Erneuerbare
im naturschutzfachlichen Monitoring

Naturschutzfachliches Monitoring des Ausbaus der erneuerbaren Energien im Strombereich und Entwicklung von Instrumenten zur Verminderung der Beeinträchtigung von Natur und Landschaft

Hinweis: Der ausführliche Endbericht zum Forschungsvorhaben „EE-Monitor“ wird voraussichtlich im Herbst 2019 veröffentlicht.

Monitoringkonzept

Abbildung 1: Schematische Darstellung des Monitoringkonzepts

Ein Monitoringsystem, das die naturschutzfachlichen Auswirkungen der Errichtung und des Betriebes von Erneuerbare-Energien-Anlagen sowie deren Stromnetze beschreibt, sollte eine ganzheitliche Betrachtung anstreben. Soweit möglich, sollte der gesamte Zusammenhang aus

  • Energieverbrauch
  • Ausbau erneuerbarer Energien
  • räumlicher und zeitlicher Entwicklung des Ausbaus der verschiedenen Technologien
  • Beeinträchtigung von Natur und Landschaft und
  • Reaktion von Politik und Gesellschaft

betrachtet werden. Die Elemente Energieverbrauch, (erneuerbare) Energieerzeugung und anlagen- bzw. betriebsbedingte Konflikte stehen dabei in einem kausalen Zusammenhang. Ihre Entwicklungen müssen kontinuierlich beobachtet werden, um negative Trends frühzeitig zu identifizieren und Strategien zu entwickeln, die auch ein politisches Gegensteuern ermöglichen können.

Abbildung 1: Schematische Darstellung des Monitoringkonzepts

Vor diesem Hintergrund wurde im Forschungsvorhaben „EE-Monitor“ ein dreiteiliges Monitoringkonzept entwickelt: Zielsystem – Konflikte – Governance (Abbildung 1). Die einzelnen Komponenten des Konzeptes werden im Folgenden kurz vorgestellt.

Zielsystem-Monitoring

Eine naturverträgliche Energiewende ist, neben den direkten Interaktionen zwischen Anlagen zur Erzeugung und Übermittlung von Strom aus erneuerbaren Energien und den betroffenen Schutzgütern, auch von energiesystemischen Rahmenbedingungen abhängig. Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit hat 2017 auf der Grundlage von Forschungsergebnissen des Bundesamtes für Naturschutz zu „Naturschutz und Erneuerbare Energien“ fünf Leitlinien formuliert, die Anhaltspunkte für eine naturverträgliche Energiewende 2050 bieten. Diese Leitlinien werden im Kontext des Zielsystem-Monitorings aufgegriffen, weitergedacht und als Zielsystem-Indikatoren abgebildet. Die Darstellung der Indikatoren erfolgt als quantitative Größe, die einem Zieltrend oder -wert für das Jahr 2050 gegenübergestellt wird.

Konflikte und räumliche Entwicklung

Abbildung 2: Schematische Darstellung des Monitoringelements „Konflikte“

Im zweiten Teil „Konflikte“ wurden zwei gegenläufige Ansätze verfolgt (Abbildung 2). Zum einen die „Top-down“ Sicht (Monitoring wesentlicher Konflikte zwischen einzelnen Teilzielen des Naturschutzes sowie bisher bekannter spezifischer Auswirkungen der verschiedenen EE-Technologien, die den Zielen zuwiderlaufen, kurz: „Konflikt-Monitoring“), bei der die methodisch-strukturelle Entwicklung eines hinsichtlich der inhaltlichen Aussage konsistenten und in Bezug auf die Abdeckung verschiedener Aspekte möglichst umfassenden Indikatorsystems im Vordergrund steht. Zum anderen die „Bottom-up“ Sicht („Raum-Monitoring“), bei der von den aktuellen Gegebenheiten ausgegangen wird und grundlegende Informationen zusammengestellt werden, wie die Erneuerbare-Energien-Anlagen im Zeitverlauf im Raum verteilt sind. Zudem wird geprüft, welche Daten und Analysen zur Verfügung stehen bzw. generiert werden können, die in einer inhaltlichen Nähe zu den im Monitoring adressierten Konflikten stehen, um die methodisch konsistente Indikatorherleitung zu unterstützen.

