Biodiv-News

Fleischalternativen aus Pilzkulturen könnten helfen, die Wälder der Erde zu retten

04.05.2022

Wenn bis 2050 nur ein Fünftel des pro-Kopf Rindfleischkonsums durch Fleischalternativen aus mikrobiellem Protein ersetzt wird, könnte das die weltweite Entwaldung halbieren: Das ist das Ergebnis einer neuen Analyse des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), die in der Fachzeitschrift Nature veröffentlicht wurde und zum ersten Mal mögliche Auswirkungen dieser bereits marktreifen Lebensmittel auf die Umwelt umfassend untersucht. Der aus Pilzkulturen durch Fermentierung produzierte Fleischersatz ähnelt echtem Fleisch in Geschmack und Konsistenz, ist aber ein biotechnologisches Produkt. Gegenüber Rindfleisch erfordern diese Fleischalternativen deutlich weniger Landressourcen und können somit die Treibhausgasemissionen durch Viehhaltung und die Ausweitung von Acker- und Weideland stark senken. Die Analyse geht von der Annahme aus, dass die wachsende Weltbevölkerung immer mehr Appetit auf Rindfleisch hat.


Mehr Informationen: Fleischalternativen aus Pilzkulturen könnten helfen, die Wälder der Erde zu retten — Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (pik-potsdam.de)

Tom Kleindinst, Marine Biological Laboratory
(Bild: Pexels)

Wie sich Oktopusse und Tintenfische vom bisher bekannten Muster der Evolution gelöst haben

04.05.2022

Ihre Tarnungsfähigkeit, ihr höchst interaktives Verhalten sind einzigartig im Tierreich –  Oktopusse und andere Tintenfische sind komplexe Lebewesen. Die Chromosomen von Kopffüßern unterscheiden sich stark von denen jeder anderen Tiergruppe. Die Entschlüsselung der Genome von Kopffüßern spielt eine zentrale Rolle, um diese Tiere besser zu verstehen.


Mehr Informationen: Wie sich Oktopusse und Tintenfische vom bisher bekannten Muster der Evolution gelöst haben (univie.ac.at)

Tom Kleindinst, Marine Biological Laboratory
Kalifornischer Oktopus (Octopus bimaculoides)
(Bild: Tom Kleindinst, Marine Biological Laboratory)

Wie Millionen von Gärten in Deutschland zum Schutz von biologischer Vielfalt beitragen können - Forschungsprojekt gARTENreich will Artenreichtum in Privatgärten erhöhen

02.05.2022

Gärten können eine wichtige Rolle dabei spielen, das Artensterben aufzuhalten: Schätzungen zufolge gibt es 17 Millionen Gärten in Deutschland, eine riesige Anzahl kleiner Lebensräume. Bislang ist die biologische Vielfalt in Gärten vielerorts allerdings niedrig und hat in den letzten Jahren sogar abgenommen. Das Projekt gARTENreich möchte darauf hinwirken, dass sich dies ändert. Um zu erforschen, wie Gärten zum Erhalt der Biodiversität in Deutschland beitragen können, und um mit diesem Wissen die biologische Vielfalt in Gärten zu fördern, arbeiten mehrere Institutionen aus Wissenschaft und Praxis mit kommunalen Partnerinnen zusammen.


Mehr Informationen: IÖW: Wie Millionen von Gärten in Deutschland zum Schutz von biologischer Vielfalt beitragen können - Forschungsprojekt gARTENreich will Artenreichtum in Privatgärten erhöhen (ioew.de)


Bild: Stefanie Biel, NaturGarten e.V.
(Bild: Stefanie Biel, NaturGarten e.V.)

Süße Oa­sen im Meer: Un­ter See­gras­wie­sen liegt hau­fen­wei­se Zu­cker

02.05.2022

See­gras­wie­sen ge­hö­ren zu den am stärks­ten be­droh­ten Le­bens­räu­men un­se­res Pla­ne­ten. Seegräser ent­fer­nen sehr ef­fi­zi­ent Koh­len­di­oxid aus der At­mo­sphä­re: Ein Qua­drat­ki­lo­me­ter See­gras spei­chert fast dop­pelt so viel Koh­len­stoff wie Wäl­der an Land, und das 35-mal so schnell. Jetzt ha­ben For­schen­de des Max-Planck-In­sti­tuts für Ma­ri­ne Mi­kro­bio­lo­gie in Bre­men her­aus­ge­fun­den, dass See­grä­ser sehr viel Zu­cker in ihre Bö­den, die so­ge­nann­te Rhi­zo­sphä­re, ab­ge­ben. Die Kon­zen­tra­ti­on von Zu­cker un­ter dem See­gras war min­des­tens 80-mal so hoch wie al­les, was bis­her im Meer ge­mes­sen wur­de.


