Statement vom 16. Juli 2025
Meilenstein zu einer globalen Umweltüberwachung: Science-Policy Panel für Chemikalien, Abfälle und Verschmutzung gegründet
Statement von Prof. Dr. Werner Brack, Umweltchemiker und Leiter des UFZ-Themenbereichs "Chemikalien in der Umwelt"
Es gibt sie noch, die guten Nachrichten, selbst wenn sie bei all den weltweiten Krisen kaum mehr den Weg in die Medien finden. Unter dem Dach der UNEP (United Nations Environment Programme) haben die Nationen der Welt in einem Treffen in Punta del Este (Uruguay) am 20. Juni 2025 der Verschmutzung der Welt mit Chemikalien und Plastik den Kampf angesagt. In Ergänzung zum Weltklimarat (IPCC) und dem Weltbiodiversitätsrat (IPBES) wurde dabei eine Zwischenstaatliche Plattform für Chemikalien, Abfall und Verschmutzung gegründet. Sie soll neben den globalen Klimaveränderungen und dem weltweiten Biodiversitätsverlust die dritte große globale Umweltkrise in den Griff bekommen – die Umweltverschmutzung. Sie ist eine wichtige Ursache für das weltweite Artensterben (IPBES / Global Assessment 2019), gleichzeitig wird sie für etwa 9 Millionen vorzeitige Todesfälle weltweit pro Jahr (Stand 2018) und eine Vielzahl von Erkrankungen verantwortlich gemacht. Dabei sind viele Stoffe extrem langlebig wie PFAS oder Plastik und lassen sich kaum wieder aus der Umwelt und den Nahrungsketten, deren Teil wir Menschen sind, entfernen. Nur ein entschlossenes weltweites Handeln gegen die weitere Verschmutzung kann hier helfen. Die internationale Zusammenarbeit ist also wichtiger denn je.
Die Dringlichkeit des Problems ist nicht nur auf der internationalen Bühne angekommen. Es ist auch ein klarer Auftrag an uns Wissenschaftler:innen, mit unserer Forschung Lösungen für die globale Verschmutzungskrise voranzubringen. Dies hat vielfältige Aspekte. Während es zur Umweltbelastung in Europa und Nordamerika immer mehr Daten gibt, sind die Daten- und Wissenslücken in vielen Ländern des Globalen Südens, trotz engagierter Wissenschaftler:innen und Expert:innen vor Ort sowie einer sich der Probleme zunehmend bewussten Öffentlichkeit, riesig. Eine enge Zusammenarbeit mit Universitäten, Forschungsinstitutionen, Umweltagenturen und Nichtregierungsorganisationen im Globalen Süden, die Entwicklung angepasster Technologien für die Umweltüberwachung und der Austausch junger Forscherinnen und Forscher sind dabei der Schlüssel. Gleichzeitig werden wir am UFZ unsere Anstrengungen verstärken, die Prozesse zu verstehen, die zur Verschmutzung führen und Rechenmodelle zu entwickeln, die helfen, Datenlücken zu schließen und realistische Vorhersagen zur Belastung unter sich verändernden Bedingungen zu entwickeln. Eine wichtige Frage dabei ist, was wir von den Erfolgen und Misserfolgen in Forschung, Umweltüberwachung und Strategien zur Vermeidung und Reduzierung der Schadstoffbelastung im Globalen Norden für die ganze Welt lernen können. Die Belastung mit Chemikalien und Plastik ist ein weltweites Problem und muss weltweit angegangen werden. Wir wollen dabei kräftig mit anpacken.
Weiterführende Informationen
UNEP-Pressemitteilung, 20. Juni 2025: https://www.unep.org/news-and-stories/press-release/nations-come-together-establish-new-intergovernmental-science-policy
UFZ-Pressemitteilung, 1. März 2022: One Planet – one Health:https://www.ufz.de/index.php?de=36336&webc_pm=05/2022
Weitere Informationen
Prof. Dr. Werner Brack
Leiter UFZ-Themenbereich "Chemikalien in der Umwelt"
werner.brack@ufz.de
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Telefon: +49 341 6025-1630
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Im Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) erforschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Ursachen und Folgen der weit reichenden Veränderungen der Umwelt und erarbeiten Lösungsoptionen. In sechs Themenbereichen befassen sie sich mit Wasserressourcen, Ökosystemen der Zukunft, Umwelt- und Biotechnologien, Chemikalien in der Umwelt, Modellierung und sozialwissenschaftlichen Fragestellungen. Das UFZ beschäftigt an den Standorten Leipzig, Halle und Magdeburg circa 1.100 Mitarbeitende. Es wird vom Bund sowie von Sachsen und Sachsen-Anhalt finanziert.
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