Pressemitteilung vom 24. Juni 2024

Dreifacher Zuschlag für das UFZ

Die DFG fördert drei exzellente UFZ-Forschende beim Aufbau von Nachwuchsgruppen

Die Immunologin Dr. Kristin Schubert, die Mikrobiologin Dr. Anja Worrich und der Klimawissenschaftler Dr. Emanuele Bevacqua werden in den nächsten sechs Jahren über das Emmy Noether-Programm der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert. Damit haben sie die Möglichkeit, sich durch den Aufbau und die Leitung einer Nachwuchsgruppe für eine Hochschulprofessur zu qualifizieren. Die Forschenden erhalten jeweils bis zu 2,2 Millionen Euro.

Dr. Kristin Schubert Foto: Sebastian Wiedling / UFZ
Dr. Kristin Schubert
Foto: Sebastian Wiedling / UFZ
Dr. Anja Worrich Foto: Sebastian Wiedling / UFZ
Dr. Anja Worrich
Foto: Sebastian Wiedling / UFZ
Dr. Emanuele Bevacqua Foto: Sebastian Wiedling / UFZ
Dr. Emanuele Bevacqua
Foto: Sebastian Wiedling / UFZ

Das Emmy Noether-Programm ermöglicht herausragend qualifizierten Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern, sich durch die eigenverantwortliche Leitung einer Nachwuchsgruppe über einen Zeitraum von sechs Jahren für eine Hochschulprofessur zu qualifizieren. Das UFZ war gleich in drei verschiedenen Fachgebieten erfolgreich. "Das ist ein großer Erfolg für inspirierende Forschung am UFZ", freut sich Prof. Rolf Altenburger, Wissenschaftlicher Geschäftsführer des UFZ. "Den jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern eröffnen sich dadurch hervorragende Möglichkeiten, den nächsten Karriereschritt in ihrer wissenschaftlichen Laufbahn zu gehen und eine eigene Arbeitsgruppe aufzubauen."  

Unter dem Titel "Entschlüsselung der molekularen Mechanismen von Metabolismus-disruptiven Chemikalien auf die Interaktion von Adipozyten und Makrophagen" wird sich die Nachwuchsgruppe um Dr. Kristin Schubert mit der Entstehung von krankhaftem Übergewicht (Adipositas) beschäftigen - ein weltweites Problem, da sowohl Kinder als auch Erwachsene von Übergewicht und Adipositas betroffen sind und damit verstärkt anfällig für Begleiterkrankungen wie Typ 2 Diabetes, Herz-Kreislauferkrankungen, einige Arten von Krebs und psychische Erkrankungen sind. Umweltchemikalien, zu denen auch Plastikweichmacher zählen, werden mit der Entstehung von Adipositas und Begleiterkrankungen in Verbindung gebracht. Um diese Gesundheitsrisiken zu reduzieren, ist es essenziell zu verstehen, wie und warum solche Chemikalien wirken. In dem mit rund 2 Millionen Euro geförderten Projekt konzentriert sich das Forschungsteam auf die Funktion von Fettzellen (Adipozyten) und deren Interaktion mit Zellen des Immunsystems (Makrophagen), die eine zentrale Rolle bei der Entstehung von Adipositas-assoziierten Begleiterkrankungen spielen. Die Forschenden nutzen hochauflösende Massenspektrometrie-basierte Methoden, um die Wirkungsweise der Chemikalien zu erforschen sowie die Wechselwirkung mit Proteinen in der Zelle und veränderte Signalwege zu analysieren. "Unser Projekt soll helfen, das Verständnis der Auswirkungen von Metabolismus-störenden Chemikalien auf molekulare Prozesse zu verfeinern, Biomarker zu identifizieren und die tierversuchsfreie Risikobewertung zu verbessern", sagt Kristin Schubert.

