Biodiv-News

Mehr als eine Nummer: Die Vögel der Zukunft


03.08.2022

Senckenberg-Wissenschaftler*innen haben mit Kollegen der Technischen Universität München und der Universität Durham (UK) untersucht, wie sich die biologische Artengemeinschaften von Vögeln auf der ganzen Erde in Zukunft zusammensetzen könnten. Sie zeigen in ihrer Studie, dass sich die Vogelgemeinschaften – unter verschiedenen Klimawandel-Szenarien und der daraus resultierenden Verschiebung von Verbreitungsgebieten – bis 2080 weltweit über große Regionen stark verändern werden. Dies hat auch Auswirkungen auf Ökosystemleistungen, wie Samenausbreitung oder Bestäubung von Pflanzen.




Mehr Informationen: https://www.senckenberg.de/de/pressemeldungen/mehr-als-eine-nummer-die-voegel-der-zukunft/

Stephen Willis
Die Wissenschaftler*innen rechnen in allen Gebieten der Welt mit Umstrukturierungen der Artengemeinschaften – mit Auswirkungen auf die Ökosystemfunktionen, die Vögel erfüllen, wie z.B. die Bestäubung von Pflanzen.
(Foto: Stephen Willis)

Bestäubung durch Krebstiere


29.07.2022

Bis vor Kurzem bestand die Annahme, dass eine Bestäubung durch Tiere ausschließlich Pflanzen an Land vorbehalten ist. Ein internationales Forscherteam hat nun herausgefunden, dass kleine Meereskrustentiere die Vermehrung von Rotalgen fördern, indem sie das Sperma von den männlichen zu den weiblichen Organismen weitertragen. Ihre Ergebnisse deuten darauf hin, dass Meerestiere schon viel länger als Arten an Land eine Rolle bei der Befruchtung spielen.



Mehr Informationen: https://www.bio.mpg.de/de/artikel/pollination-by-crustaceans0/

Tom Kleindinst, Marine Biological Laboratory
Eine junge Baltische Meerassel (Idotea balthica) auf dem Ast einer Rotalge.
(Foto: Wilfried Thomas)

LifeGate – Neue interaktive Karte zeigt die ganze Vielfalt des Lebens

27.07.2022

Wissenschaftler aus Leipzig haben eine riesige, digitale Karte veröffentlicht, welche die ganze Vielfalt des Lebens in Tausenden Fotos zeigt. Das sogenannte LifeGate umfasst alle 2,6 Millionen bekannten Arten des Planeten und sortiert diese nach ihrer Verwandtschaft. Die interaktive Karte ist nun für jeden kostenlos nutzbar unter lifegate.idiv.de.



Mehr Informationen: https://www.idiv.de/de/news/news_single_view/3502.html

Tom Kleindinst, Marine Biological Laboratory
Die Startansicht des LifeGates zeigt die Vielfalt des Lebens auf einen Blick. In alle Bereiche kann man reinzoomen und so bis auf die Artebene gelangen.
Bild: Martin Freiberg

​​Vielfalt auf dem Feld hält Unkräuter in Schach – Wissenschaftlerinnen der Universität Rostock untersuchen Unkraut in Mecklenburg-Vorpommern

22.07.2022

Wissenschaftler*innen untersuchten welchen Einfluss eine größere Vielfalt von Kulturpflanzen im ökologischen Anbau auf die Unkräuter hat. Die Studie zeigt, dass in artenreichen Ackervegetationen keine einzelnen Problemarten in großen Mengen auftreten, sondern bei vielen Arten kleine Mengen unterschiedlicher Unkrautarten vorkommen. Dazu gehören Unkrautarten, die jeder kennt: Klatschmohn, Kornblume, Kamillen, Knötericharten, Spörgel oder auch Hirtentäschelkraut.
Die artenreiche Ackervegetation hat durchaus Vorteile, denn Ackerunkräuter dienen als Nahrungsquelle und Habitat für Nützlinge.



