 500 Probestellen in kleinen Fließgewässern untersucht. Die Teilnehmenden werden dafür geschult und erfassen nach einem standardisierten Verfahren die Gewässerstruktur, die chemisch-physikalische Wasserqualität sowie die Gemeinschaft wirbelloser Tiere, vor allem von Insektenlarven. Die Zusammensetzung dieser Tiergemeinschaften liefert Hinweise darauf, wie stark die untersuchten Gewässer beispielsweise durch Schadstoffe belastet sind. Die bisherigen Untersuchungen des Projekts zeigen, dass etwa 60 Prozent der beprobten landwirtschaftlich geprägten Bäche den guten ökologischen Zustand nach der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie verfehlen.

Projekt verbindet Forschung und gesellschaftliches Engagement

Die im FLOW-Projekt geknüpfte Verbindung von wissenschaftlicher Forschung und gesellschaftlichem Engagement ergänzt das behördliche Gewässermonitoring und ermöglicht es Bürger:innen selbst zum Schutz ihrer Umwelt beizutragen. Gemeinsam mit dem Deutschen Angelfischerverband wollen die Wissenschaftspartner nicht nur den gegenwärtigen Zustand kleiner Fließgewässer untersuchen, sondern auch einfache, lokal umsetzbare Maßnahmen zur ökologischen Verbesserung von Bächen unterstützen.

"Mehr als 6 Mio. Menschen angeln in Deutschland. Sie sind vor Ort, kennen ihre Bäche und Flüsse und sehen, wenn sich etwas verändert. Deshalb ist es wichtig, ihre Erfahrungen und ihr Engagement mit wissenschaftlicher Forschung zu verbinden und sie als aktive Gestalter des Gewässerschutzes zu verstehen. FLOW zeigt, wie wichtig Teilhabe für den Gewässerschutz ist und wie wir die Kräfte vor Ort für konkrete Gewässerverbesserungen nutzen können", sagt der Geschäftsführer des Deutschen Angelfischerverband e.V., Alexander Seggelke.

Die Zusammenarbeit von Wissenschaft und Ehrenamt soll dabei perspektivisch über das Monitoring hinausgehen: So plant das FLOW-Team, Erkenntnisse aus den Untersuchungen unmittelbar vor Ort aufzugreifen und direkte Maßnahmen zur ökologischen Aufwertung kleiner Fließgewässer anzustoßen. "Viele Menschen engagieren sich in der Wissenschaft, weil sie gemeinsam etwas erreichen möchten. Jetzt wollen wir auf den FLOW-Daten aufbauen und gemeinsam mit lokalen Gruppen den Schritt von Citizen Science zu Citizen Action gehen, um Bäche auch ganz praktisch ökologisch aufzuwerten", kündigt Projektleiterin Prof. Dr. Aletta Bonn von UFZ/iDiv/Universität Jena an.

FLOW ist eines von vier Leuchtturm-Citizen-Science-Förderprojekten des Nationalen Monitoringzentrums zur Biodiversität (NMZB) und des Bundesamtes für Naturschutzes (BfN), das mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) gefördert wird. Projektpartner ist der Deutsche Angelfischerverband (DAFV). Die wissenschaftliche Koordination liegt bei UFZ, iDiv und der Universität Jena.

 


Weitere Informationen

Prof. Dr. Aletta Bonn
Leiterin Department Biodiversität und Mensch an UFZ und iDiv
aletta.bonn@ufz.de

UFZ-Pressestelle

Susanne Hufe
Telefon: +49 341 6025-1630
presse@ufz.de


Im Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) erforschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Ursachen und Folgen der weit reichenden Veränderungen der Umwelt und erarbeiten Lösungsoptionen. In sechs Themenbereichen befassen sie sich mit Wasserressourcen, Ökosystemen der Zukunft, Umwelt- und Biotechnologien, Chemikalien in der Umwelt, Modellierung und sozialwissenschaftlichen Fragestellungen. Das UFZ beschäftigt an den Standorten Leipzig, Halle und Magdeburg circa 1.100 Mitarbeitende. Es wird vom Bund sowie von Sachsen und Sachsen-Anhalt finanziert.

www.ufz.de

Die Helmholtz-Gemeinschaft identifiziert und bearbeitet große und vor allem drängende Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft. Ihre Aufgabe ist es, langfristige Forschungsziele von Staat und Gesellschaft zu erreichen. Damit sollen die Lebensgrundlagen der Menschen erhalten und sogar verbessert werden. Helmholtz besteht aus 19 naturwissenschaftlich-technologischen und medizinisch-biologischen Forschungszentren.

www.helmholtz.de
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