Biodiv-News

Wertvolles Leben im Eis

Die Bedeutung Meereis-assoziierter Lebewesen für den Kohlenstoffkreislauf der Arktis

24.11.2021

Senckenberg-Wissenschaftlerin Angelika Brandt hat mit Erstautorin Julia Ehrlich vom Centrum für Naturkunde (CeNak) am Leibniz-Institut zur Analyse des Biodiversitätswandels in Hamburg  und vom Alfred-Wegener-Institut Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) sowie mit einem internationalen Team untersucht, wie viele und welche Meereis-assoziierte Organismen in der Region Spitzbergen zu finden sind. Das dortige Arktische Meer ist mit drastischen Umweltveränderungen konfrontiert, die sich massiv auf das Leben im und unter dem Eis auswirken – mit Konsequenzen für das gesamte marine Ökosystem.


Mehr Informationen: Wertvolles Leben im Eis | Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung

Ehrlich AWI
Das Forscher*innen-Team rund um Erstautorin Julia Ehrlich bei Meereiskernbohrungen in der Arktis.
(Bild: Ehrlich/AWI)

Fledermäuse im Himalaya sind in hohen Lagen funktionell weniger vielfältig als in niedrigeren lagen - bei gleicher evolutionärer Diversität

24.11.2021

Millionen Jahre der Evolution haben zu einer immensen Vielfalt an Arten geführt, von denen jede auf einzigartige Weise an ihre Umwelt angepasst ist. Eine einfache Methode zur Messung der biologischen Vielfalt ist über die Anzahl der Arten (taxonomische Vielfalt), doch in jüngerer Zeit gewinnen weitere Maße an Bedeutung: die funktionelle Vielfalt – also die Vielfalt der phänotypischen Merkmale, die es den Organismen ermöglichen, ihre ökologischen Funktionen zu erfüllen ­– und die phylogenetische Vielfalt, d. h. die Vielfalt der Verästelungen im Baum des Lebens. In der veröffentlichten Arbeit vergleicht ein Wissenschaftsteam unter Leitung des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) diese Ansätze: Es fand heraus, dass Artenreichtum und funktionelle Vielfalt von Fledermausgemeinschaften im Himalaya mit zunehmender Höhe abnehmen, die phylogenetische Vielfalt jedoch gleich bleibt. Ihre Ergebnisse geben Aufschluss über die Vielfalt der Fledermäuse im Himalaya und dienen als wichtige Grundlage für die Bewertung dieser Vielfalt im Kontext von Umweltveränderungen.


Mehr Informationen: Fledermäuse im Himalaya sind in hohen Lagen funktionell weniger vielfältig als in niedrigeren Lagen – bei gleicher evolutionärer Diversität - Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (izw-berlin.de)

Chakravarty R/Leibniz-IZW
Gewinnung von Blutproben bei Fledermäusen
(Bild: Chakravarty R/Leibniz-IZW)

Biologische Vielfalt: Zeit, endlich zu handeln

23.11.2021

Um die globalen Ziele zum Erhalt der biologischen Vielfalt zu erreichen, muss die Umsetzung auf nationaler Ebene deutlich verbessert werden. Verbindliche Maßnahmen und verantwortliche Akteure müssen klar definiert und die Umsetzung durch systematisches Monitoring überwacht werden. Diese Empfehlungen stehen im Zentrum eines dreistufigen Rahmenplans, den ein internationales Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern unter Leitung des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) in der Fachzeitschrift Conservation Letters veröffentlicht hat. Ein erneutes Scheitern der internationalen Vereinbarungen müsse dringend vermieden werden. Vor allem dürfe ein Fehler dieses Mal nicht mehr passieren.


