Oekonomie der Umwelt - Wasser, Energie, Biodiversität, Klima

Forschungsschwerpunkte des Departments Ökonomie

Ökonomische Bewertung

Welchen gesellschaftlichen Wert besitzen Umweltgüter und Ökosystemdienstleistungen? Die ökonomische Bewertung beschäftigt sich mit der Entwicklung und Anwendung von Verfahren, die zur Entscheidungsfindung in Konfliktfällen zwischen dem Schutz und der wirtschaftlichen Nutzung von Natur und Umwelt beitragen, indem sie Umweltgütern einen ökonomischen Wert zuweisen. Diese Verfahren zeichnen sich dadurch aus, dass sie die Komplexität der Nutzungskonflikte durch eine integrierte und multidimensionale Analyse der ökologischen, ökonomischen und sozialen Systeme systematisch erfassen, die Dynamik der Systeme mittels Modellen abbilden, langfristige Effekte durch Szenarioanalysen einbeziehen und Unsicherheiten über Auswirkungen von Handlungsalternativen berücksichtigen. Die Bewertungsverfahren werden überdies in Zusammenarbeit mit den betroffenen Stakeholdern und Entscheidungsträgern entwickelt. Es werden sowohl Kosten-Nutzen- als auch multikriterielle Analysen durchgeführt und methodisch weiterentwickelt.

Instrumente der Umwelt- und Ressourcenpolitik

Bei der umwelt- und institutionenökonomischen Analyse von Instrumenten der Umwelt- und Ressourcenpolitik stehen neben dem Ordnungsrecht marktwirtschaftliche Instrumente wie Umweltabgaben oder handelbare Umweltnutzungsrechte sowie Kooperationslösungen (z. B. freiwillige Selbstverpflichtungen) im Vordergrund. Besonderes Gewicht wird auf das institutionelle Design von Instrumenten, die Analyse von Policy-Mix-Strukturen und Implementationsfragen sowie die Innovationswirkungen des Instrumentariums gelegt. Durch die enge Zusammenarbeit von Natur- und Sozialwissenschaften am UFZ können zudem integrierte Ansätze zur Ausgestaltung von Instrumenten entwickelt werden.

Die Anwendungsbereiche umfassen: Steuern, Abgaben, Gebühren und Preise in den Bereichen Energie, Wasser und Naturschutz, Kompensationszahlungen für ökologische Leistungen, ökologischer Finanzausgleich, handelbare Wasserrechte, CO2-Emissionshandel, Einspeisevergütungen für erneuerbare Energien, Flächenausweisungsrechte, Habitat-Trading, Chemikalienregulierung, speziell Instrumente der Bioenergiepolitik (Zölle, Quoten, Zertifizierungen).

Ökologisch-ökonomische Modellierung

Analysen zur Effizienz und Effektivität von Instrumenten und Strategien des Schutzes von Naturressourcen und Biodiversität erfordern häufig die Integration von ökonomischem und ökologischem Wissen. Ein nützlicher methodischer Ansatz für diese Integration ist die ökologisch-ökonomische Modellierung. In Zusammenarbeit mit Ökologen finden hierzu Forschungsarbeiten auf drei Ebenen statt:

  1. Mit Hilfe konzeptioneller Modelle werden auf einer abstrakten Ebene Interaktionen von ökologischen und ökonomischen Einflussgrößen bei der Ausgestaltung von Instrumenten der Bioenergiepolitik und des Biodiversitätsschutzes untersucht.
  2. Angewandte Modelle beziehen sich auf die Analyse eines konkreten Schutzproblems, beispielsweise der kosteneffizienten Ausgestaltung von Kompensationszahlungen für Maßnahmen zum Schutz einer gefährdeten Art in einer bestimmten Region oder zum Erhalt bestimmter Landnutzungsmuster.
  3. Die angewandten Modelle dienen zugleich als Basis für die Entwicklung von Decision Support Systemen für Entscheidungsträger in Form von Software Tools.

Institutionen und Entscheidungsprozesse

Durch welche Akteure und nach welchen Regeln wird gesellschaftlich tatsächlich über knappe Umweltressourcen verfügt und wie sollten Institutionen und Entscheidungsverfahren stattdessen ausgestaltet werden? Die ökonomischen Beiträge zur Analyse von umweltbezogenen Institutionen und Governanceprozessen beruhen auf finanzwissenschaftlichen Ansätzen (z.B. Theorie der öffentlichen Güter, Föderalismustheorie, Public Choice-Theorie,) sowie auf Konzepten der Neuen Institutionenökonomik (Ökonomische Analyse des Rechts, Vertragstheorie, Theorie der Verfügungsrechte, Transaktionskostenökonomik) sowie der Spieltheorie.

Im Vordergrund stehen Fragen der umweltbezogenen Entscheidungsfindung in einem Mehr-Ebenen-System sowie an der Schnittstelle zwischen privater und öffentlicher Güterbereitstellung. Eine besondere Berücksichtigung erfahren die Eigenschaften der natürlichen Ressourcen (z.B. Homogenität, Irreversibilität) in ihrem Zusammenwirken mit institutionellen Regelungen.

Irene Ring

Irene Ring ist neue Präsidentin der Europäischen Gesellschaft für Ökologische Ökonomie.

Wahlbericht der ESEE

Wissenschafts-Blog UMWELTforsch 

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