Mehr Informationen: https://www.uni-rostock.de/universitaet/kommunikation-und-aktuelles/medieninformationen/detailansicht/n/vielfalt-auf-dem-feld-haelt-unkraeuter-in-schach-wissenschaftlerinnen-der-universitaet-rostock-untersuchen-unkraut-in-mecklenburg-vorpommern/

Tom Kleindinst, Marine Biological Laboratory
Für die einen Unkraut, für die anderen schöne Sommerblumen: drei Kamillearten
Foto: Bärbel Gerowitt/Universität Rostock

Mehr Arten als bisher angenommen könnten vom Aussterben bedroht sein

18.07.2022

Im Mittel 30 Prozent aller Arten weltweit sind in den letzten 500 Jahren vom Aussterben bedroht oder bereits ausgestorben. Dies ergaben Schätzungen von 3.331 Expertinnen und Experten, die sich mit der biologischen Vielfalt in 187 Ländern beschäftigen. Diese große und diverse Expertengruppe wurde im Rahmen einer Umfrage gebeten, Einschätzungen zum Wandel der von ihnen beforschten Arten zu geben. Die Ergebnisse sollen Wissenslücken bestehender wissenschaftlicher Bewertungen der globalen Biodiversität verringern und so die Wissensbasis für politische Entscheidungen verbessern.


Mehr Informationen: https://www.idiv.de/de/news/news_single_view/3482.html

Tom Kleindinst, Marine Biological Laboratory
Die Umfrage sollte auch in der globalen Literatur unterrepräsentierten Experten, etwa aus dem globalen Süden, und vor allem Frauen eine Stimme geben. (Bild: Andy Underwood Bultmann)

Endstation Tiefsee: Mikroplastik belastet Meeresgrund noch stärker als angenommen

12.07.2022

Forschende haben die Mikroplastik-Verschmutzung des westpazifischen Kurilen-Kamtschatka-Grabens untersucht. Dabei fanden sie in jeder einzelnen von insgesamt 13 Sedimentproben aus bis zu 9450 Metern Tiefe zwischen 215 und 1596 Kleinstpartikel pro Kilogramm – mehr als zuvor nachgewiesen. Ihre erschienene Studie zeigt: Die Tiefsee ist der „Mülleimer der Meere“ – und bei der Ablagerung überraschend dynamisch. Die hohe Biodiversität am tiefsten Meeresgrund ist durch die Verschmutzung mit Mikroplastik stark gefährdet.


Mehr Informationen: https://www.senckenberg.de/de/pressemeldungen/endstation-tiefsee-mikroplastik-belastet-meeresgrund-noch-staerker-als-angenommen/

Tom Kleindinst, Marine Biological Laboratory
In jeder einzelnen der entnommenen Sedimentproben wiesen die Wissenschaftler*innen Mikroplastik-Teilchen nach.
Foto: AWI

Wertschätzung der biologischen Vielfalt ist Voraussetzung zur Bewältigung der globalen Biodiversitätskrise - Weltbiodiversitätsrat verabschiedet in Bonn zwei neue Berichte

11.07.2022

Wie kann der Mensch wildlebende Arten nachhaltig nutzen? Welche unterschiedlichen Wertvorstellungen haben Menschen von der Natur? Zwei Berichte des Weltbiodiversitätsrates IPBES geben der Politik wichtige Empfehlungen zum Schutz und zur nachhaltigen Nutzung der globalen biologischen Vielfalt an die Hand. Sie zeigen, dass die Übernutzung wildlebender Arten eine weltweite Bedrohung darstellt. Eine bessere Berücksichtigung der vielfältigen Werte der Natur kann dazu beitragen, die Biodiversitätskrise zu stoppen. Bei den Verhandlungen in Bonn wurde außerdem ein neuer Bericht auf den Weg gebracht, der sich mit den Zusammenhängen zwischen Wirtschaft und Biodiversität auseinandersetzen wird.


Mehr Informationen: https://www.bmuv.de/pressemitteilung/weltbiodiversitaetsrat-uebernutzung-wilder-arten-stoppen-schutz-der-natur-staerker-beruecksichtigen