Mehr Informationen: News single view (idiv.de)

IISD/Mike Muzurakis
Zurzeit werden die neuen globalen Biodiversitätsziele verhandelt. Das Foto zeigt das Treffen einer Open-ended Working Group der UN-Biodiversitätskonvention CBD im Februar 2020 in Rom.
(Bild: IISD/Mike Muzurakis)

Über 50 Prozent aller Schildkröten bedroht

15.11.2021

Ein Team internationaler Wissenschaftler aus den USA, Frankreich, Australien und Deutschland hat die neunte Auflage des Atlas „Turtles of the World“ veröffentlicht. In der Publikation finden sich nicht nur detaillierte Beschreibungen aller 357 Schildkrötenarten, sondern auch Informationen zum Gefährdungsstatus aller Arten sowie ein Vergleich ihrer heutigen und ursprünglichen Verbreitungsgebiete. Die Ergebnisse der Forscher rund um Erstautor Anders G.J. Rhodin (Chelonian Research Foundation und Turtle Conservancy), sind alarmierend: Etwa die Hälfte der Schildkrötenarten sind vom Aussterben bedroht. Den Tieren macht insbesondere der Verlust ihrer Lebensräume sowie der übermäßige Fang zum Verzehr und für den Tierhandel zu schaffen.

Mehr Informationen: Über 50 Prozent aller Schildkröten bedroht | Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung

Rick hudson
Das Verbreitungsgebiet der großen asiatischen Flussschildkröte Batagur trivittata ist um mindestens 90 Prozent geschrumpft.
(Bild: Rick Hudsonn)

Neue Studie zur Biodiversität: Die Vielfalt ökologischer Funktionen auf Meeresinseln sinkt

12.11.2021

Die Artenvielfalt von Ökosystemen hat sich weltweit unter dem Einfluss des Menschen stark verändert. Ein Forschungsteam mit Prof. Dr. Manuel Steinbauer von der Universität Bayreuth hat diese Prozesse am Beispiel von Vögeln auf Ozeaninseln untersucht. Die in „Science Advances“ veröffentlichte Studie zeigt: Die Zahl gebietsfremder Arten, die sich neu ansiedeln, ist oft höher als die Zahl der unter anthropogenen Einflüssen ausgestorbenen Arten. Doch können die zugewanderten Arten die diversen ökologischen Funktionen ausgestorbener Arten nicht in vollem Umfang ersetzen. Einheimischer Artenschwund bewirkt daher langfristig eine Vereinheitlichung von Ökosystemen und ihrer Funktionen.

Mehr Informationen: Neue Studie zur Biodiversität: Die Vielfalt ökologischer Funktionen auf Meeresinseln sinkt (uni-bayreuth.de)

Rotohrbülbül
Rotohrbülbül (Pycnonotus jocosus), der sich unter anderem auf Hawaii und den Maskareneninseln angesiedelt hat.
(Bild: Tim Blackburn)

Menschliche Einflüsse verändern ein ozeanweites Naturgesetz

11.11.2021

Im Rahmen einer weltweiten Kooperation haben Umweltwissenschaftler erstmals in globalem Maßstab die gleichmäßige Verteilung der Meeresbiomasse auf verschiedene Größenklassen - von Bakterien bis zu Walen - untersucht. Durch Quantifizierung des Ausmaßes menschlicher Einflüsse auf dieses Ökosystem zeigt sich eine dramatische Verschiebung einer der bedeutendsten Größenordnungen der Natur.

Mehr Informationen: Menschliche Einflüsse verändern ein ozeanweites Naturgesetz (11.11.2021) (mpg.de)

Wasser
Bild: pexels

Alle europäischen Fledermausarten reagieren sensibel auf künstliches Licht – dies variiert jedoch zwischen Artengruppen und Lebensräumen

09.11.2021

Die künstliche Erhellung der Nacht durch Lampen gilt als zentrale zivilisatorische Errungenschaft mit unzähligen wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Vorteilen für den Menschen. Für viele Tiere stellt jedoch die Erhellung der Nacht eine erhebliche Herausforderung dar. Nachtaktive oder lichtscheue Arten werden gezwungen, auf dunkle Bereiche auszuweichen oder ihr Verhalten an die Helligkeit anzupassen. In einem Aufsatz in der Fachzeitschrift „BioScience“ gibt ein internationales Forschungsteam unter Leitung des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) einen umfassenden Überblick über die Effekte von künstlichem Licht auf europäische Fledermausarten.

