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The Housing-Integration-Nexus: shaping exchange and innovation for migrants’ access to housing and social inclusion

Kurzbeschreibung

Die meisten europäischen Großstädte erleben eine zunehmende Zuwanderung aus dem In- und Ausland. Abgesehen von ihrer politischen Bedeutung fordert die Diversifizierung der Stadtgesellschaft die bestehenden Möglichkeiten der Teilhabe und Praktiken der Inklusion und Partizipation heraus. Wir verstehen Integration als einen gemeinsamen Prozess der Inklusion und des gesellschaftlichen Miteinanders von Neuankommenden und der bereits vor Ort lebenden Stadtbevölkerung. Wohnen stellt dabei eine der Grundvoraussetzungen und Grundlagen für die strukturelle und soziale Teilhabe in der Gesellschaft dar und wird maßgeblich von ökonomischen und politischen Kontexten beeinflusst.

Das Projekt HOUSE-IN identifiziert strukturelle, organisatorische Herausforderungen und Wissenslücken im Hinblick auf den Nexus von Wohnen und sozialer Teilhabe und untersucht die Möglichkeiten und Grenzen inklusiver Wohnstrategien sowie von Praktiken der Gestaltung des Zugangs zu bezahlbarem und akzeptablem Wohnraum v.a. für migrantische Neuzuziehende. Das Projekt arbeitet auf die folgenden Ziele hin: (1) Nutzung von interdisziplinärem, sektorübergreifenden und überregionalen Wissen und Erfahrungen der Projektpartner:innen zur Identifizierung von Erfordernissen an den Schnittstelle von Wohnen und sozialer Teilhabe, (2) Diskussion neuer Paradigmen und Mitgestaltung von Diskursen zu inklusiven Wohnstrategien und – praktiken auf der Grundlage eines fallstudienübergreifenden Austauschs und (3) Förderung des Transfers der Erkenntnisse in Politik und Praxis, sowie die Erarbeitung von Formaten für einen "maßgeschneiderten“ Wissenstransfer, der auf die lokalen Bedingungen eingeht und dabei bestehende Hindernissen und lokales Wissen verschiedener Akteursgruppen einbezieht.

Der Nexus von Wohnen und sozialer Teilhabe

Innerhalb des Projekts sehen wir Wohnen und soziale Teilhabe als eng verknüpfte Themen und nähern uns diesen Zusammenhängen über das Verständnis eines Nexus von Wohnen und sozialer Teilhabe (engl. "Housing-Integration-Nexus"). In diesem Sinne umfasst Wohnen einerseits den Wohnraum selbst, bezieht sich andererseits auf die Ermöglichung der sozialen Teilhabe innerhalb des Wohnumfeldes, einschließlich der Nutzung wohnungsnaher Freiräume und Infrastrukturen sowie alltägliche, nachbarschaftliche Interaktionen. Der Wohnungsmarktzugang ist oftmals von zahlreichen Hürden geprägt. Neben der allgemeinen Knappheit günstigen Wohnraums, einer mangelnden Verfügbarkeit adäquaten Wohnraums (im Zusammenspiel von Größe, Preise, Lage, Umgebung) spielt das Thema Diskrimi-nierung, z.B. auf Grund des Aufenthaltsstatus, zugeschriebener Herkunft, Sprache oder sozialem Status eine zentrale Rolle. Die Praktiken der Wohnungsvergabe von (kommunalen) Wohnungsunternehmen sind oftmals intransparent und beinhalten gesonderte Regelungen für Neuankommende, darunter v.a. Geflüchtete.

Der Ansatz des Nexus von Wohnen und sozialer Teilhabe ermöglicht es, den Fokus auf die Erfahrungen derjenigen zu verlagern, deren Zugang zum Wohnungsmarkt erschwert ist, sowie Fragen der sozialen Gerechtigkeit und sozialer Ungleichheit zu beleuchten. Eine adäquate Perspektive auf den Nexus von Wohnen und sozialer Teilhabe muss inter- und transdisziplinäres, sektorübergreifendes Wissen, veränderte Paradigmen,  sowie innovative Strategien und Handlungsansätze für die Politik und Praxis einbeziehen. Die aktuelle Corona-Krise hat die allgemein bestehenden Ungleichheiten auf dem Wohnungsmarkt sowie Diskriminierung und Ausgrenzung vielerorts zusätzlich verstärkt. Zugleich bieten Maßnahmen zur Eindämmung der sozialen Folgen der Corona-Krise, wie zeitweise Räumungsverbote und die Diskussionen um den sogenannten Mietendeckel auch wichtige Debattenanstöße für einen Politikwechsel. In diesem Sinne ist es ein Ziel, die Diskurse um inklusive und innovative Wohnstrategien und -politiken mitzugestalten und damit zu einem schrittweisen Strukturwandel und einer Bekämpfung bestehender Ungleichheiten im Kontext des Wohnens beizutragen.