Mehr Informationen: Süße Oasen im Meer: Unter Seegraswiesen liegt haufenweise Zucker (mpi-bremen.de)

HYDRA Marine Sciences GmbH
Üppige Seegraswiesen von Posidonia oceanica im Mittelmeer. Die Forschenden des Max-Planck-Instituts für Marine Mikrobiologie gehen davon aus, dass ihre Erkenntnisse für viele Lebensräume von Meerespflanzen relevant sind, beispielweise andere Seegrasarten, Mangroven und Salzwiesen.
(Bild: HYDRA Marine Sciences GmbH)

Arten schützen fürs Weltklima

26.04.2022

Maßnahmen für den Klimaschutz sowie für den Schutz der Biodiversität wurden bislang oft parallel zueinander entwickelt. Doch dies gilt mittlerweile als überholt, da viele Ansätze sowohl das Klima als auch die Artenvielfalt schützen können. Vor dem Hintergrund der anstehenden UN-Artenschutzkonferenz hat ein internationales Team von Wissenschaftler:innen die Rolle der künftigen globalen Biodiversitätsziele (Post-2020 Action targets for 2030) für den Klimaschutz bewertet und dabei festgestellt, dass immerhin zwei Drittel der globalen Biodiversitätsziele auch helfen können, den Klimawandel zu bremsen.


Mehr Informationen: Presse - Arten schützen fürs Weltklima (ufz.de)

André Künzelmann / UFZ
Reisterrassen der Philippinen: Die Weltkulturerbestätte mit ihren bewässerten Feldern verdankt ihre Existenz einer kontinuierlichen Wasserversorgung durch die darüberliegenden Wälder.
(Bild: André Künzelmann / UFZ)

Bohnenanbau in vielfältigen Agrarlandschaften fördert Bienen und steigert Ertrag

14.04.2022

Bestäubung durch Insekten ist essenziell für die Produktion vieler Nahrungspflanzen. Das Vorkommen von Bestäubern wie Bienen ist davon abhängig, ob Nistplätze und ausreichend Nahrung vorhanden sind. Fehlen diese Voraussetzungen, bleiben auch die Bestäuber aus und es leidet der Ertrag von blühenden Ackerkulturen, wie zum Beispiel Ackerbohnen und Raps. Ein Team der Universität Göttingen und des Julius Kühn-Instituts (JKI) in Braunschweig hat untersucht, wie sich die Landschaftszusammensetzung aus blühenden Kulturen und naturnahen Habitaten auf die Dichten von Bienen, deren Verhalten beim Sammeln von Nektar und die Erträge von Ackerbohnen (Vicia faba L.) auswirkt. 


Mehr Informationen: Presseinformationen - Georg-August-Universität Göttingen (uni-goettingen.de)

Matthias Furler
Eine Hummel raubt Nektar von einer Ackerbohne.
(Bild: Nicole Beyer)

Biologische Vielfalt könnte helfen, Umweltveränderungen abzufedern

31.03.2022

 Die Biodiversität verändert sich und damit auch die Ökosystemfunktionen. Ein wichtiger Zusammenhang, doch es ist nach wie vor schwierig, komplexe Wechselwirkungen in natürlichen Ökosystemen zu entschlüsseln.Ein Forschungsteam analysierte Langzeitdaten zum Phytoplankton aus 19 ganz unterschiedlichen aquatischen Ökosystemen, um die kausalen Verbindungen und komplexen Rückkopplungen zwischen Biodiversität, Ökosystemfunktionen und Umweltfaktoren zu verstehen.

Mehr Information: Biologische Vielfalt könnte helfen, Umweltveränderungen abzufedern | IGB (igb-berlin.de)

Matthias Furler
Komplexe Wechselwirkungen in Gewässern sind schwer zu entschlüsseln.
(Bild: Michael Feierabend)

Ein einziges Gen steuert die Artenvielfalt in einem Ökosystem

31.03.2022

Ein einzelnes Gen kann ein ganzes Ökosystem beeinflussen. Das zeigt ein Forscherteam der Universität Zürich in einem Laborexperiment mit einer Pflanze und dem dazugehörigen Ökosystem von Insekten. So fördern Pflanzen mit einer Mutation in einem bestimmten Gen Ökosysteme mit mehr Insektenarten. Die Entdeckung eines solchen «Schlüsselgens» könnte die derzeitigen Strategien zur Erhaltung der biologischen Vielfalt verändern.