Mehr Informationen: Alle europäischen Fledermausarten reagieren sensibel auf künstliches Licht – dies variiert jedoch zwischen Artengruppen und Lebensräumen - Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (izw-berlin.de)

fledermaüse
Nachtaufnahme von Paris zeigt hell erleuchtete Gebiete und Dunkelkorridore - Fledermäuse müssen durch dieses Hell-Dunkel-Mosaik navigieren.

Neue Modelle unterstützen Naturschützer bei der Wiederkehr des seltensten Seelöwen der Welt

08.11.2021

Nach 200 Jahren kehren die Neuseeland-Seelöwen wieder auf die Hauptinsel Neuseelands zurück. Jahrhunderte der intensiven Verfolgung durch den Menschen haben die Art an den Rand des Aussterbens gebracht. Ihre Rückkehr wird als großer Erfolg des Artenschutzes gefeiert – doch schafft er auch komplexe Herausforderungen.

Mehr Informationen: New models help welcome the world’s rarest sea lion as they return home

seelöwen_  Jan O. Engler
Das Aufspüren junger Neuseeland-Seelöwen im Wald ist nicht so leicht wie es aussieht.
(Bild: Jan O. Engler)

Ein na­tür­li­cher CO2-Spei­cher dank sym­bio­ti­scher Bak­te­ri­en

03.11.2021

Seegraswiesen bedecken große Küstenbereiche unseres Planeten und bieten dort einen vielseitigen Lebensraum. Außerdem nehmen sie große Mengen Kohlendioxid (CO2) aus der Atmosphäre auf und speichern ihn im Ökosystem. Um so gut zu gedeihen, brauchen die Seegräser Nährstoffe, hauptsächlich Stickstoff. Bisher glaubte man, dass die Pflanzen den Stickstoff vorwiegend aus dem umgebenden Wasser und Sediment aufnehmen. Diese sind allerdings extrem nährstoffarm. Nun zeigt eine Studie, dass Seegras im Mittelmeer in seinen Wurzeln eine Symbiose mit einem Bakterium unterhält, welches den für das Wachstum notwendigen Stickstoff liefert. Solche Symbiosen waren bisher nur von Landpflanzen bekannt.

Mehr Informationen: Ein natürlicher CO2-Speicher dank symbiotischer Bakterien

Hydra Marine Sciences GmbH
Ein Forschender des Max-Planck-Instituts für Marine Mikrobiologie bei der Probennahme in Seegraswiesen im Mittelmeer. Das Messgerät bestimmt den Sauerstoffgehalt im Meeresboden.
(Bild:Hydra Marine Sciences GmbH)

Tiefgreifender ökologischer Wandel im östlichen Mittelmeer

03.11.2021

Unterschiedliche ökologische Nischen: Tropische Arten verändern die Funktionsweise der Ökosysteme im östlichen Mittelmeer tiefgreifend – mit kaum abschätzbaren Folgen.

Gemeinschaften aus eingeschleppten tropischen Arten unterscheiden sich in ihren biologischen Eigenschaften deutlich von der heimischen Tierwelt im östlichen Mittelmeer, wie ein internationales Forscherteam um Jan Steger vom Institut für Paläontologie herausfand. Dadurch – und durch den fortschreitenden Kollaps mediterraner Arten – verändern sich die Flachwasser-Ökosysteme in der Region besonders tiefgreifend.

Mehr Informationen: Tiefgreifender ökologischer Wandel im östlichen Mittelmeer (univie.ac.at)

Jan Steger
Tropische Flügelschnecke (Conomurex persicus), eine indopazifische Art, vor der israelischen Küste
(Bild:Jan Steger)

Wale sind die „Gärtner der Meere“

03.11.2021

Die ökologische Bedeutung von Walen für die Ozeane wird offenbar drastisch unterschätzt. Eine internationale Studie zeigt, dass Bartenwale wesentlich mehr Nahrung vertilgen als bislang angenommen - teilweise sogar das Dreifache. Ihre Fäkalien düngen demnach das Wasser nahe der Oberfläche mit großen Mengen Eisen, was wiederum die Menge an Phytoplankton drastisch steigert. Das wirke sich auf die Nahrungskette der Ozeane aus und könne auch den Klimawandel dämpfen, schreibt das Team um Matthew Savoca von der kalifornischen Stanford University im Fachblatt „Nature“.

