Pressemitteilung vom 28. Juni 2012

UFZ begleitet die Renaturierung der Luppe-Aue wissenschaftlich

Leipzig. Mit der Übergabe des Fördermittelbescheids in Höhe von fünf Millionen Euro fiel am Donnerstag, den 28. Juni 2012, der Startschuss für die Wiederbelebung der Luppe-Aue. Das Projekt „Lebendige Luppe“ ist das erste sächsische Projekt, das Fördermittel aus dem neuen „Bundesprogramm Biologische Vielfalt“ erhält. Mit dem Projekt „Lebendige Luppe“ wollen die Städte Leipzig und Schkeuditz und der NABU Sachsen in Kooperation mit dem Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) und der Universität Leipzig dem Verlust der typischen Dynamik von Gewässer und Aue entgegenwirken. Weiterhin wird das Projekt von der Sächsischen Landesstiftung Natur und Umwelt unterstützt.

Übergabe des Fördermittelbescheides

Mit der Übergabe des Fördermittelbescheides in der Auwaldstation Lützschena ist das Projekt „Lebendige Luppe“ offiziell gestartet.
Von links nach rechts: Frank Kupfer (Sächsischer Staatsminister für Umwelt und Landwirtschaft), Burkhard Jung (Oberbürgermeister der Stadt Leipzig), Prof. Beate Jessel (Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz), Bernd Dietmar Kammerschen (Saechsische Landesstiftung Natur und Umwelt) und Heiko Rosenthal (Bürgermeister und Beigeordneter für Umwelt, Ordnung und Sport der Stadt Leipzig).
Foto: Tilo Arnhold/UFZ

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Leipziger Auwald

Leipziger Auwald. Auenökosysteme gehören aufgrund von zahlreichen Beeinträchtigungen zu den am stärksten gefährdeten Lebensräumen in unserer Kulturlandschaft. Mit dem Projekt „Lebendige Luppe“ sollen ehemalige Wasserläufe im Leipziger Auwald revitalisiert und zu einem Fließgewässer verbunden werden.
Foto: Hans-Dieter Kasperidus/UFZ

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Luppe im Leipziger Auwald

Flussbiegung der Luppe im Leipziger Auwald (in der Nähe vom Auensee)
Foto: André Künzelmann/UFZ

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Lizenz: CC BY 3.0

Ehemalige Wasserläufe in der Nord-West-Aue sollen revitalisiert und zu einem Fließgewässer verbunden werden. Zudem wird der Wasserhaushalt von Stillgewässern wie den Papitzer Lachen verbessert. Insgesamt fördert das Projekt die Entwicklung auentypischer Wasserverhältnisse und den Auwald mit seinen besonderen Biotopstrukturen und damit die Weiterentwicklung der biologischen Vielfalt in diesem Bereich.

Das Startzeichen für das Projekt „Lebendige Luppe“ gaben heute Burkhard Jung (Oberbürgermeister der Stadt Leipzig), Prof. Beate Jessel (Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz) und Frank Kupfer (Sächsischer Staatsminister für Umwelt und Landwirtschaft) gemeinsam mit weiteren Projektpartnern in der Auwaldstation Lützschena.

Das Department Naturschutzforschung am UFZ ist für das Umweltmonitoring und die wissenschaftliche Evaluierung des Projektes verantwortlich. Weiterhin soll das Konzept der Ökosystemdienstleistungen für die Wissenschaft neue Erkenntnisse liefern sowie planerische und politische Abstimmungsprozesse in der Umsetzung unterstützen. Diese Aufgabe wird in enger Kooperation mit dem Institut für Biologie und dem Institut für Geographie der Universität Leipzig durchgeführt. Mit diesem Projekt ist das UFZ nicht nur an einem der wichtigsten Projekte im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt des BMU beteiligt, vielmehr integriert es sich in idealer Weise in die aktuellen Schwerpunkte der Biodiversitäts- und Wasserforschung am UFZ.

„Europaweit gehören Auenökosysteme aufgrund von zahlreichen Beeinträchtigungen zu den am stärksten gefährdeten Lebensräumen in unserer Kulturlandschaft. Wir wissen, was die Steuergrößen für die Artenvielfalt sind. Insbesondere sind der Erhalt und die Wiederherstellung eines auentypischen Wasserhaushaltes wesentliche Voraussetzungen für das Vorkommen von lebensraumtypischen Arten“, stellt PD Dr. Klaus Henle, Leiter des Departments Naturschutzforschung vom UFZ, heraus. Das UFZ hat die Funktion von Auen und deren biologische Vielfalt in den letzten Jahren intensiv untersucht - unter anderem im Biosphärenreservat Mittelelbe bei Dessau. Mathias Scholz, Auenexperte am UFZ: „Wir hoffen, dass wir mit der wissenschaftlichen Begleitung im Projekt „Lebendige Luppe“ die Wirkungen auf die Artenvielfalt, aber auch weitere besondere Ökosystemleistungen wie Kohlenstoffspeicherung oder Reinigungsfunktion, die von einem vitalen Auenökosystem ausgehen, herausarbeiten können. Dies soll unter anderem mit der gleichzeitigen Erfassung von Zeigerorganismen (Laufkäfern, Pflanzen, Amphibien u.a) und der Dokumentation von Wasserständen und Bodeneigenschaften erfolgen, die vor und nach den Maßnahmen im Projektraum erhoben und analysiert werden.“ „Das sind wichtige Informationen, um die Wertschätzung in der Bevölkerung für dieses wunderbare Ökosystem im urbanen Raum zu stärken. Zusätzlich wollen wir damit neue Erkenntnisse für zukünftige ähnlich gelagerte Naturschutzprojekte gewinnen“, ergänzt Hans Kasperidus, Experte für Stadtökologie und Stadtgrün am UFZ.