Abbildung 2: Schematische Darstellung des Monitoringelements „Konflikte“

Konflikt-Monitoring („Top-Down“-Ansatz)

Ziel dieses Ansatzes ist es, ein möglichst umfassendes und bezogen auf die kausalen Wirkzusammenhänge konsistentes Indikatorsystem aufzubauen. Den methodischen Rahmen bildet dabei der für Umweltmonitoring in Europa weithin verwendete Driving forces-Pressures-States-Impacts-Responses (DPSIR) Ansatz, der es erlaubt, sich gegenseitig beeinflussende soziale, ökologische und ökonomische Rahmenbedingungen im kausalen Zusammenhang zu verstehen. Die zu den jeweiligen Kategorien (Treiber, Druck, Zustand, Auswirkung, Reaktion) gehörigen Indikatoren werden dabei spezifisch für den jeweiligen potenziellen naturschutzfachlichen Konflikt abgeleitet. Das bedeutet, dass die Indikatoren so gestaltet werden, dass diese den Wirkzusammenhang, im Hinblick auf die für die jeweilige Kategorie relevanten Aspekte, mit möglichst hoher Aussagekraft abbilden können. Die aktuelle Datenverfügbarkeit spielt bei diesem Vorgehen zunächst eine untergeordnete Rolle. Es wird aufgezeigt, welche Daten zur Quantifizierung potenzieller Indikatoren in den fünf Kategorien benötigt werden. Davon ausgehend lassen sich Schussfolgerungen bezüglich ggf. notwendiger Datenerhebungen oder weitergehender Forschungsbedarfe ziehen.

Raum-Monitoring („Bottom-Up“-Ansatz)

Das Raum‐Monitoring beschreibt gegenüber dem „Top-Down“-Ansatz die Lage bzw. Lageänderung der erneuerbaren Energien in der Landschaft im Zeitverlauf. Prinzipiell werden damit die von der Errichtung erneuerbarer Energien ausgehenden, generellen Belastungen (Druck, in Anlehnung an das DPSIR Schema) auf Natur und Landschaft dargestellt. Dabei wird zunächst geschaut, wie die technischen Infrastrukturen der erneuerbaren Energien sich im Raum verteilen. Dabei kommt es, mit Ausnahme der Bioenergie, zumeist erstmals zu einer räumlichen Überlagerung zweier Landnutzungsformen. Wo und auf welchen Landnutzungsformen stehen die Anlagen also und wie verhalten sie sich räumlich zu den verschiedenen Schutzgegenständen (z. B. Vorkommen von seltenen Arten) und Instrumenten des Naturschutzes (z. B. Lage zu oder in Schutzgebieten verschiedener Kategorien)? Diese deskriptiven Auswertungen nutzen die aktuell zur Verfügung stehenden Daten. Auch hier bilden die potenziellen Konflikte mit dem Naturschutz den Rahmen für die Analysen. Die hier generierten Messgrößen erlauben die Beschreibung von Lagebeziehungen und deren Änderungen. Ihre Aussagen sind aber in der Regel nicht konfliktspezifisch bzw. ihre Aussagetiefe ist begrenzt, da die spezifischen Wirkzusammenhänge hier nicht oder nur zum Teil berücksichtigt werden können (Abbildung 2).

Governance‐Monitoring

Im Rahmen des Monitoringkonzeptes bildet das Governance-Monitoring die Schnittstelle zwischen der politisch-administrativen Steuerung des Ausbaus der erneuerbaren Energien und der tatsächlichen Realisierung der Anlagen im Raum. Im Zentrum der hier vorgenommenen Analyse steht exemplarisch die Frage, ob und wenn ja, wie eine räumliche Steuerung der erneuerbaren Energien durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) erfolgt und wie die Interessen des Naturschutzes dabei Berücksichtigung finden. Dazu werden das EEG-Förderinstrumentarium sowie die im EEG geregelten Monitoringansätze (EEG-Monitoringbericht und EEG-Erfahrungsbericht) analysiert. Das Governance-Monitoring wird auf das EEG fokussiert, denn dieses wurde als der zentrale Treiber identifiziert. Im Hinblick auf das DPSIR Schema adressiert das Governance-Monitoring damit in Teilen den Reaktion-Indikator.