Pressemitteilung vom 28. November 2016

Wachstum und Beschleunigung: Die Attraktivität der Steigerungsspirale und ein möglicher Ausweg

Öffentlicher Vortrag des bekannten Soziologen Hartmut Rosa am 5. Dezember im UFZ in Leipzig

Gastredner der 14. Helmholtz Environmental Lecture (HEL) am 5. Dezember wird der Soziologe Prof. Dr. Hartmut Rosa von der Friedrich-Schiller-Universität Jena sein. Sein zentrales Thema ist die Beschleunigung der Lebenswelt des modernen Menschen, die sich am zunehmenden Tempo von Prozessen und Abläufen ablesen und individuell am Gefühl einer immer schneller vergehenden Zeit – in gesellschaftlichen, arbeitsweltlichen und alltäglichen Zusammenhängen – erfahren lässt.

Prof. Dr. Hartmut Rosa Foto: Jürgen Bauer
Prof. Dr. Hartmut Rosa
Foto: Jürgen Bauer

Für den Einzelnen ist Beschleunigung immer dann problematisch, wenn unter dem hohen Tempo die Lebensqualität leidet und die Beziehung zur Welt durch Entfremdung gestört wird. Dabei sind die negativen Folgen der Steigerungsspirale längst überall sichtbar: Ökosysteme, die sich nicht mehr regenerieren können. Psychosysteme, die dem Lebenstempo nicht mehr gewachsen sind und eine Zunahme psychischer Erkrankungen bedingen. Politische Systeme, deren Institutionen und Verfahren der Entscheidungsfindung angesichts steigender Komplexität und Pluralität von Gesellschaften immer öfter überfordert sind.

Einen Ausweg aus der Steigerungslogik sieht Hartmut Rosa in der Erfahrung von Resonanz, d.h. wenn der Mensch Anklang findet, sich ergriffen oder zu Hause fühlt und eine Ahnung davon bekommt, wie er leben möchte. Wenn Resonanzerfahrungen zu Orientierung gebenden Maßstäben werden, lassen sich Autonomie zurückgewinnen und die eigene Grundhaltung verändern. Resonanz kann dann gewissermaßen zur individuellen Antwort auf Beschleunigung und Wachstum und zu einem neuen Maßstab für Lebensqualität werden.

14. Helmholtz Environmental Lecture (HEL) mit Prof. Dr. Hartmut Rosa
Thema: "Wachstum und Beschleunigung: Die Attraktivität der Steigerungsspirale und ein möglicher Ausweg."
Montag, 5. Dezember 2016, 17.00 Uhr, Leipziger KUBUS (Saal 1)
Helmholtz
?Zentrum für Umweltforschung (UFZ), Permoserstraße 15, 04318 Leipzig

Um Anmeldung wird gebeten: online-Anmeldung, telefonisch unter 0341 235 1269 oder per E?Mail unter info@ufz.de.

Zur Person
Prof. Dr. Hartmut Rosa, Jahrgang 1965, studierte Politikwissenschaft, Philosophie und Germanistik in Freiburg und London. Nach Stationen an verschiedenen Universitäten, Lehrtätigkeit und Promotion (1997) habilitierte er sich 2004 mit einer Arbeit zur sozialen Beschleunigung. Seit 2005 ist Hartmut Rosa Professor für Allgemeine und Theoretische Soziologie an der Universität Jena und Direktor des Max-Weber-Kollegs in Erfurt. Zentrale Themen seiner Forschung sind das Phänomen der Beschleunigung, die Veränderung von Zeitstrukturen in der Moderne und gesellschaftliche Transformationsprozesse. Seine Arbeit über "Beschleunigung" (2005) wurde zu einem Bestseller in zehn Auflagen. 2016 erschien bei Suhrkamp sein Buch "Resonanz. Eine Soziologie der Weltbeziehung".

Die Helmholtz Environmental Lecture (HEL) ist eine Veranstaltungsreihe, in der herausragende Persönlichkeiten zu ökologischen, sozio-ökonomischen und sozialen Fragen Stellung beziehen. Markenzeichen der Lectures ist ein ganzheitlicher Ansatz der Vorträge, die über die Grenzen einer einzelnen wissenschaftlichen Disziplin hinausreichen. Bisherige Gastredner: Klaus Töpfer (2009), Hans Joachim Schellnhuber (2010), Achim Steiner (2010), Jochen Flasbarth (2011), Angelika Zahrnt (2012), Frank Schirrmacher (2012), Ernst Ulrich von Weizsäcker (2013), Ottmar Edenhofer (2013), Stephan Kohler (2014), Thilo Bode (2014), Matthias Horx (2015), Mojib Latif (2015), Michael Braungart (2016).


Weitere Informationen

UFZ-Pressestelle

Susanne Hufe
Telefon: +49 341 235-1630
presse@ufz.de


Im Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) erforschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Ursachen und Folgen der weit reichenden Veränderungen der Umwelt. Sie befassen sich mit Wasserressourcen, biologischer Vielfalt, den Folgen des Klimawandels und Anpassungsmöglichkeiten, Umwelt- und Biotechnologien, Bioenergie, dem Verhalten von Chemikalien in der Umwelt, ihrer Wirkung auf die Gesundheit, Modellierung und sozialwissenschaftlichen Fragestellungen. Ihr Leitmotiv: Unsere Forschung dient der nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen und hilft, diese Lebensgrundlagen unter dem Einfluss des globalen Wandels langfristig zu sichern. Das UFZ beschäftigt an den Standorten Leipzig, Halle und Magdeburg mehr als 1.100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Es wird vom Bund sowie von Sachsen und Sachsen-Anhalt finanziert.

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