Mehr Informationen: Wale: Wie wichtig sie für unsere Ozeane sind - WELT

John Durban
Ein Buckelwal vor der Küste von Kalifornien
(Bild: John Durban)

Der Frühling wird leiser: Vogelgesang im Wandel

02.11.2021

Forschungsteam mit Beteiligung der Universität Göttingen und des Dachverbandes Deutscher Avifaunisten untersucht Klanglandschaften mit Hilfe von Bürgern

Naturgeräusche, insbesondere Vogelgesang, sind wichtig für unsere Verbindung zur Natur. Doch durch veränderte Landnutzung und Klimawandel nimmt die Zahl der Vögel ab. Wie hat sich dies auf unsere Klanglandschaften, also den im Hintergrund immer präsenten Vogelgesang, ausgewirkt? Ein internationales Forschungsteam, an dem auch die Universität Göttingen beteiligt ist, kombinierte Daten aus Vogelmonitoring-Programmen mit Tonaufnahmen einzelner Arten in freier Wildbahn, die durch Bürgerinnen und Bürger gemacht wurden. So konnten sie Klanglandschaften von mehr als 200.000 Aufnahmeflächen in den vergangenen 25 Jahren erstellen. Die Studie zeigt, dass sich die Geräusche des Frühlings verändern: Das Vogelkonzert wird in Nordamerika und Europa leiser und weniger abwechslungsreich.

Mehr Informationen: Presseinformationen - Georg-August-Universität Göttingen (uni-goettingen.de)

Hans Glader
Die Zahl der Vögel in der Landwirtschaft ist in ganz Europa stark zurückgegangen. Ohne den einzigartigen Klang der Kiebitze sind die landwirtschaftlichen Felder im Frühjahr viel stiller.
(Bild: Hans Glader)

Klimawandel beeinflusst Vererbung in Pflanzen

28.10.2021

Der Klimawandel wird auch Einfluss auf die Vererbung von Pflanzen haben. Ein Team unter Leitung des Fachbereichs Biologie der Universität Hamburg hat nun in Studien untersucht, wie die Meiose in Pflanzenzellen der Art ‚Arabidopsis thaliana‘ unter erhöhten Temperaturen abläuft. Die Folge ist, dass sich der Zeitablauf der Meiose verändert und Rekombinationsdefekte auftreten.

Mehr Informationen:

Klimawandel beeinflusst Vererbung in Pflanzen : Newsroom : Universität Hamburg (uni-hamburg.de)

UHH de Jaeger Bret
Querschnitt durch einen Staubbeutel von Arabidopsis thaliana mit fünf Meiozyten im Zentrum. Als grüne Punkte sind sogenannte ‚stress granules‘ zu sehen, die bei Temperaturen über 30°C gebildet werden.
(Bild: UHH/De Jaeger-Braet)

Ohne chemischen Pflanzenschutz steigt die Vielfalt der blühenden Wildpflanzenarten auf den Äckern deutlich

27.10.2021

Äcker nehmen in Deutschland 36 Prozent der Landflächen ein. Weltweit liegt der Schnitt bei rund elf Prozent. Die Art und Weise, wie diese Flächen bewirtschaftet werden, hat großen Einfluss auf die floristische Artenvielfalt und die ökologischen Funktionen der Ackerflächen in der Landschaft. JKI-Studie analysierte nun erstmals langjährig konventionell und ökologisch bewirtschaftete Ackerflächen parallel zu solchen, auf denen nie Pflanzenschutzmittel eingesetzt wurden.