Tom Kleindinst, Marine Biological Laboratory
Bildnachweis

mauritius images / Alamy / blickwinkel

Mikroben helfen bei der Anpassung an den Klimawandel

04.07.2022

Alle vielzelligen Lebewesen sind von einer unvorstellbar großen Anzahl von Mikroorganismen besiedelt und haben sich in der Entstehungsgeschichte des Lebens von Beginn an gemeinsam mit ihnen entwickelt. Das natürliche Mikrobiom, also die Gesamtheit dieser Bakterien, Viren und Pilze, die in und auf einem Körper leben, ist von fundamentaler Bedeutung für den Gesamtorganismus. Forschende aus Kiel und Düsseldorf untersuchen nun am Beispiel der Seeanemone Nematostella vectensis den Beitrag des Mikrobioms zur Temperaturanpassung von Lebewesen. Die Forschenden konnten zeigen, dass sich die Bakterienbesiedlung der Tiere infolge der Akklimatisierung ändert und deren Organismus zudem resistenter gegenüber Hitzestress wird. Zusätzlich gelang es ihnen, einen ursächlichen Zusammenhang zu belegen: Übertrugen sie das Mikrobiom der wärmeangepassten auf nicht akklimatisierte Anemonen, wurden auch diese unempfindlicher gegenüber höheren Temperaturen.


Mehr Informationen: Uni Kiel: Mikroben helfen bei der Anpassung an den Klimawandel (uni-kiel.de)


Tom Kleindinst, Marine Biological Laboratory
Die Seeanemone Nematostella vectensis, hier bei der Eiablage, kann ihre Temperaturanpassung durch die Weitergabe bestimmter Bakterien direkt an ihre Nachkommen vererben. Bild: Hanna Domin

Schad­s­toffe gefähr­den hei­mi­sche Fle­der­mäuse

13.06.2022

Fledermäuse wurden in Europa in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts immer seltener. Gründe dafür sind auch die Belastung mit Schwermetallen und schwer abbaubaren organischen Schadstoffen. Das zeigt eine aktuelle Studie zu den Beständen der kleinen Hufeisennase im Bayerisch-Tiroler Alpenraum unter der Leitung der Universität Innsbruck. Urbanisierung und Verlust von Laubwäldern engen den Lebensraum der Fledermäuse zusätzlich ein.


Mehr Informationen: https://www.uibk.ac.at/de/newsroom/2022/schadstoffe-gefahrden-heimische-fledermause/

Tom Kleindinst, Marine Biological Laboratory
Fledermausmütter mit Jungen (Ohren nach oben) in der Wochenstube Foto: A. Vorauer

Wohl dem, der Wärme liebt

03.06.2022

Wie sich der fortschreitende Klimawandel auf die Bestände heimischer Tierarten auswirkt, ist aufgrund lückenhafter Datensätze oft schwer zu verfolgen. In einer neuen Studie der Technischen Universität München (TUM) und des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) wurde nun das umfangreiche Datenbanksystem der Artenschutzkartierung (ASK) des Bayerischen Landesamts für Umwelt (LfU) zum Vorkommen von Schmetterlingen, Libellen und Heuschrecken in Bayern seit 1980 ausgewertet. Das Ergebnis: Wärmeliebende Arten zeigen positive Trends.


Mehr Informationen: https://www.tum.de/die-tum/aktuelles/pressemitteilungen/details/37448

Tom Kleindinst, Marine Biological Laboratory
Die Feuerlibelle (Crocothemis erythraea) ist eine der bekanntesten Profiteurinnen der Klimaerwärmung. Die ursprünglich im mediterranen Raum verbreitete Großlibelle trat Anfang der 1990er Jahre zum ersten Mal in Bayern auf und ist inzwischen weiträumig verbreitet.
Bild: E. K. Engelhardt / TUM

Neue Studie zur Anpassungsfähigkeit von großen Korallenriffen an die Klimaerwärmung

25.05.2022

Eine neue Studie des Leibniz-Zentrums für Marine Tropenforschung (ZMT) berechnet anhand eines Modells und von Daten aus dem Feld, inwieweit große Riffe wie das Great Barrier Reef vor der australischen Küste in der Lage sein werden, sich auf lange Sicht der Ozeanerwärmung anzupassen.


Mehr Informationen: Neue Studie zur Anpassungsfähigkeit von großen Korallenriffen an die Klimaerwärmung (leibniz-zmt.de)

Tom Kleindinst, Marine Biological Laboratory
Noch finden sich in der Karibik Korallenriffe wie dieses Riff vor Curaçao, die weitgehend intakt sind. (Foto: Lisa Röpke, Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung)

Kulturlandschaft als Hotspot der Artenvielfalt: Projekt Teichlausitz forscht zum Erhalt der Lausitzer Teichlandschaften

12.05.2022

In manchen Gebieten ist es das Beste, die Natur sich selbst zu überlassen. Der Artenvielfalt in ökologisch wertvollen mitteleuropäischen Kulturlandschaften kann genau das zum Verhängnis werden – ohne den Erhalt traditioneller Bewirtschaftungsformen ist ihr Überleben gefährdet. So auch in den Teichlandschaften der Lausitz in Sachsen und Brandenburg, in denen seit etwa 800 Jahren Karpfen und andere Fische gezüchtet werden. Die einst künstlich angelegten Teiche haben sich längst zu einem Eldorado des Artenschutzes entwickelt. Neben ihrer Rolle als Lebensräume für Fischotter und Co. spielen sie auch für den Wasserhaushalt, den Tourismus und für das Lokalklima eine entscheidende Rolle.


