Pressemitteilung vom 25. September 2023

Europäische Konferenz zu Biodiversität und Klimawandel

Fachleute erarbeiten Empfehlungen, um Rückgang der Feuchtgebiete in Europa zu stoppen

Rund 150 Fachleute aus ganz Europa diskutieren vom 26. bis 28. September in Bonn die Rolle von Flussauen und Küstenfeuchtgebieten für den Natur- und Klimaschutz. Dabei bringen sie aktuellste Erkenntnisse aus Wissenschaft, Politik und Praxis zusammen und entwickeln Empfehlungen für die Erhaltung und Wiederherstellung dieser lebenswichtigen Ökosysteme.

Flussauen der Vjosa in Albanien, einer der letzten wilden Flüsse Europas Foto: Christian Hecht
Flussauen der Vjosa in Albanien, einer der letzten wilden Flüsse Europas
Foto: Christian Hecht

"Naturschutz und Klimaschutz müssen Hand in Hand gehen", erklärt Thomas Graner, Vizepräsident des Bundesamtes für Naturschutz (BfN), der die Konferenz eröffnet. "Darum setzen wir uns für naturbasierte Lösungen ein, von denen alle profitieren: Mensch, Natur und Klima. Der Schutz und die Wiederherstellung von Flussauen und Küstenfeuchtgebieten ermöglichen solche Win-Win-Win-Szenarien. Denn Feuchtgebiete bieten nicht nur zahlreichen Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum, sie speichern auch Kohlenstoff, mindern Dürren, tragen zum Hochwasser- und Küstenschutz bei und sind ein zentraler Bestandteil unserer natürlichen Lebensgrundlage."

"Es besteht dringender Handlungsbedarf, um den Rückgang der Feuchtgebiete in Europa aufzuhalten und ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber dem Klimawandel zu stärken", sagt Auenökologe Dr. Mathias Scholz vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ). "Hierfür müssen wir alle Register ziehen: Politische Reformen, Veränderungen in der Landnutzung und die großflächige Umsetzung von Wiederherstellungsmaßnahmen in ganz Europa. Dabei ist es entscheidend, dass wir alle betroffenen Akteurinnen und Akteure konsequent einbeziehen." Scholz ist Mitautor eines von einem internationalen Wissenschaftler:innen-Team kürzlich veröffentlichten Hintergrundpapiers zur Fachkonferenz, das sich intensiv mit der Rolle von Flussauen und Küstenfeuchtgebieten für Biodiversitätsschutz, Klimaschutz und Klimafolgenanpassung in Europa auseinandersetzt.

Die Europäische Fachkonferenz mit dem Titel "Riverine and Coastal Wetlands for Biodiversity and Climate" wird vom BfN gemeinsam mit dem Netzwerk der europäischen Naturschutzämter (ENCA) ausgerichtet, in enger Kooperation mit dem UFZ, dem Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) und adelphi. Die Konferenzergebnisse werden Ende des Jahres in Form eines Empfehlungspapiers als "ENCA Recommendations" veröffentlicht.

Hintergrund

Die aktuelle Konferenz ist die fünfte Veranstaltung der Reihe "Europäische Fachkonferenzen zu Biodiversität und Klimawandel", die vom BfN und dem ENCA-Netzwerk seit 2011 mit wechselnden Schwerpunktthemen ausgerichtet wird.

Flussauen und Küstenfeuchtgebiete sind lebenswichtige Ökosysteme für Natur und Menschen, die entscheidende Beiträge für Klimaschutz und Klimafolgenanpassung leisten. Sie gelten als Hotspots der Biodiversität und stellen unverzichtbare Ökosystemleistungen wie Klimaregulierung, Kohlenstoffbindung, Hochwasserschutz, Wasserfiltration, Nahrungsmittelversorgung und Erholungsmöglichkeiten bereit. Binnen- und Küstenfeuchtgebiete sind jedoch weltweit drastisch zurückgegangen, zwischen 1970 und 2015 um 35 Prozent. In Deutschland sind nur 9 Prozent der rezenten Flussauen in einem naturnahen und ökologisch funktionsfähigen Zustand. Das BfN unterstützt die Wiederherstellung dieser wertvollen Ökosysteme in Deutschland unter anderem durch das Förderprogramm Auen im Bundesprogramm Blaues Band Deutschland, über Naturschutzgroßprojekte im Förderprogramm chance.natur sowie als Regiestelle des neuen Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz.

Gemeinsame Pressemitteilung mit dem Bundesamt für Naturschutz (BfN)

Weiterführende Informationen

Konferenzwebseite und Streaming: https://bioclim2023.adelphi.de/

Tagungsband inklusive Programm und Zusammenfassungen der Vorträge: 
https://bfn.bsz-bw.de/frontdoor/index/index/docId/1653

Hintergrundpapier zum Konferenzthema: https://www.bfn.de/publikationen/hintergrundpapier/riverine-and-coastal-wetlands-europe-biodiversity-and-climate


Weitere Informationen

Dr. Mathias Scholz
UFZ-Department Naturschutzforschung
mathias.scholz@ufz.de

UFZ-Pressestelle

Susanne Hufe
Telefon: +49 341 235-1630
presse@ufz.de


Im Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) erforschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Ursachen und Folgen der weit reichenden Veränderungen der Umwelt und erarbeiten Lösungsoptionen. In sechs Themenbereichen befassen sie sich mit Wasserressourcen, Ökosystemen der Zukunft, Umwelt- und Biotechnologien, Chemikalien in der Umwelt, Modellierung und sozialwissenschaftlichen Fragestellungen. Das UFZ beschäftigt an den Standorten Leipzig, Halle und Magdeburg circa 1.100 Mitarbeitende. Es wird vom Bund sowie von Sachsen und Sachsen-Anhalt finanziert.

www.ufz.de

Die Helmholtz-Gemeinschaft identifiziert und bearbeitet große und vor allem drängende Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft. Ihre Aufgabe ist es, langfristige Forschungsziele von Staat und Gesellschaft zu erreichen. Damit sollen die Lebensgrundlagen der Menschen erhalten und sogar verbessert werden. Helmholtz besteht aus 19 naturwissenschaftlich-technologischen und medizinisch-biologischen Forschungszentren.

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