Mehr Informationen:

JKI - Bundesforschungsinstituts für Kulturpflanzen: PI2021-27: Ohne chemischen Pflanzenschutz steigt die Vielfalt der blühenden Wildpflanzenarten auf den Äckern deutlich (julius-kuehn.de)

Sebastian Steibl
Kornblume als Nektarquelle für Insekten, hier mit der Tagfalterart Kleines Wiesenvögelchen.
(Bild: © J. Hoffmann)

Keine Wildschäden durch Wildschweine auf Magerrasen

TU-Forschungsgruppe untersuchte den Einfluss des Schwarzwildes auf die Biodiversität von Grünland

26.10.2021

Bei der Nahrungssuche durchwühlen Wildschweine unter anderem den Boden, was zu sichtbaren Störungen der Bodenoberfläche in Grünflächen führen kann. Dies hat unterschiedliche Auswirkungen auf die Biodiversität von Pflanzen und Tieren, die diese Flächen besiedeln. Die Biodiversität der Pflanzen nimmt hierbei im Gesamten nur geringfügig ab, ohne dass eine Gefährdung der einzelnen Arten an sich erkennbar ist. Bei den Tieren hingegen profitieren Heuschrecken und Zauneidechsen von den Aktivitäten der Wildschweine. Zu diesen Ergebnissen kam eine Forschungsgruppe des Fachgebietes Ökosystemkunde/Pflanzenökologie der TU Berlin unter der Leitung von Prof. Dr. Sascha Buchholz und Dr. Moritz von der Lippe.

Mehr Informationen:

Keine Wildschäden durch Wildschweine auf Magerrasen (tu.berlin)

Andreas Lischka
Wildschweine sind „positive Ökosystemingenieure“ .
(Bild: Andreas Lischka/Pixabay)

Insektensterben auf tropischen Inseln: Bayreuther Forscher untersuchen Folgen von Urbanisierung und Tourismus

15.10.2021

Touristische Nutzung und eine Ausdehnung städtischer Siedlungsformen stehen in direktem Zusammenhang mit einem massiven Schwund von Insektenarten auf ozeanischen Inseln. Dies haben Wissenschaftler der Universität Bayreuth jetzt durch Forschungsarbeiten auf Malediven-Inseln herausgefunden. Auf Inseln mit fortschreitender Urbanisierung dokumentierten sie im Schnitt 48 Prozent weniger Insektenarten als auf unbewohnten Inseln, auf Touristeninseln sogar 66 Prozent weniger Insektenarten.

Mehr Informationen:

Insektensterben auf tropischen Inseln: Bayreuther Forscher untersuchen Folgen von Urbanisierung und Tourismus (uni-bayreuth.de)

Sebastian Steibl
Verschiedene Ökosysteme auf den Malediven: Unbewohnte Insel (links), dauerhaft besiedelte Insel (Mitte), touristisch genutzte Insel (rechts).
(Bild und Montage: Sebastian Steibl)

Plankton verschiebt sich zu den Polen

15.10.2021

Aufgrund der Erwärmung der Ozeane als Folge des menschlichen Treibhausgas-​Ausstosses werden viele Arten des Meeresplanktons neue Lebensräume erschliessen (müssen). ETH-​Forschende erwarten, dass viele Organismen zu den Polen wandern und dort neue Artengemeinschaften bilden – mit unabsehbaren Folgen für die marinen Nahrungsnetze.

Mehr Informationen:

Plankton verschiebt sich zu den Polen | ETH Zürich

Arostynov
Eine Qualle treibt in einer Planktonwolke.
(Bild: Adobe Stock/ arostynov)

Rückgang von Pflanzenbestäubern bedroht Artenvielfalt

14.10.2021

Etwa 175.000 Pflanzenarten – die Hälfte aller Blütenpflanzen – sind für die Samenbildung und damit für ihre Fortpflanzung überwiegend oder vollständig auf tierische Bestäuber angewiesen. Dies ist das Ergebnis einer aktuellen Studie, die am 13. Oktober 2021 von einem globalen Forschungsnetzwerk mit Beteiligung des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) und der Universität Konstanz in der Zeitschrift Science Advances veröffentlicht wurde. Ein Rückgang in der Zahl dieser Bestäuber könnte daher zu erheblichen Störungen der natürlichen Ökosysteme führen – einschließlich eines Verlustes der biologischen Vielfalt.