Fallstudien, gemeinsames Lernen und Implementierung: Der Urban Living Lab-Prozess von HOUSE-IN

Das Projekt beinhaltet vier Fallstudien in Leipzig/Deutschland), Wien/Österreich, Riga/Lettland, sowie Helsingborg und Lund/Schweden (siehe auch Kurzprofile zu den Fallstudien weiter unten) Die Auswahl der Fallstudien erklärt sich aus a) der umfangreichen Forschung der Projektpartner in Bezug auf den lokalen Nexus von Wohnen und sozialer Teilhabe in diesen Städten, b) ihren gut etablierten Kontakten zu lokalen Interessenvertretern und c) den vielfältigen lokalen Szenarien der Stadtentwicklung (Organisation des Wohnungsmarktes, Eigentumsverhältnisse, Formen der sozial-räumlichen Segregation). Im Kontext von Zuwanderung  und Bevölkerungsstruktur, Wohnungsmarkt, städtischer Governance von Wohnen und einer zunehmenden Diversität der Quartiersbevölkerung, zivilgesellschaftlichen Netzwerken und Kooperationen im Zusammenhängen von Wohnen und Migration (v.a. auch innovativen Wohnkonzepten und Unterstützungsstrukturen für Wohnungs-suchende) zeigen diese Fallstudien sowohl vergleichbare, als auch deutlich unterschiedliche Charakteristika. Innerhalb von HOUSE-IN werden wir daher aus diesen Gemeinsamkeiten und Unterschieden lernen. Der Ansatz der Nexus von Wohnen und sozialer Teilhabe weitet dabei auch den Blick im Sinne einer Mehrebenenperspektive: von der Anerkennung der zentralen Bedeutung des lokalen Umfelds für die individuelle soziale Teilhabe bis hin zum Umstand, dass die lokale Wohnungspolitik durch regionale und nationale Regierungsführung und Gesetze geprägt ist.
HOUSE-IN wird in den Fallstudien Urban Living Labs (ULLs)-Prozesse anstoßen. Dieser Ansatz kann als inter- und transdisziplinärer, angewandter Forschungsansatz des iterativen Lernens verstanden werden, um gemeinsam passende Lösungsansätze für praxisrelevante Probleme zu erarbeiten. Dabei werden die Perspektiven von Wissenschaftler:innen, politischen Entscheidungsträger:innen, lokalen Vereinen, Interessenvertreter:innen und Aktivist:innen sowie betroffenen Bewohner*innen  oder Wohnungssuchende einbezogen, um Erfordernisse an den Schnittstellen von Wohnen und sozialer Teilhabe zu identifizieren und gemeinsam anzugehen.

Scheme showing the House-In Project Approach and related Work packages
HOUSE IN Urban Living Lab Ansatz

Projektaktivitäten

Die Projektaktivitäten sind in fünf Arbeitspakete (WP) aufgeteilt.  WP1 umfasst die Projektkoordination auf Seiten des UFZ.  Dazu zählt auch die Koordination der Zusammenarbeit innerhalb des Konsortiums und die Kommunikation gegenüber externen Partnern. WP2 fasst das vorhandene Wissen der Projektpartner:innen zusammen, um sowohl die a) Projektziele als auch b) den analytischen Rahmen für die fallübergreifende Analyse des Nexus von Wohnen und sozialer Teilhabe zu präzisieren. Innerhalb von WP3 findet ein lokaler Austausch zwischen den Projektpartner:innen innerhalb der Urban Living Labs (ULLs) statt. In Wien, Leipzig, Riga und Helsingborg/Lund werden verschiedene lokale Austausch- und Lernformate initiiert sowie lokaler Herausforderungen und Potentiale identifiziert. In WP4 werden gemeinsam Lösungsansätze erarbeitet und erprobt und damit Kenntnisse über die Machbarkeit und Übertragbarkeit auf andere europäische urbane Kontexte gewonnen. Diese Prozesse werden in Leipzig und Riga im Rahmen von Implementierungs-fallstudien (IFS) vertieft. WP5 stützt sich auf das in den vorigen Arbeitspaketen erarbeitete Wissen, um die Netzwerke der Partner:innen zu erweitern, politische Empfehlungen zu entwickeln, sowie auf die politische Agenda auf lokaler und überregionaler, bzw. auch europäischer Ebene einzuwirken.


Scheme of the House-In work programme Scheme of the HOUSE-IN work programme


Veröffentlichungen


Astolfo, Giovanna; Allsopp, Harriet; Duszczyk, Maciej; Franz, Yvonne; Haase, Annegret; Laksevics, Karlis; Nasya, Bahanur; Raubisko, Ieva; Reeger, Ursula; Schmidt, Anika (2022): Now and then. Precariousness, double standards and racism in housing refugees. University College London Blog, 20th June 2022.

Reeger, Ursula; Franz, Yvonne (2021): Erschwinglicher Wohnraum für Viele, aber nicht für alle. Zuwanderung und der Wiener Wohnungsmarkt. ISR-Bulletin 6/2021. DOI 10.1553/isr-bulletin21-06.

Cooperative City Magazine (8.6.2022): Social housing with self-determination: Wiener Wohnen’s quest to involve tenants in decision-making.


Kurzprofile der Fallstudien (in Englisch)

Kurzprofil Fallstudie Wien

Kurzprofil Fallstudie Leipzig

Kurzprofil Fallstudie Riga

Kurzprofil Fallstudie Helsingborg

Kurzprofil Fallstudie Lund