Mehr Informationen: Kulturlandschaft als Hotspot der Artenvielfalt: Projekt TeichLausitz forscht zum Erhalt der Lausitzer Teichlandschaften — TU Dresden — TU Dresden (tu-dresden.de)

Tom Kleindinst, Marine Biological Laboratory
Die Lausitzer Teiche bilden das in Mitteleuropa größte zusammenhängende Teichgebiet. Diesen Hotspot der Artenvielfalt möchte das Projekt TeichLausitz bewahren.
(Bild: IHI Zittau)

Wie wirkt sich Wiederaufforstung auf den Wasserkreislauf aus?

12.05.2022

Wie würden sich Aufforstung und Renaturierung großer Flächen weltweit auf die Wasserströme auswirken? Eine neue Studie unter der Leitung der Wissenschaftlerin Anne Hoek van Dijke von der Universität Wageningen und unter Mitwirkung von Martin Herold vom GFZ liefert interessante Antworten. Die Auswirkungen auf die Niederschläge reichen demnach weit über Ländergrenzen und sogar Kontinente hinaus: So kann die Wiederaufforstung von Bäumen im Amazonasgebiet zum Beispiel Niederschläge in Europa und Ostasien beeinflussen. In der Studie, die am 11. Mai 2022 in Nature Geoscience veröffentlicht wurde, wurden die globalen Auswirkungen einer groß angelegten Baumsanierung auf die Wasserflüsse und die Wasserverfügbarkeit berechnet.


Mehr Informationen: Wie wirkt sich Wiederaufforstung auf den Wasserkreislauf aus?: GFZ (gfz-potsdam.de)

Tom Kleindinst, Marine Biological Laboratory
Bäume im Wissenschaftspark Albert Einstein.
(Bild: GFZ)

Artenschutz für Pilze

12.05.2022

Eines vorweg: Es geht nicht um die großen Speisepilze, sondern um die mikroskopisch kleinen Vertreter im Wasser. Ein internationales Forschungsteam unter Beteiligung des IGB plädiert dafür, diese besser zu schützen. Das klingt unbedeutend und schwer umsetzbar, ist es aber beides nicht. Das große Reich der Pilze fristet ein Schattendasein neben den beiden anderen Reichen eukaryotischer Lebewesen – den Pflanzen und Tieren. Dabei gäbe es ohne die Pilze kein Penicillin, kein Bier und keinen Hefezopf. Ähnlich eines Verdauungsapparats befördern sie im Wasser die Zersetzung von Stoffen und sind zugleich Nahrung für Tiere. Bedroht sind aquatische Pilze beispielsweise durch eingespülte Fungizide, die sie eigentlich gar nicht bekämpfen sollen. Um Pilze zu schützen, wären Bioassays und ein besseres Monitoring sinnvoll.


Mehr Informationen: Artenschutz für Pilze | IGB (igb-berlin.de)

Tom Kleindinst, Marine Biological Laboratory
Aquatische Pilze sind vielleicht unscheinbar, aber umso wichtiger im Nahrungsnetz von Gewässern.
Bild: H. Masigol

Fleischalternativen aus Pilzkulturen könnten helfen, die Wälder der Erde zu retten

04.05.2022

Wenn bis 2050 nur ein Fünftel des pro-Kopf Rindfleischkonsums durch Fleischalternativen aus mikrobiellem Protein ersetzt wird, könnte das die weltweite Entwaldung halbieren: Das ist das Ergebnis einer neuen Analyse des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), die in der Fachzeitschrift Nature veröffentlicht wurde und zum ersten Mal mögliche Auswirkungen dieser bereits marktreifen Lebensmittel auf die Umwelt umfassend untersucht. Der aus Pilzkulturen durch Fermentierung produzierte Fleischersatz ähnelt echtem Fleisch in Geschmack und Konsistenz, ist aber ein biotechnologisches Produkt. Gegenüber Rindfleisch erfordern diese Fleischalternativen deutlich weniger Landressourcen und können somit die Treibhausgasemissionen durch Viehhaltung und die Ausweitung von Acker- und Weideland stark senken. Die Analyse geht von der Annahme aus, dass die wachsende Weltbevölkerung immer mehr Appetit auf Rindfleisch hat.