Mehr Information: UZH - Media - Ein einziges Gen steuert die Artenvielfalt in einem Ökosystem

Matthias Furler
Pflanzen mit einem nicht funktionierenden AOP2-Gen fördern die Koexistenz von Blattläusen und deren natürlichem Feind, einer parasitären Wespe (hier bei der Parasitierung der Blattlaus).
(Bild: Matthias Furler)

Biologische Vielfalt als Lebensgrundlage retten und fördern

Leibniz-Forschungsnetzwerk Biodiversität legt konkrete Empfehlungen für Politik und Gesellschaft vor.

16.03.2022

45 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Forschungsnetzwerks Biodiversität sowie Kolleginnen und Kollegen haben eine Bestandsaufnahme zum Erhalt der Natur als Lebensgrundlage des Menschen vorgelegt. Die „10 Must-Knows aus der Biodiversitätsforschung“ sollen im Vorfeld der Weltbiodiversitätskonferenz der Vereinten Nationen im chinesischen Kunming zum Dialog einladen, formulieren aber gleichzeitig konkrete Empfehlungen für Politik und Gesellschaft.


Mehr Informationen: Biologische Vielfalt als Lebensgrundlage retten und fördern (leibniz-gemeinschaft.de)

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Bild: Rui Silvestre / unsplash

Bundesweiter Pflanzwettbewerb 2022 - Bühne frei für Ihren Wildbienen-Garten!

04.03.2022

Es geht wieder los! Jetzt ist die Zeit, den nächsten Pflanzwettbewerb vorzubereiten: Blüh- und Pflanzpläne erstellen, Saat bestellen und Material für Strukturen sammeln. Um die Biodiversität lokal zu fördern ist das Anlegen von Blühgärten und natürlichen Strukturen (Totholz, Steine...) sinnvoll. Im bundesweiten Pflanzwettbewerb können Pflanzaktionen dokumentiert und bis zum 31. Juli eingereicht werden. Für die besten Beiträge winken Geldpreise bis 400,- Euro und eine Einladung zur Prämierungsfeier in Berlin.


Mehr Informationen: https://wir-tun-was-fuer-bienen.de/home.html

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Bild:  2022 Deutschland summt!

Ameisen zeigen an, wie sich der Regenwald erholt

04.03.2022

Kann sich zerstörter Regenwald wieder regenerieren? Daran forscht das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Konsortium „Reassembly“ unter Leitung der TU Darmstadt. Am Beispiel von Ameisen lässt sich dabei beurteilen, ob und wie gut sich Regenwald nach einer landwirtschaftlichen Nutzung wiederherstellen lässt.


Mehr Informationen: Ameisen zeigen an, wie sich der Regenwald erholt – TU Darmstadt (tu-darmstadt.de)

Philipp Hönle_04032022
Eine von insgesamt 284 Ameisenarten im regenerierenden Regenwald: Ectatomma tuberculatum an einer Nektardrüse eines jungen Baums. (Bild: Philipp Hönle)

Tarnung oder Kommunikation: Wozu Vögel ihren Geruch nutzen

23.02.2022

Welche Sinne nutzen Vögel? Offensichtlich gebrauchen sie Gehör und Augen – schließlich singen sie und tragen oft ein buntes Gefieder. Was aber ist mit dem Geruchssinn? Lange Zeit gab es die Ansicht, Riechen spiele für Vögel keine Rolle. In den vergangenen Jahren ist aber eine Reihe von Arbeiten entstanden, die diese Annahme widerlegen – darunter Forschungen, die sich mit dem Sekret aus der Bürzeldrüse befassen, mit dem Vögel sich mehrmals am Tag ihr Gefieder einschmieren. Was es mit Veränderungen in dessen Zusammensetzung auf sich haben könnte und welche Rolle der Geruch dabei spielt, haben Wissenschaftler*innen unter anderem der Universität Bielefeld untersucht.


