Pressemitteilung vom 06. Juli 2018

Langzeit-Ökosystemforschung eLTER auf europäischer Infrastruktur-Roadmap ESFRI

Ein wichtiger Schritt für die europäische Ökosystemforschung

Die europäische Infrastruktur zur Langzeit-Ökosystemforschung (eLTER) wurde in die Roadmap des Europäischen Strategieforums für Forschungsinfrastrukturen ESFRI 2018 aufgenommen. Das ist ein außerordentlicher Erfolg für die europäische Forschungsgemeinschaft, die sich mit Ökosystemen, der "Critical Zone" und sozio-ökologischen Fragestellungen befasst. Damit ist der Weg frei für die Entwicklung und Formalisierung der eLTER Forschungsinfrastruktur. Der Antragsprozess wurde vom deutschen Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in enger Zusammenarbeit mit dem österreichischen Umweltbundesamt (UBA) koordiniert und vom deutschen Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützt. 17 Länder stehen politisch hinter dem ESFRI-Antrag. 161 Forschungseinrichtungen aus 27 Ländern unterzeichneten ein gemeinsames wissenschaftliches Memorandum.

Das TERENO-Observatorium im Harz soll Teil der europäischen eLTER-Infrastruktur werden. Foto: UFZ / André Künzelmann
Das TERENO-Observatorium im Harz soll Teil der europäischen eLTER-Infrastruktur werden.
Foto: UFZ / André Künzelmann
Die eLTER Forschungsinfrastruktur. Foto: Stuart Perry of chemical design, UK
Die eLTER Forschungsinfrastruktur.
Foto: Stuart Perry of chemical design, UK

In einer Welt, die ständig globalen Veränderungen unterliegt, wirken multiple Stressfaktoren auf verschiedenen räumlichen und zeitlichen Skalen gleichzeitig auf Ökosysteme - oft verbunden mit erheblichen Verlusten an biologischer Vielfalt und Leistungen der Ökosysteme für die menschliche Gesellschaft. Während solche Effekte auf kurze Sicht gut untersucht sind, ist wenig über langfristige Effekte des Gesamtsystems sowie übergreifende Beziehungen und Rückkoppelungen zwischen Klima, Wasserhaushalt, Pflanzen, Tieren, etc. bekannt. Um diese Wissenslücken zu schließen und Lösungsoptionen zu entwickeln, müssen die komplexen Umweltsysteme besser verstanden werden. eLTER bietet einen einzigartigen und ganzheitlichen systemischen Ansatz zur Beobachtung und Analyse der Umwelt, der biologische, geologische, hydrologische und sozio-ökologische Perspektiven und Interaktionen von einzelnen, kleinräumigen Untersuchungsflächen bis zur Landschaftsskala umfasst. eLTER wird dabei terrestrische Systeme, Süßwassersysteme und Ökosysteme an den Übergängen zwischen Süß- und Salzwasser in den europäischen Klimazonen umfassen.

Die Forschungsinfrastruktur wird zirka 200 Standorte aus den 450 bestehenden Standorten von LTER und der "Critical Zone" Forschung in Europa rekrutieren. "Unser Ziel ist es, wissenschaftliche Exzellenz durch qualitativ hochwertige und aufeinander abgestimmte Services, Daten und Modelle in enger Zusammenarbeit mit ähnlichen europäischen und globalen Forschungsinfrastrukturen bereitzustellen und zu sichern. Außerdem wollen wir die Beobachtungsplattformen und -methoden harmonisieren, um diese effizient über lange Zeiträume zu betreiben", sagt Prof. Dr. Georg Teutsch, Wissenschaftlicher Geschäftsführer des UFZ. "eLTER wird Datensätze zu Strukturen und Funktionen von Systemen unter Berücksichtigung des menschlichen Einflusses generieren und bereitstellen. Das ist eine Grundvoraussetzung für die Entwicklung und Validierung von Systemmodellen, mit denen wir Vorhersagen machen und Entscheidungen unterstützen können."

"Die Aufnahme von eLTER in die ESFRI-Roadmap ist ein entscheidender Schritt für Europa, um eine Führungsrolle in der weltweiten interdisziplinären Erforschung von Ökosystemen zu übernehmen. eLTER wird vielen Nutzergruppen den Zugang zu Forschungsstandorten und Forschungsinfrastrukturen, Expertenteams und Langzeitdaten ermöglichen", sagt MinDirig Wilfried Kraus vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), der den UFZ-Antrag zur Aufnahme in die ESFRI-Roadmap sehr unterstützt hat.