Mehr Informationen: Fleischalternativen aus Pilzkulturen könnten helfen, die Wälder der Erde zu retten — Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (pik-potsdam.de)

Tom Kleindinst, Marine Biological Laboratory
(Bild: Pexels)

Wie sich Oktopusse und Tintenfische vom bisher bekannten Muster der Evolution gelöst haben

04.05.2022

Ihre Tarnungsfähigkeit, ihr höchst interaktives Verhalten sind einzigartig im Tierreich –  Oktopusse und andere Tintenfische sind komplexe Lebewesen. Die Chromosomen von Kopffüßern unterscheiden sich stark von denen jeder anderen Tiergruppe. Die Entschlüsselung der Genome von Kopffüßern spielt eine zentrale Rolle, um diese Tiere besser zu verstehen.


Mehr Informationen: Wie sich Oktopusse und Tintenfische vom bisher bekannten Muster der Evolution gelöst haben (univie.ac.at)

Tom Kleindinst, Marine Biological Laboratory
Kalifornischer Oktopus (Octopus bimaculoides)
(Bild: Tom Kleindinst, Marine Biological Laboratory)

Wie Millionen von Gärten in Deutschland zum Schutz von biologischer Vielfalt beitragen können - Forschungsprojekt gARTENreich will Artenreichtum in Privatgärten erhöhen

02.05.2022

Gärten können eine wichtige Rolle dabei spielen, das Artensterben aufzuhalten: Schätzungen zufolge gibt es 17 Millionen Gärten in Deutschland, eine riesige Anzahl kleiner Lebensräume. Bislang ist die biologische Vielfalt in Gärten vielerorts allerdings niedrig und hat in den letzten Jahren sogar abgenommen. Das Projekt gARTENreich möchte darauf hinwirken, dass sich dies ändert. Um zu erforschen, wie Gärten zum Erhalt der Biodiversität in Deutschland beitragen können, und um mit diesem Wissen die biologische Vielfalt in Gärten zu fördern, arbeiten mehrere Institutionen aus Wissenschaft und Praxis mit kommunalen Partnerinnen zusammen.


Mehr Informationen: IÖW: Wie Millionen von Gärten in Deutschland zum Schutz von biologischer Vielfalt beitragen können - Forschungsprojekt gARTENreich will Artenreichtum in Privatgärten erhöhen (ioew.de)


Bild: Stefanie Biel, NaturGarten e.V.
(Bild: Stefanie Biel, NaturGarten e.V.)

Süße Oa­sen im Meer: Un­ter See­gras­wie­sen liegt hau­fen­wei­se Zu­cker

02.05.2022

See­gras­wie­sen ge­hö­ren zu den am stärks­ten be­droh­ten Le­bens­räu­men un­se­res Pla­ne­ten. Seegräser ent­fer­nen sehr ef­fi­zi­ent Koh­len­di­oxid aus der At­mo­sphä­re: Ein Qua­drat­ki­lo­me­ter See­gras spei­chert fast dop­pelt so viel Koh­len­stoff wie Wäl­der an Land, und das 35-mal so schnell. Jetzt ha­ben For­schen­de des Max-Planck-In­sti­tuts für Ma­ri­ne Mi­kro­bio­lo­gie in Bre­men her­aus­ge­fun­den, dass See­grä­ser sehr viel Zu­cker in ihre Bö­den, die so­ge­nann­te Rhi­zo­sphä­re, ab­ge­ben. Die Kon­zen­tra­ti­on von Zu­cker un­ter dem See­gras war min­des­tens 80-mal so hoch wie al­les, was bis­her im Meer ge­mes­sen wur­de.