Die Arbeitsgruppe von Dr. Anja Worrich widmet sich im Projekt ANTIRESIST Antibiotika an der Schnittstelle zwischen Boden und Pflanze - und will so in den kommenden sechs Jahren Einblicke in die bakterielle Biotransformation gewinnen sowie Auswirkungen auf bakterielle Stoffwechselaktivitäten und Folgen für die Pflanzengesundheit erforschen. Die Notwendigkeit dafür ist groß, denn der übermäßige Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung birgt Umweltrisiken, weil tierische Ausscheidungen als Dünger verwendet werden und oft hohe Antibiotikakonzentrationen aufweisen. Antibiotika wirken unspezifisch und schädigen nützliche Bodenbakterien, was nicht nur die Bodenqualität beeinträchtigen, sondern auch die Verbreitung von Antibiotikaresistenzen fördern kann. "Obwohl die Auswirkungen von Antibiotika im Boden in der Vergangenheit intensiv erforscht wurden, fehlt es an Wissen darüber, wie Antibiotika die Aktivität von Bakteriengemeinschaften im Boden und in Pflanzen beeinflusst, welche Bakterien besonders empfindlich oder resistent sind und welche Folgen dies für die Pflanzengesundheit hat", sagt Anja Worrich. Ihr Team wird mit insgesamt rund 2,2 Millionen Euro gefördert. Auch über den Abbau von Antibiotika in Böden und Pflanzen und insbesondere über die Identität der daran beteiligten Bakterien sei noch zu wenig Wissen vorhanden. Mit einem breiten Methodenspektrum - von der Literatursynthese über Gewächshausexperimente mit Isotopenmarkierung bis hin zur chemischen Bildgebung - wird Worrichs Team Wirkung und Abbau von Antibiotika in und um die Pflanze untersuchen, Schlüsselarten identifizieren und deren räumliche Anordnung sichtbar machen.

Die Analyse von Klimamodellsimulationen steht in der Nachwuchsgruppe "ADVICE: ADVancing the Investigation of Compound Events" im Fokus, die Dr. Emanuele Bevacqua leitet. Im Vordergrund stehen "Compound Events", also zusammengesetzte Wetterereignisse, die zur gleichen Zeit auftreten und dadurch katastrophale Folgen haben können. So resultieren beispielsweise Überschwemmungen an den Küsten oft auf dem Zusammentreffen von extremen Niederschlägen und Sturmfluten. Und auch die Kombination aus Hitze und Trockenheit wirkt sich oft negativ auf die Vegetation aus. "Unser Verständnis für solche klimabedingten Extremereignisse ist begrenzt, da wir dazu neigen, einzelne Gefahren isoliert zu betrachten", sagt Emanuele Bevacqua. Die mit rund 1,5 Millionen Euro geförderte ADVICE-Nachwuchsgruppe wird anknüpfend an bisherige Forschungsarbeiten sehr große Datenmengen verfügbarer Simulationen von Klimamodellen nutzen, um ein breites Spektrum zusammengesetzter Wetterereignisse zu untersuchen, darunter Kombinationen aus Dürren, Hitzewellen, Überschwemmungen und Waldbränden. Die Forschenden werden Regionen identifizieren, in denen unter gegenwärtigen und künftigen Klimabedingungen das Risiko für solche Ereignisse besonders groß ist. Sie entwickeln und bewerten Worst-Case-Szenarien und quantifizieren und kommunizieren Unsicherheiten in den Vorhersagen. "Unsere Ergebnisse werden Klimawissenschaftlern und Risikomodellierern bei der Entwicklung von Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel helfen", sagt er. 


Weitere Informationen

Dr. Emanuele Bevacqua
UFZ Department of Computational Hydrosystems
emanuele.bevacqua@ufz.de

Dr. Anja Worrich
UFZ-Department Angewandte mikrobielle Ökologie
anja.worrich@ufz.de

Dr. Kristin Schubert
UFZ-Department Molekulare Toxikologie
kristin.schubert@ufz.de

UFZ-Pressestelle

Susanne Hufe
Telefon: +49 341 235-1630
presse@ufz.de


Im Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) erforschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Ursachen und Folgen der weit reichenden Veränderungen der Umwelt und erarbeiten Lösungsoptionen. In sechs Themenbereichen befassen sie sich mit Wasserressourcen, Ökosystemen der Zukunft, Umwelt- und Biotechnologien, Chemikalien in der Umwelt, Modellierung und sozialwissenschaftlichen Fragestellungen. Das UFZ beschäftigt an den Standorten Leipzig, Halle und Magdeburg circa 1.100 Mitarbeitende. Es wird vom Bund sowie von Sachsen und Sachsen-Anhalt finanziert.

www.ufz.de

Die Helmholtz-Gemeinschaft identifiziert und bearbeitet große und vor allem drängende Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft. Ihre Aufgabe ist es, langfristige Forschungsziele von Staat und Gesellschaft zu erreichen. Damit sollen die Lebensgrundlagen der Menschen erhalten und sogar verbessert werden. Helmholtz besteht aus 19 naturwissenschaftlich-technologischen und medizinisch-biologischen Forschungszentren.

www.helmholtz.de
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