Die nächsten Schritte von eLTER

Der formelle Start der ESFRI-Roadmap 2018 findet im Vorfeld der 4. Internationalen Konferenz für Forschungsinfrastrukturen (ICRI) vom 12. bis 14. September 2018 in Wien statt.

Im nächsten Schritt wird unter Federführung des UFZ ein Antrag auf ein sogenanntes Vorbereitungs-Projekt (Preparatory Phase Project 2020-2023) bei der EU eingereicht. Dessen Ziel ist, dass sich alle Beteiligten auf wichtige Kernkomponenten der Infrastruktur einigen. Diese Komponenten umfassen unter anderem die Rechtsform, eine Leitungstruktur, ein Koordinierungsbüro, thematische Schwerpunkt-Zentren (Topic Center), ein Standardbeobachtungs-Programm, das physische Netzwerk aus LTER-Standorten sowie die Definition und Bereitstellung der Leistungen von eLTER für die Nutzer. In diesen Prozess muss ein breites Spektrum von Interessengruppen eingebunden werden, etwa um kommende Strategien im europäischen Umweltmonitoring zu berücksichtigen.

Wenn eLTER vollständig betriebsbereit ist, wird eine langfristig finanzierte und verwaltete, auf zahlreiche Standorte verteilte und vernetzte Infrastruktur mit Feldstationen zur Langzeit-Ökosystemforschung zur Verfügung stehen, die alle europäischen Ökozonen abdeckt. Diese Feldstationen sollen zuverlässige Erkenntnisse darüber liefern, wie unsere Ökosysteme funktionieren. Durch die Langzeitbeobachtung können Veränderungen der Systeme erfasst sowie eventuelle Kipp-Punkte erkannt werden. Die Nutzergemeinschaft erhält Zugang zu professionell ausgestatteten Forschungsstandorten und umfassenden Daten. Zusätzliche Dienste wie Datensynthese und Datenmodellierung, Unterstützung bei Forschung, Entwicklung und Technologietransfer sowie Schulungsprogramme werden über die Topic Center bereitgestellt.

ESFRI ist das Europäische Strategieforum für Forschungsinfrastrukturen. Es wurde 2002 im Auftrag des Europäischen Rates gegründet und ist ein strategisches Instrument zur Entwicklung der wissenschaftlichen Integration Europas. Die ESFRI-Mission soll einen kohärenten und strategieorientierten Ansatz für die Gestaltung von Forschungsinfrastrukturen in Europa unterstützen und multilaterale Initiativen erleichtern, die zu einer besseren Nutzung und Entwicklung von Forschungsinfrastrukturen auf EU- und internationaler Ebene führen.

Weitere Informationen zu eLTER RI finden Sie unter http://www.lter-europe.net/elter-esfri.


Weitere Informationen

Prof. Dr. Ingolf Kühn
UFZ-Department Biozönoseforschung
ingolf.kuehn@ufz.de

Dr. Michael Mirtl
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)
michael.mirtl@ufz.de

UFZ-Pressestelle

Susanne Hufe
Telefon: +49 341 235-1630
presse@ufz.de


Im Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) erforschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Ursachen und Folgen der weit reichenden Veränderungen der Umwelt. Sie befassen sich mit Wasserressourcen, biologischer Vielfalt, den Folgen des Klimawandels und Anpassungsmöglichkeiten, Umwelt- und Biotechnologien, Bioenergie, dem Verhalten von Chemikalien in der Umwelt, ihrer Wirkung auf die Gesundheit, Modellierung und sozialwissenschaftlichen Fragestellungen. Ihr Leitmotiv: Unsere Forschung dient der nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen und hilft, diese Lebensgrundlagen unter dem Einfluss des globalen Wandels langfristig zu sichern. Das UFZ beschäftigt an den Standorten Leipzig, Halle und Magdeburg mehr als 1.100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Es wird vom Bund sowie von Sachsen und Sachsen-Anhalt finanziert.

www.ufz.de

Die Helmholtz-Gemeinschaft leistet Beiträge zur Lösung großer und drängender Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft durch wissenschaftliche Spitzenleistungen in sechs Forschungsbereichen: Energie, Erde und Umwelt, Gesundheit, Schlüsseltechnologien, Struktur der Materie sowie Luftfahrt, Raumfahrt und Verkehr. Die Helmholtz-Gemeinschaft ist mit 37.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in 18 Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 4 Milliarden Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands. Ihre Arbeit steht in der Tradition des großen Naturforschers Hermann von Helmholtz (1821-1894).

www.helmholtz.de
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