Mehr Informationen:

https://www.idiv.de/de/news/news_single_view/2282.html


Mark-Oliver Rödel/Museum für Naturkunde Berlin
Die meisten Blütenpflanzenarten sind zur Fortpflanzung auf Bestäuber angewiesen. Dies gilt auch für die einjährigen Gänseblümchenarten, die in Südafrika im Frühjahr die Massenblüte dominieren.
(Bild: Prof. Alan Ellis/Stellenbosch University)

Empfindliche Frösche: Der Regenwald heilt langsamer als gedacht

13.10.2021

Wissenschaftler*innen der beiden Leibniz-Einrichtungen Senckenberg Naturhistorische Sammlungen Dresden und Museum für Naturkunde Berlin haben eine über zwanzig Jahre angelegte Langzeitstudie zur Biodiversität im Regenwald abgeschlossen. Anhand von Froschgemeinschaften im Gebiet der westafrikanischen Elfenbeinküste konnte das Team zeigen, dass sich das Ökosystem fast 50 Jahre nach der Abholzung immer noch nicht erholt hat. Einige Froscharten kehren nie wieder in ihren ursprünglichen Lebensraum zurück.

Mark-Oliver Rödel/Museum für Naturkunde Berlin
Die Laubstreufroschart Phrynobatrachus guineensis ist nach der Abholzung nicht in ihren früheren Lebensraum zurückgekehrt.
(Bild: Mark-Oliver Rödel/Museum für Naturkunde Berlin)

“Hilfe zur Selbsthilfe” der Korallenriffe

12.10.2021

Korallenriffe sind die Regenwälder des Meeres. 30 Prozent der marinen Biodiversität ist von Korallenriffen abhängig, wirtschaftlich gesehen sind es global rund eine Milliarde Menschen. Gleichzeitig sind Korallenriffe als Ökosysteme stark vom Klimawandel bedroht. In einer Übersicht, die in der aktuellen Ausgabe des Online-Journals Nature Reviews Earth & Environment erschienen ist, fasst Prof. Dr. Christian Voolstra von der Universität Konstanz gemeinsam mit einer internationalen Gruppe von ExpertInnen natürliche Prozesse zusammen, die die Widerstandsfähigkeit von Korallen als repräsentative Schlüsselarten erhöhen können, um dadurch Korallenriff-Ökosystemen besser zu helfen. Sie plädieren dafür, vielversprechende Ansätze aus der Natur zu identifizieren und daraus Methoden zu entwickeln, um die natürliche Hitzebeständigkeit von Korallen zu erweitern und sie dadurch resistenter zu machen. Ziel ist, ein Arsenal an Methoden für die Hilfe zur Selbsthilfe von Korallen zur Verfügung zu stellen.

Mehr Informationen:

„Hilfe zur Selbsthilfe“ der Korallenriffe | campus.kn (uni-konstanz.de)

Nature
(Bild: Pixabay)

Insekten im Klima- und Landschaftswandel

12.10.2021

Weltweit gehen die Menge und die Vielfalt der Insekten zurück: Dafür hat die Wissenschaft in den vergangenen Jahren immer mehr Hinweise gefunden. In Politik und Gesellschaft haben diese Befunde teils große Besorgnis ausgelöst. Forscherinnen und Forscher führen das Insektensterben zum einen auf Veränderungen der Landnutzung zurück, beispielsweise auf die Zunahme großer Monokulturen wie Mais und Raps. Zum anderen nennen sie als Ursache auch den Klimawandel mit vermehrter Hitze und Trockenheit. Doch scheinen diese Befunde Schwächen zu haben, wie der Tierökologe Professor Jörg Müller vom Biozentrum der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) sagt. Die zugrundeliegenden Studien würden bislang unter anderem die Vielfalt der Insektenspezies nicht gut genug abbilden oder nur kurze Zeiträume und kleine Gebiete berücksichtigen. Dieses Manko wollte ein Forschungsteam des bayerischen LandKlif-Netzwerks, koordiniert von der JMU, nun zumindest teilweise beheben. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass die Verstädterung ein weiterer Schlüsselfaktor ist, der Insekten das Überleben schwermacht.

