Verstehen, wie Menschen sich verhalten.
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Themenbereich

Umwelt und Gesellschaft

Vision

Für einen nachhaltigen Umgang mit natürlichen Lebensgrundlagen zum Wohle von Mensch und Umwelt braucht es gesellschaftliche Veränderungsprozesse.

Dafür müssen wir verstehen, wie die politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Akteure bei Umweltfragen agieren, welche Rahmenbedingungen und Interessen sie zu ihrem Handeln antreiben, wie sie Entscheidungen treffen und wann sie zu Kompromissen bereit sind, um nachhaltig zu wirtschaften, zu konsumieren und zu leben.

Herausforderung

Die Ansprüche an die Natur, der gesellschaftliche Hunger auf Nahrung, Energie, Land, Material, Rohstoffe und Produkte jeglicher Art wachsen weiterhin – und sie sind unzureichend koordiniert. Damit verändern sich Landschaften und Ökosysteme grundlegend. Schadstoffe werden in die Umwelt eingetragen. Menschliche Gesundheit und Wohlbefinden werden ebenso beeinträchtigt wie die Integrität der Natur – in wachsendem Maße und global.

Gleichzeitig gewinnt demokratisch legitimierte und Freiheit achtende gesellschaftliche Teilhabe an Entscheidungsprozessen an Gewicht. Mit der Globalisierung der Wirtschaft und zunehmenden grenzüberschreitenden Umweltproblemen verliert der einzelne Staat an Einflussmöglichkeiten, Mensch-Umwelt-Beziehungen zu gestalten. Die vor uns liegende grundlegende und notwendige Umgestaltung aller Wirtschafts- und Lebensweisen wird nicht ohne Widerstände und Konflikte zu schaffen sein.


Fragestellungen

Wie kann diese gesellschaftliche Transformation gestaltet und gesteuert werden? Wenn traditionelle staatliche Steuerungsinstrumente bei Umweltfragen nicht funktionieren, welche sind es dann? Gebote? Verbote? Planung? Oder braucht der Schutz von Wasser und Ökosystemleistungen höhere Preise? Welche Leistungen erwarten wir von Ökosystemen und was wären wir bereit, dafür zu zahlen? Wie können Konflikte gelöst werden, wenn unterschiedliche Akteure unterschiedliche Ansprüche an Wasser- und Energieressourcen, Land oder Schutzgüter haben? Wie geht man mit kulturellen, politischen oder religiösen Besonderheiten um?
 

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Themenbereichs „Umwelt und Gesellschaft“ haben das Ziel, Konzepte und Handlungsempfehlungen zu entwickeln, die eine nachhaltige Nutzung von Umweltressourcen erlauben. Dazu untersuchen sie, welche Faktoren – Wahrnehmungen, Einstellungen, Wertmuster, ökonomische Rahmenbedingungen oder sozial-ökologische Prozesse – menschliches Umweltverhalten beeinflussen.

Sollen internationale Konventionen oder Nachhaltigkeitsziele der UN umgesetzt werden, müssen Governance-Strukturen und Umweltverhalten analysiert werden.

Sie analysieren die institutionellen Rahmenbedingungen, um herauszufinden, welche Akteurskonstellationen, sozialen und rechtlichen Normen, Anreize und Restriktionen am besten geeignet sind, einzelne Umweltziele zu erreichen, und wie sich das möglichst widerspruchsfrei zu einer umfassenden Transformation menschlicher Lebens- und Wirtschaftsweisen zusammenfügen lässt. Sollen internationale Konventionen oder Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen gegen Hunger und Klimawandel, für eine nachhaltige Stadtentwicklung, Artenvielfalt an Land oder den Zugang zu sauberem Wasser umgesetzt werden, müssen Governance-Strukturen und Umweltverhalten analysiert werden. Die Energiewende oder nachhaltige Stadtentwicklungskonzepte sind hervorragende Beispiele, um die Voraussetzungen und Hemmnisse großer Transformationen zu erforschen.
 

Um trotz zunehmender Ansprüche und Konkurrenzen Biodiversität und Ökosystemfunktionen zu sichern, ermitteln die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beispielsweise, welche gesellschaftlichen Ziele an Ökosystemleistungen geknüpft sind. Das beinhaltet neben der Art und dem Zustand von Ökosystemen auch Wertevorstellungen, individuelles und gesellschaftliches Handeln und Wissen, rechtliche und sozio-ökonomische Vorgaben sowie die Resilienz ökologischer und sozialer Systeme.

Für ein integriertes Management von Wasserressourcen – quantitativ und qualitativ – braucht es neue Steuerungsansätze und ökonomische Anreize, aber auch institutionelle Rahmenbedingen etwa beim grenzüberschreitenden Gewässerschutz oder beim Schutz vor Extremereignissen wie Hochwasser oder Dürren.

Auch die nachhaltige Bereitstellung und Nutzung von Biomasse setzt eine umfassende Systemanalyse erneuerbarer Ressourcen voraus, die von Ingenieuren und Naturwissenschaftlern gemeinsam mit Sozialwissenschaftlern zu leisten ist. Ingenieure analysieren die Energiesysteme. Juristen sind für Fragen der Regulierung an Bord, Ökonomen befassen sich mit wirtschaftlichen Zusammenhängen und der Ausgestaltung von ökonomischen Anreizen, Politologen mit Governancestrukturen und Soziologen mit Akzeptanzfragen. Aber auch Politikberatung, Szenarienentwicklung und Modellbildung gehören zu einer umfassenden Bewertung integrierter Bioenergiesysteme.

Lebensstile, Konsumverhalten und Wirtschaftsweisen hängen häufig direkt oder indirekt mit Chemikaliennutzungen und -belastungen zusammen. Beispiele dafür sind der steigende Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft oder von Nanopartikeln in Kleidung und Kosmetika. Deshalb analysieren die Sozialwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler, wie Risiken wahrgenommen werden, welches Wissen vorhanden ist, ob und wie Wissen oder Nichtwissen individuelles und gesellschaftliches Handeln beeinflusst und welche rechtlichen Steuerungsmöglichkeiten es gibt.

Eine der größten Herausforderungen ist es, die Wechselbeziehung von Mensch und Umwelt in agentenbasierten und explorativen Umweltmodellsystemen abzubilden.
 

Als Querschnittsthema ist der Themenbereich „Umwelt und Gesellschaft“ innerhalb des UFZ mit allen Themenbereichen vernetzt – über konkrete Projekte wie etwa „The Economics of Ecosystems and Biodiversity TEEB“ (www.teebweb.org) oder Studien und Fragestellungen, beispielsweise zu Wassernutzungspreisen, dem Erneuerbare Energien Gesetz EEG, Pestizidsteuern, „nature-based solutions“ oder technischen, natürlichen, individuellen und staatlichen Hochwasserschutzmaßnahmen.

Das UFZ ist mit seiner langjährigen Expertise integrativer sozialwissenschaftlicher Umweltforschung einer der wichtigsten Ansprech- und Diskussionspartner innerhalb der Helmholtz - Gemeinschaft, aber auch für nationale und internationale Forschungsinstitute und Entscheidungsträger von Bund, Ländern und der EU.