Mehr Informationen: Pressemitteilungen: Tarnung oder Kommunikation: Wozu Vögel ihren Geruch nutzen (Nr. 15/2022) (uni-bielefeld.de)

Hayley Crews, Oliver Krüger
Vogel nutzen zum Putzen das Öl aus ihrer Bürzeldrüse. Dieses hilft nicht nur dabei, das Gefieder zu pflegen, sondern hat noch weitere Funktionen für die Tiere: Es könnte etwa dazu dienen, Gelege besser zu tarnen und Fortpflanzungspartner anzuziehen. (Bild: links-Hayley Crews, rechts-Oliver Krüger)

Hoch aus der Luft helfen Drohnen, den Lebensraum von Zauneidechsen zu erfassen

22.02.2022

Die Raumnutzung und Lebensraumbedürfnisse von Tieren zu verstehen ist wesentlich für einen wirksamen Artenschutz. Kleine Tiere nutzen kleine, schwer zu erfassende Strukturen. LIB-Forschende haben in einer aktuellen Studie diese kleinen Strukturen mit Hilfe von Drohnen in hochauflösenden Habitatkarten dargestellt. Das Team konnte zeigen, wie wichtig niedrige Brombeerbüsche für Zauneidechsen in der Dellbrücker Heide in Köln sind. Die Drohnen-Methode kann Anwendung im Naturschutz finden.


Mehr Informationen: Hoch aus der Luft helfen Drohnen, den Lebensraum von Zauneidechsen zu erfassen – LIB (leibniz-lib.de)

Vic Clement
Männchen der Zauneidechse (Lacerta agilis) auf einem Ast.
(Bild: Vic Clement)

Nachhaltige Zukunft für die Küstenfischerei an der Ostsee

Projekt SpaCeParti setzt auf Reallabore für die Lösung von Nutzungskonflikten

21.02.2022

In der westlichen Ostsee ist die Küstenfischerei eng mit der wirtschaftlichen Entwicklung von Küstengemeinden und den Auswirkungen des Klimawandels mit dem zunehmenden Verlust von Biodiversität verknüpft. Für eine nachhaltige Zukunft der Fischerei müssen vielfältige Interessen berücksichtigt werden. Dazu gehören auch Raum- und Ressourcenkonflikte, die zwischen den unterschiedlichen Nutzergruppen erkannt und im gemeinsamen Dialog gelöst werden müssen. Dazu beitragen will das vom Center for Ocean and Society an der Universität Kiel koordinierte Projekt SpaCeParti mit der Einrichtung von sogenannten Reallaboren, in die Nutzerinnen und Nutzer aktiv in die Forschung einbezogen werden.

Mehr Informationen:

Uni Kiel: Nachhaltige Zukunft für die Küstenfischerei an der Ostsee (uni-kiel.de)

Kilian Etter und Svenja Karstens
Naturschutzgebiet Bottsand und Blick auf den Hafen in Marina Wendtorf.
(Bild: Kilian Etter und Svenja Karstens, CeOS/Uni Kiel)

Afrikas Rolle im Weltbiodiversitätsrat IPBES stärken

18.02.2022

Das Zentrum für Entwicklungsforschung (ZEF) der Universität Bonn erhält für die kommenden acht Jahre rund acht Millionen Euro Fördermittel von der Internationalen Klimaschutzinitiative des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz. Das neue Projekt CABES (Capacities on Biodiversity and Ecosystem Services) soll die Schnittstellen zwischen Wissenschaft, Politik und Praxis in Afrika stärken und die Vernetzung mit den internationalen Aktivitäten des Weltbiodiversitätsrats (IPBES) unterstützen. Ein weiteres Ziel des Projekts ist es, Nachwuchsforschende als Vermittlerinnen und Vermittler auszubilden. Dazu entstehen neue Masterstudiengänge in der Republik Côte d’Ivoire, Äthiopien und der Demokratischen Republik Kongo.

Mehr Informationen: Afrikas Rolle im Weltbiodiversitätsrat IPBES stärken — Universität Bonn (uni-bonn.de)

Jan Henning Sommer
Das neue CABES-Projekt - fördert eine stärkere internationale Vernetzung in Fragen der Ökosystemleistungen und nachhaltigen Entwicklung.
(Bild: ZEF/ Jan Henning Sommer)

 Wo wilde Honigbienen überleben

16.02.2022

Bis vor kurzem hielt es die Fachwelt für unwahrscheinlich, dass die Honigbiene in Europa bis heute als Wildtier überlebt hat. Doch inzwischen konnten die Biologen Benjamin Rutschmann und Patrick Kohl von der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) nachweisen, dass es in der Region Galicien im Nordwesten von Spanien noch wilde Honigbienen gibt. Die wilden Honigbienen nutzen hohle Strommasten als Nisthöhlen. Sie können dort den Winter umso besser überleben, je mehr naturnahe Areale die Umgebung bietet.