Mehr Informationen: Süße Oasen im Meer: Unter Seegraswiesen liegt haufenweise Zucker (mpi-bremen.de)

HYDRA Marine Sciences GmbH
Üppige Seegraswiesen von Posidonia oceanica im Mittelmeer. Die Forschenden des Max-Planck-Instituts für Marine Mikrobiologie gehen davon aus, dass ihre Erkenntnisse für viele Lebensräume von Meerespflanzen relevant sind, beispielweise andere Seegrasarten, Mangroven und Salzwiesen.
(Bild: HYDRA Marine Sciences GmbH)

Arten schützen fürs Weltklima

26.04.2022

Maßnahmen für den Klimaschutz sowie für den Schutz der Biodiversität wurden bislang oft parallel zueinander entwickelt. Doch dies gilt mittlerweile als überholt, da viele Ansätze sowohl das Klima als auch die Artenvielfalt schützen können. Vor dem Hintergrund der anstehenden UN-Artenschutzkonferenz hat ein internationales Team von Wissenschaftler:innen die Rolle der künftigen globalen Biodiversitätsziele (Post-2020 Action targets for 2030) für den Klimaschutz bewertet und dabei festgestellt, dass immerhin zwei Drittel der globalen Biodiversitätsziele auch helfen können, den Klimawandel zu bremsen.


Mehr Informationen: Presse - Arten schützen fürs Weltklima (ufz.de)

André Künzelmann / UFZ
Reisterrassen der Philippinen: Die Weltkulturerbestätte mit ihren bewässerten Feldern verdankt ihre Existenz einer kontinuierlichen Wasserversorgung durch die darüberliegenden Wälder.
(Bild: André Künzelmann / UFZ)

Bohnenanbau in vielfältigen Agrarlandschaften fördert Bienen und steigert Ertrag

14.04.2022

Bestäubung durch Insekten ist essenziell für die Produktion vieler Nahrungspflanzen. Das Vorkommen von Bestäubern wie Bienen ist davon abhängig, ob Nistplätze und ausreichend Nahrung vorhanden sind. Fehlen diese Voraussetzungen, bleiben auch die Bestäuber aus und es leidet der Ertrag von blühenden Ackerkulturen, wie zum Beispiel Ackerbohnen und Raps. Ein Team der Universität Göttingen und des Julius Kühn-Instituts (JKI) in Braunschweig hat untersucht, wie sich die Landschaftszusammensetzung aus blühenden Kulturen und naturnahen Habitaten auf die Dichten von Bienen, deren Verhalten beim Sammeln von Nektar und die Erträge von Ackerbohnen (Vicia faba L.) auswirkt. 


Mehr Informationen: Presseinformationen - Georg-August-Universität Göttingen (uni-goettingen.de)

Matthias Furler
Eine Hummel raubt Nektar von einer Ackerbohne.
(Bild: Nicole Beyer)

Biologische Vielfalt könnte helfen, Umweltveränderungen abzufedern

31.03.2022

 Die Biodiversität verändert sich und damit auch die Ökosystemfunktionen. Ein wichtiger Zusammenhang, doch es ist nach wie vor schwierig, komplexe Wechselwirkungen in natürlichen Ökosystemen zu entschlüsseln.Ein Forschungsteam analysierte Langzeitdaten zum Phytoplankton aus 19 ganz unterschiedlichen aquatischen Ökosystemen, um die kausalen Verbindungen und komplexen Rückkopplungen zwischen Biodiversität, Ökosystemfunktionen und Umweltfaktoren zu verstehen.

Mehr Information: Biologische Vielfalt könnte helfen, Umweltveränderungen abzufedern | IGB (igb-berlin.de)

Matthias Furler
Komplexe Wechselwirkungen in Gewässern sind schwer zu entschlüsseln.
(Bild: Michael Feierabend)

Ein einziges Gen steuert die Artenvielfalt in einem Ökosystem

31.03.2022

Ein einzelnes Gen kann ein ganzes Ökosystem beeinflussen. Das zeigt ein Forscherteam der Universität Zürich in einem Laborexperiment mit einer Pflanze und dem dazugehörigen Ökosystem von Insekten. So fördern Pflanzen mit einer Mutation in einem bestimmten Gen Ökosysteme mit mehr Insektenarten. Die Entdeckung eines solchen «Schlüsselgens» könnte die derzeitigen Strategien zur Erhaltung der biologischen Vielfalt verändern.