In den kommenden sechs Jahren wird das Projekt „Lebendige Luppe“ mit über fünf Millionen Euro im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesumweltministeriums gefördert. Das Programm wurde im Jahr 2011 zur Förderung von Projekten aufgelegt, denen im Rahmen der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt eine gesamtstaatlich repräsentative Bedeutung zukommt oder die diese Strategie in besonders beispielhafter und Maßstab setzender Weise umsetzen. „Das Projekt „Lebendige Luppe“ ist wegweisend“, so BfN-Präsidentin Prof. Beate Jessel, „weil es in einer Großstadt und damit im urbanen Raum angesiedelt ist. Rund 80 Prozent der Bevölkerung Deutschlands leben in Städten und Ballungsräumen. Daher versteht es sich von selbst, dass Naturschutz nicht vor den Toren der Städte halt machen kann, sondern dass biologische Vielfalt und Freiraumqualitäten gerade hier gesichert und entwickelt werden müssen. Diesem Anliegen widmet sich das Bundesamt für Naturschutz vor allem in seiner Außenstelle Leipzig seit mehreren Jahren in zahlreichen Forschungs-, Umsetzungs- und Kommunikationsprojekten.“

Weitere Informationen

Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)
PD Dr. Klaus Henle (Leiter Department Naturschutzforschung)
Tel: 0341-235-1270
PD Dr. Klaus Henle

Hans-Dieter Kasperidus
Tel: 0341-235-1725
Hans-Dieter Kasperidus

Mathias Scholz
Tel: 0341-235-1644
Mathias Scholz

oder

Tilo Arnhold (UFZ-Pressestelle)
Telefon: 0341-235-1635

Links

Lebendige Luppe - attraktive Auenlandschaft: Wiederherstellung ehemaliger Wasserläufe der Luppe im nördlichen Leipziger Auwald (von Jörg Putkunz)
Seite 31 in: Tagungsband zum 5. Leipziger Auensymposium 2011
www.leipziger-auwald.de/cms/front_content.php?idcat=85&idart=394

Planungsbeschluss für das Projekt „Lebendige Luppe“ zur Wiederherstellung ehemaliger Wasserläufe in der Luppeaue (vom 01.09.2011)
Weblink

UFZ- Arbeitsgruppe – Auenökologie
www.ufz.de/index.php?de=1766

Interdisziplinäre Forschungsplattform für Auenökologie an der Mittelelbe
www.ufz.de/index.php?de=10816

UFZ-Schwerpunkt Biodiversität
download Publikation

UFZ-Schwerpunkt Wasser
ww.ufz.de/index.php?de=21987

Im Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) erforschen Wissenschaftler die Ursachen und Folgen der weit reichenden Veränderungen der Umwelt. Sie befassen sich mit Wasserressourcen, biologischer Vielfalt, den Folgen des Klimawandels und Anpassungsmöglichkeiten, Umwelt- und Biotechnologien, Bioenergie, dem Verhalten von Chemikalien in der Umwelt, ihrer Wirkung auf die Gesundheit, Modellierung und sozialwissenschaftlichen Fragestellungen. Ihr Leitmotiv: Unsere Forschung dient der nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen und hilft, diese Lebensgrundlagen unter dem Einfluss des globalen Wandels langfristig zu sichern. Das UFZ beschäftigt an den Standorten Leipzig, Halle und Magdeburg über 1.000 Mitarbeiter. Es wird vom Bund sowie von Sachsen und Sachsen-Anhalt finanziert.

Die Helmholtz-Gemeinschaft leistet Beiträge zur Lösung großer und drängender Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft durch wissenschaftliche Spitzenleistungen in sechs Forschungsbereichen: Energie, Erde und Umwelt, Gesundheit, Schlüsseltechnologien, Struktur der Materie, Verkehr und Weltraum. Die Helmholtz-Gemeinschaft ist mit über 31.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in 18 Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 3,4 Milliarden Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands. Ihre Arbeit steht in der Tradition des Naturforschers Hermann von Helmholtz (1821-1894).

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