
Kernthema
Chemikalien in der Umwelt | Gesundheit
Chemie gehört zum Leben wie die Luft zum Atmen. Sie treibt Computer, Telefone und Fahrzeuge an, sie steckt in Kleidern, Haushaltsmitteln und Kosmetik, in Farben und Arznei. Sie steigert landwirtschaftliche Erträge und konserviert Lebensmittel. Die Chemie verbessert im Grundsatz unsere Lebensbedingungen. Doch sie hat Nebenwirkungen, die die Natur nur in begrenztem Maße auszugleichen vermag. Kenntnisse über chemische Substanzen – über ihre Stoffeigenschaften, ihr Verhalten in der Umwelt, ihre Ökotoxizität sowie Exposition – sind die maßgebliche Grundlage, um Natur und Gesundheit zu schützen.
Etwa 150 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der Umweltchemie, Ökotoxikologie, chemischen und biologischen Analytik, Umweltimmunologie bis hin zur Genetik untersuchen deshalb das komplexe Verhalten chemischer Stoffe. Sie kombinieren chemische und biologische Analysemethoden, um Schadstoffen in der Umwelt auf die Spur zu kommen. Sie wollen herausfinden, ob es tatsächlich die üblichen Verdächtigen sind oder ob möglicherweise Spurenstoffe, Abbauprodukte oder Kombinationswirkungen von Chemikalien langfristig Probleme bereiten können. Sie entwickeln Modellsysteme, um die biologische Wirkung von Chemikalien zu erforschen und Alternativen für Tierversuche zu finden. Dazu nutzen sie im Wasser lebende Organismen wie Algen, Leuchtbakterien, Wasserflöhe oder Fische bzw. deren Embryonen.
Die Forscher arbeiten außerdem an Computerprogrammen, mit denen Stoffeigenschaften, Umweltverhalten und Toxizität von Chemikalien vorhergesagt werden können. Damit leisten sie wertvolle Beiträge zur Umsetzung der Europäischen Chemikalienregulierung REACH (Registration, Evaluation, Authorisationof Chemicals). Die Wissenschaftler untersuchen aber auch, wie Chemikalien auf Zellen des Immunsystems wirken und zu umweltbedingten Krankheiten wie Allergien beitragen. Dabei gewinnt die Systembiologie immer mehr an Bedeutung. Diese noch recht junge Wissenschaftsdisziplin vereint Biologie, Mathematik und Physik in experimentellen und modellbasierten Ansätzen, um biologische Prozesse in Zellen, Geweben und Organismen als Ganzes zu verstehen.
Ziel ist es, Daten und Wissen zum Vorkommen, der Verfügbarkeit und Wirkung von chemischen Stoffen zu generieren, um deren Gefahrenpotenzial besser abschätzen und damit auch managen zu können. Die Wissenschaftler wollen dabei immer mehr von künstlich mit Einzelstoffen gestalteten Testregimes zu natürlichen Situationen im Freiland gelangen und maßgeschneiderte Prüfstrategien anbieten. Sie leisten damit einen wichtigen Beitrag zum Schutz von Mensch und Umwelt.