Mehr Informationen: Wo wilde Honigbienen überleben - Universität Würzburg (uni-wuerzburg.de)

Dimi Dumortier
Bienenvölker nutzen auch hohle Strommasten als Lebensräume (hier eine Aufnahme aus Belgien).
(Bild: Dimi Dumortier)

Beispiel Mainmetropole: Wie Städte zum Erhalt der Insektenvielfalt beitragen können

16.02.2022

 Während das Insektensterben in Wald, Feldern und Naturschutzgebieten voranschreitet, stellen Städte zunehmend geeignete Habitate für Insekten dar. Für den Erhalt ihrer Vielfalt ist deshalb auch die Stadtgesellschaft gefragt, denn ihr Verhalten hat Einfluss auf die Biodiversität von Libellen, Hummeln und Artverwandten. Am Beispiel der Mainmetropole untersuchen Frankfurter Forschungs- und Praxispartner unter der Leitung des ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung erstmals den Zusammenhang zwischen städtischen Lebensstilen, Alltagspraktiken und Insektendiversität. Das Forschungsprojekt SLInBio wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.

Mehr Informationen: Beispiel Mainmetropole: Wie Städte zum Erhalt der Insektenvielfalt beitragen können: ISOE

Dmitry Koshelev / stock.adobe.com
(Bild: Dmitry Koshelev / stock.adobe.com)

Vergessene Arten sterben zweimal aus

15.02.2022

Die Biodiversitätskonferenz hat das Ziel anvisiert, bis 2030 mindestens 30% der Land- und Meeresflächen und ihres Artenreichtums unter Schutz zu stellen. OECMs sind alternative Schutzformen, die entscheidend sein könnten, um zusätzlich zu Naturschutzgebieten die Vielfalt der Arten unseres Planeten zu erhalten. Eine neue Studie mit Beteiligung des Leibniz-Zentrums für Marine Tropenforschung (ZMT) hat Küsten- und Meeresgebiete in Indonesien erfasst, die als OECMs anerkannt werden könnten. Die Studie soll der indonesischen Regierung als Entscheidungsgrundlage dienen.


Mehr Informationen: Vergessene Arten sterben zweimal aus | IGB (igb-berlin.de)

Tomasz Chmielewski
Bemühungen um die Wiederansiedlung regional ausgestorbener Arten, wie z. B. des Eurasischen Bibers (Castor fiber) im Vereinigten Königreich, können darunter leiden, dass sie im kollektiven Gedächtnis nicht als natürlicher Bestandteil von Ökosystemen verankert sind. Die Maßnahmen könnten daher in der Öffentlichkeit weniger Unterstützung finden.
(Bild: Tomasz Chmielewski)

OECMs: neues Instrument zum Schutz der Biodiversität

09.02.2022

Die Biodiversitätskonferenz hat das Ziel anvisiert, bis 2030 mindestens 30% der Land- und Meeresflächen und ihres Artenreichtums unter Schutz zu stellen. OECMs sind alternative Schutzformen, die entscheidend sein könnten, um zusätzlich zu Naturschutzgebieten die Vielfalt der Arten unseres Planeten zu erhalten. Eine neue Studie mit Beteiligung des Leibniz-Zentrums für Marine Tropenforschung (ZMT) hat Küsten- und Meeresgebiete in Indonesien erfasst, die als OECMs anerkannt werden könnten. Die Studie soll der indonesischen Regierung als Entscheidungsgrundlage dienen.


Mehr Informationen: OECMs: neues Instrument zum Schutz der Biodiversität (leibniz-zmt.de)

Stevanus Roni
Eltern bringen ihrer Tochter das Pflanzen von Mangrovensetzlingen in einem gemeindebasierten Mangrovenaufforstungsgebiet auf den Seribu-Inseln, Indonesien.
(Bild: Stevanus Roni)

Invasive Arten: Vorsorge könnte weltweit eine Billion Euro einsparen

09.02.2022

 Senckenberg-Wissenschaftler Dr. Philip Haubrock hat gemeinsam mit Forschenden aus 17 internationalen Institutionen untersucht, welche Kosten durch invasive Arten entstehen und wie diese verhindert werden könnten. Ihre Forschungsergebnisse zeigen, dass die Kosten von Schäden, die durch invasive Arten verursacht wurden, mindestens zehnmal so hoch sind wie die Ausgaben, die für ihre Bekämpfung notwendig wären. Durch Vorsorgemanagement könnten laut der heute im Fachjournal „Science of the Total Environment“ erscheinenden Studie weltweit eine Billion Euro eingespart werden.