Mehr Information: UZH - Media - Ein einziges Gen steuert die Artenvielfalt in einem Ökosystem

Matthias Furler
Pflanzen mit einem nicht funktionierenden AOP2-Gen fördern die Koexistenz von Blattläusen und deren natürlichem Feind, einer parasitären Wespe (hier bei der Parasitierung der Blattlaus).
(Bild: Matthias Furler)

Biologische Vielfalt als Lebensgrundlage retten und fördern

Leibniz-Forschungsnetzwerk Biodiversität legt konkrete Empfehlungen für Politik und Gesellschaft vor.

16.03.2022

45 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Forschungsnetzwerks Biodiversität sowie Kolleginnen und Kollegen haben eine Bestandsaufnahme zum Erhalt der Natur als Lebensgrundlage des Menschen vorgelegt. Die „10 Must-Knows aus der Biodiversitätsforschung“ sollen im Vorfeld der Weltbiodiversitätskonferenz der Vereinten Nationen im chinesischen Kunming zum Dialog einladen, formulieren aber gleichzeitig konkrete Empfehlungen für Politik und Gesellschaft.


Mehr Informationen: Biologische Vielfalt als Lebensgrundlage retten und fördern (leibniz-gemeinschaft.de)

rui silvestre
Bild: Rui Silvestre / unsplash

Bundesweiter Pflanzwettbewerb 2022 - Bühne frei für Ihren Wildbienen-Garten!

04.03.2022

Es geht wieder los! Jetzt ist die Zeit, den nächsten Pflanzwettbewerb vorzubereiten: Blüh- und Pflanzpläne erstellen, Saat bestellen und Material für Strukturen sammeln. Um die Biodiversität lokal zu fördern ist das Anlegen von Blühgärten und natürlichen Strukturen (Totholz, Steine...) sinnvoll. Im bundesweiten Pflanzwettbewerb können Pflanzaktionen dokumentiert und bis zum 31. Juli eingereicht werden. Für die besten Beiträge winken Geldpreise bis 400,- Euro und eine Einladung zur Prämierungsfeier in Berlin.


Mehr Informationen: https://wir-tun-was-fuer-bienen.de/home.html

blumen
Bild:  2022 Deutschland summt!

Ameisen zeigen an, wie sich der Regenwald erholt

04.03.2022

Kann sich zerstörter Regenwald wieder regenerieren? Daran forscht das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Konsortium „Reassembly“ unter Leitung der TU Darmstadt. Am Beispiel von Ameisen lässt sich dabei beurteilen, ob und wie gut sich Regenwald nach einer landwirtschaftlichen Nutzung wiederherstellen lässt.


Mehr Informationen: Ameisen zeigen an, wie sich der Regenwald erholt – TU Darmstadt (tu-darmstadt.de)

Philipp Hönle_04032022
Eine von insgesamt 284 Ameisenarten im regenerierenden Regenwald: Ectatomma tuberculatum an einer Nektardrüse eines jungen Baums. (Bild: Philipp Hönle)

Tarnung oder Kommunikation: Wozu Vögel ihren Geruch nutzen

23.02.2022

Welche Sinne nutzen Vögel? Offensichtlich gebrauchen sie Gehör und Augen – schließlich singen sie und tragen oft ein buntes Gefieder. Was aber ist mit dem Geruchssinn? Lange Zeit gab es die Ansicht, Riechen spiele für Vögel keine Rolle. In den vergangenen Jahren ist aber eine Reihe von Arbeiten entstanden, die diese Annahme widerlegen – darunter Forschungen, die sich mit dem Sekret aus der Bürzeldrüse befassen, mit dem Vögel sich mehrmals am Tag ihr Gefieder einschmieren. Was es mit Veränderungen in dessen Zusammensetzung auf sich haben könnte und welche Rolle der Geruch dabei spielt, haben Wissenschaftler*innen unter anderem der Universität Bielefeld untersucht.


Mehr Informationen: Pressemitteilungen: Tarnung oder Kommunikation: Wozu Vögel ihren Geruch nutzen (Nr. 15/2022) (uni-bielefeld.de)

Hayley Crews, Oliver Krüger
Vogel nutzen zum Putzen das Öl aus ihrer Bürzeldrüse. Dieses hilft nicht nur dabei, das Gefieder zu pflegen, sondern hat noch weitere Funktionen für die Tiere: Es könnte etwa dazu dienen, Gelege besser zu tarnen und Fortpflanzungspartner anzuziehen. (Bild: links-Hayley Crews, rechts-Oliver Krüger)