Mehr Informationen:

Insekten im Klima- und Landschaftswandel - Universität Würzburg (uni-wuerzburg.de)

Nature
Malaise-Fallen eignen sich hervorragend zum Sammeln einer Vielzahl von Insekten in verschiedenen Lebensräumen.
(Bild: LandKlif-Team)

Artenvielfalt auf den Inseln ist extrem bedroht

11.10.2021

Inseln machen nur 7 Prozent der weltweiten Landfläche aus – doch sie beherbergen 20 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten. Diese Vielfalt ist extrem bedroht. In einem Beitrag in der Zeitschrift „Global Ecology and Conservation“ beschreibt Biogeograph Prof. Severin Irl von der Goethe-Universität zusammen mit Kollegen den Ist-Zustand der Artenvielfalt.

Mehr Informationen:

Goethe-Universität — ​​​​​​​Pressemitteilungen ​​​​​​ (uni-frankfurt.de)

Nature
(Bild: Pixabay)

„Nature“-Studie: Aussehen von Pflanzen verrät nichts über ihre Wurzeln

07.10.2021

Die große oberirdische Vielfalt der Pflanzen spiegelt sich nur bedingt im Aussehen ihrer Wurzeln wider. Während es oberhalb der Erde sehr viele verschiedene Pflanzenmerkmale und charakteristische Muster gibt, ähneln sich die meisten Arten im Boden stark. Mehr noch: Es gibt offenbar keinen Zusammenhang zwischen "oben" und "unten", wie ein internationales Forschungsteam unter Leitung der Universität Tartu und Beteiligung der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) in der Fachzeitschrift "Nature" schreibt.

Mehr Informationen:
„Nature“-Studie: Aussehen von Pflanzen verrät nichts über ihre Wurzeln (uni-halle.de)

Nature
Cover der Ausgabe von "Nature"

(Bild: Nature)

Immer mehr Straßen aber kaum Wissen über deren Auswirkungen auf Wildtiere

06.10.2021

Gerade in Regionen mit sehr dichtem Straßennetz wie Deutschland gehören Fahrzeuge vermutlich zu den wesentlichen Lebensbedrohungen aller Arten von Wildtieren. Wie stark sich dieser Faktor jedoch auf die Populationen auswirkt, lässt sich mangels Daten leider nicht darstellen. Dies hat nun ein Wissenschaftlerteam unter Leitung der Complutense-Universität Madrid (UCM), dem deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) sowie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) in der Zeitschrift Perspectives in Ecology and Conservation gezeigt. Die Analyse einschlägiger Literatur ergab, dass Studien zu stark auf wenige Regionen und Arten beschränkt sind. Die Wissenschaftler sehen in der systematischen Erfassung von tierischen Verkehrsopfern ein großes Potenzial zur Bewertung des Aussterberisikos von Tierarten.

Mehr Informationen:
News single view (idiv.de)

Pixabay
Nur sieben Prozent der Studien, die Verkehrsunfälle als Todesursache von Tieren aufführen, untersuchen auch die Auswirkungen auf die Bevölkerungsentwicklung.

(Bild: Pixabay)

Große Wassertiere sind durch den Verlust von frei fließenden Flüssen gefährdet

05.10.2021

Der Verlust von frei fließenden Flüssen gefährdet weltweit die biologische Vielfalt in Fließgewässern – und die Fragmentierung von Flüssen dauert an: Mehr als 3.400 große Wasserkraftanlagen mit über einem Megawatt Leistung sind entweder geplant oder im Bau. Forschende unter Leitung des IGB zeigen nun: Wenn alle beabsichtigten Staudämme gebaut werden, verlieren weltweit 19 Prozent der Flüsse mit über 500 Kilometern Länge, in denen große Tiere vorkommen, ihren Status als frei fließende Gewässer. Und ein weiteres Ergebnis ist: Fließgewässer, in denen Dämme und andere Bauwerke geplant sind, beherbergen heute noch den höchsten Artenreichtum an großen Tieren – mehr als die dann verbleibenden frei fließenden Flüsse oder solche, die bereits verbaut sind.

Mehr Informationen:
Große Wassertiere sind durch den Verlust von frei fließenden Flüssen gefährdet | IGB (igb-berlin.de)

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(Bild: Pexels)

Wiedervernässte Moore sind neuartige Ökosysteme

05.10.2021