Mehr Informationen: Invasive Arten: Vorsorge könnte weltweit eine Billion Euro einsparen | Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung

Wikimedia Commons
Die invasive Ägyptische Tigermücke (Aedes aegypti) ist Hauptüberträgerin des Gelb-, Dengue- und Zika-Fiebers sowie einiger anderer Viruserkrankungen und versursacht hohe Kosten.
(Bild: Wikimedia Commons)

Gentechnik kann sich positiv aufs Klima auswirken

08.02.2022

Gentechnisch veränderte Organismen in der Landwirtschaft stehen vor allem in Europa in der Kritik – laut Umfragen befürchten viele Menschen negative Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt. Eine neue Studie zeigt allerdings, dass sich gentechnisch veränderte Pflanzen positiv auf die Umwelt und vor allem das Klima auswirken könnten. Die Ergebnisse belegen, dass der Einsatz solcher Pflanzen in Europa den Ausstoß schädlicher Treibhausgase erheblich reduzieren würde. Die Studie von Forschenden des Breakthrough-Instituts in den USA und der Universität Bonn ist in der Fachzeitschrift “Trends in Plant Science” erschienen.


Mehr Informationen: Gentechnik kann sich positiv aufs Klima auswirken — Universität Bonn (uni-bonn.de)

Alfred wegener
Die Ausdehnung der Fläche für die Landwirtschaft trägt in Brasilien erheblich mit zur Regenwaldrodung bei.
(Bild: ZEF/Uni Bonn)

Üppi­ge Schwamm­gär­ten auf Un­ter­see-Ber­gen in der ark­ti­schen Tief­see ent­deckt

08.02.2022

Auf den Gipfeln von Seebergen im zentralen Arktischen Ozean, einem der nährstoffärmsten Meere der Erde, gedeihen riesige Schwammgärten. Die Schwämme ernähren sich scheinbar von den Überresten ausgestorbener Tiere. Mikroorganismen helfen ihnen dabei, dieses Material als Nahrungs- und Energiequelle zu nutzen. Forschende aus Bremen, Bremerhaven und Kiel sowie ihre internationalen Partner entdeckten diesen einzigartigen Hotspot des Lebens während einer POLARSTERN-Expedition und berichten nun in der Fachzeitschrift Na­tu­re Com­mu­ni­ca­ti­ons über ihre Erkenntnisse. Es ist unerlässlich, die Vielfalt und Einzigartigkeit der arktischen Ökosysteme besser zu verstehen, gerade vor dem Hintergrund globaler und lokaler Veränderungen, betonen die Forschenden.


Mehr Informationen: Üppige Schwammgärten auf Untersee-Bergen in der arktischen Tiefsee entdeckt (mpi-bremen.de)

Alfred wegener
Die dichten Schwammgründe, die auf dem nördlichen Langseth-Rücken entdeckt wurden, stellen ein erstaunlich reichhaltiges Ökosystem dar.
(Bild: Alfred-Wegener-Institut/PS101 AWI OFOS System)

7 bis 9 Prozent aller europäischen Gefäßpflanzen im weltweiten Fortbestand gefährdet

07.02.2022

Sieben bis neun Prozent aller in Europa vorkommenden Gefäßpflanzenarten sind  in ihrem weltweiten Fortbestand gefährdet. Das ist das Ergebnis einer Studie unter Leitung des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv), der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und der Universität Leipzig. Die Forschenden kombinierten Rote Listen gefährdeter Pflanzenarten in Europa mit Daten ihrer weltweiten Verbreitung. Die Studie ist in der Fachzeitschrift Plants, People, Planet veröffentlicht worden. Die Arbeit hilft, das Gesamt-Gefährdungsrisiko von Pflanzenarten einzuschätzen und unterstützt so die Grundlage internationaler Naturschutzaktivitäten.


Mehr Informationen: News single view (idiv.de)

Vlaev Dimiter
Bildcollage von Pflanzenarten, deren Verbreitungsgebiet auf Europa beschränkt ist und die in mindestens einem europäischen Land bedroht sind. Einige sind weltweit bedroht.
(Bild: Vlaev, Dimiter in Peev, D. et al. (eds) (2015): Red Data Book of the Republic of Bulgaria. Vol. 1. Plants and Fungi. MoEW & BAS, Sofia [Single inset drawings; compiled by Staude, I.]. http://e-ecodb.bas.bg/rdb/en/)

Tiefsee-Leben: Erst ein Drittel bekannt

07.02.2022

Analyse von DNA-Sequenzen zeigt erstmalig eine Übersicht der biologischen Vielfalt in den Weltmeeren. Ein internationales Forschungsteam hat zwei Milliarden DNA-Sequenzen von 15 internationalen Tiefsee-Expeditionen ausgewertet. Sie zeigen in ihrer im Fachjournal „Science Advances“ erschienenen Studie, dass fast zwei Drittel der auf dem Meeresboden lebenden Organismen keiner bislang bekannten Gruppe zugeordnet werden können. Zudem geben die Daten Aufschluss darüber, welchen Einfluss diese Ökosysteme auf das globale Klima haben.

Mehr Informationen: Tiefsee-Leben: Erst ein Drittel bekannt | Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung

Thomas Walter
Im Rahmen von 15 internationalen Tiefsee-Expeditionen konnten Sedimente aus allen wichtigen Ozeanregionen analysiert werden.
(Bild: Thomas Walter)

Landnutzung gefährdet Biodiversität weltweit

04.02.2022

Land- und Forstwirtschaft sowie Infrastruktur beeinflussen, verändern oder zerstören natürliche Lebensräume. Konsequenzen für die Biodiversität werden meist auf Basis der durch Landnutzung beanspruchten Fläche berechnet. Aber auch die Intensität der Nutzung spielt eine Rolle, zeigt eine neue Studie von Philipp Semenchuk und Kolleg*innen der Universität Wien, der Universität für Bodenkultur Wien und des Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrums Frankfurt. Die Gefährdung von Landwirbeltieren lässt sich zu etwa 25 Prozent auf die Intensität der Nutzung zurückführen.


Mehr Informationen:

Landnutzung gefährdet Biodiversität weltweit (univie.ac.at)

Helmut Haberl
Je intensiver die Landnutzung desto gravierender ihre Folgen für die Biodiversität. Ausgeräumte Agrarlandschaften bieten weniger Tier- und Pflanzenarten geeigneten Lebensraum.
(Bild: Helmut Haberl)

Laien gesucht zum Meerechsen-Zählen auf Galápagos

04.02.2022

Ein Forscherteam der Universität Leipzig hat in den vergangenen Wochen auf den Galápagos-Inseln mit Drohnen Luftbilder von Meerechsen aufgenommen. „Iguanas from Above“ heißt die Kampagne. Die Forschenden zählen nun auf den Luftbildern den Bestand dieser vom Aussterben bedrohten Leguan-Art, die nur auf dem Archipel im östlichen Pazifik natürlich vorkommt. Außerdem sammelten sie Blut- und Hautproben von Leguanen sowie Algen aus ihrem Lebensraum, um mehr Erkenntnisse über deren Ernährung zu bekommen. Anfang Februar hat ebenfalls auf den Galápagos-Inseln ein zweites Projekt im Rahmen dieser Kampagne begonnen: Bei diesem Citizen-Science-Projekt werden Laien gesucht, die Leguane auf Fotos zählen, damit Daten schneller ausgewertet werden können. Per Foto-Zählung wird auch die Menge des Plastikmülls auf den Inseln und im Meer erfasst, der eine große Gefahr nicht nur für die Meerechsen darstellt.


Mehr Informationen:

Universität Leipzig: Laien gesucht zum Meerechsen-Zählen auf Galápagos (uni-leipzig.de)

Dr Amy mc Leod
Meerechse mit einem Lava Lizard auf der Insel Fernandina auf den Galápagos-Inseln.
(Bild: Dr. Amy MacLeod)

Landnutzung gefährdet Biodiversität weltweit

04.02.2022

Große Landflächen radikal für Tiere und Pflanzen reservieren – das könnte die Menschheit in den nächsten Jahrzehnten vor einem Kollaps der Artenvielfalt bewahren. Doch in einigen Ländern, insbesondere des globalen Südens, könnte das die Versorgung mit Nahrungsmitteln gefährden. Auf diesen Zielkonflikt machen jetzt Forschende des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) gemeinsam mit Partnern aus Großbritannien und Österreich in einer Studie in der Fachzeitschrift Nature Sustainability aufmerksam und plädieren für ein umsichtiges Vorgehen.


Mehr Informationen:

KIT - Das KIT - Medien - Presseinformationen - PI 2022 - Landnutzung: Plädoyer für einen gerechten Artenschutz

Cazzolla Giatti
Natur und Landwirtschaft: Eine Studie mit Beteiligung des KIT beleuchtet den Zielkonflikt zwischen Ernährungssicherheit und Biodiversität.
(Bild: Markus Breig, KIT)

Neue Schätzung der Anzahl an Baumarten auf der Erde

01.02.2022

Wie viele Arten die Erde bevölkern, ist eine der grundlegendsten Fragen der Ökologie. Nun haben Forschende aus aller Welt unter Beteiligung von Martin Herold vom Deutschen GeoForschungsZentrum Potsdam (GFZ) im Fachmagazin PNAS ihre Daten zusammengetragen und eine neue Schätzung für die Anzahl der Baumarten vorgelegt – auf biologischer, kontinentaler und globaler Skala. Den neuen Schätzungen zufolge gibt es auf der Erde rund 73.300 Baumarten, 14 Prozent mehr als bislang angenommen. Etwa 9.000 davon müssten noch entdeckt werden, 40 Prozent davon – so die Erwartung der Forschenden – in Südamerika. Die Schätzung der Anzahl der Baumarten ist von grundlegener Bedeutung für unser Verständnis vom Funktionieren von Ökosystemen und für die Optimierung und Priorisierung von Waldschutzmaßnahmen auf der ganzen Welt.


Mehr Informationen:

Neue Schätzung der Anzahl an Baumarten auf der Erde (gfz-potsdam.de)

Cazzolla Giatti
Die Anzahl der Baumarten und Individuen pro Kontinent in der GFBI-Datenbank. Dargestellt sind einige der häufigsten Baumarten in jedem Kontinent.
(Bild: Cazzolla Giatti)

Mitteleuropa: Die Zukunft der Luchse

26.01.2022

Wissenschaftler*innen von Senckenberg und vom LOEWE-Zentrum für Translationale Biodiversitätsgenomik haben mit einem internationalen Team die genetische Vielfalt von Luchsen in Europa untersucht. In ihrer heute im Fachjournal „Biological Conservation“ erschienenen Studie zeigen sie, dass die genetische Vielfalt in den Populationen wiederangesiedelter Luchse über die Jahre stark abgenommen hat. Die Forschenden warnen, dass dieser Verlust, zusammen mit den teils deutlich erhöhten Inzuchtwerten, in einigen Beständen den Erhalt der seltenen Art langfristig gefährden könnte. Zudem zeigen sie in ihrer Arbeit welche Faktoren für stabile und gesunde Luchspopulationen in Europa notwendig sind.


Mehr Informationen:

Mitteleuropa: Die Zukunft der Luchse | Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung

Christine Breitenmoser_KORA
Durch gezielte Wiederansiedlungs-programme konnten Luchse – wie hier in den europäischen Alpen – in ihren ursprünglichen Lebensraum zurückkehren.
(Bild: Christine Breitenmoser/KORA)

Weltweit Schutzgebiete unter die Lupe genommen

25.01.2022

Schutzgebiete gehören zu den effektivsten Mitteln, um die biologische Vielfalt zu erhalten. Allerdings werden neue Schutzgebiete oft eingerichtet, ohne bereits bestehende Reservate zu berücksichtigen. Dies kann zu einer Überrepräsentation bestimmter biophysikalischer Eigenschaften wie Temperatur oder Topografie führen, die ein bestimmtes Gebiet ausmachen. Eine Forschungsgruppe an der Technischen Universität München (TUM) hat nun in einer globalen Analyse bewertet, welchen Schutzumfang verschiedene biophysikalische Bedingungen haben.


Mehr Informationen:

Weltweit Schutzgebiete unter die Lupe genommen - TUM

oscar puebla
Gebirgslebensräume wie hier im Pakistanischen Deosai-Nationalpark, sind laut einer Studie unter Federführung der TUM, recht gut geschützt, während andere Lebensräume bisher weniger gut geschützt sind.
(Bild: Ch. Hof / TUM)