Pressemitteilung vom 3. März 2004

ALARM - will Risiken für die Natur bewerten

Start für bislang größtes Projekt am UFZ

Karte Hauptuntersuchungsgebiete und Projektstruktur ALARM

ALARM-Untersuchungsgebiete

ALARM-Untersuchungsgebiete

Karte Untersuchungsgebiet

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Struktur ALARM-Forschungsprojekt

Struktur ALARM-Forschungsprojekt

Struktur ALARM

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Nicht nur der Name des Projektes setzt ein Achtungszeichen, sondern auch das, was sich dahinter verbirgt: mit 26 Millionen Euro Finanzvolumen und 53 vornehmlich europäischen Projektpartnern startet Anfang März das bislang größte Projekt am UFZ und das bislang größte Forschungsprojekt der EU im Bereich "Biodiversität".
In dessen Mittelpunkt stehen potenzielle Risiken für die biologische Vielfalt und deren Bewertung über verschiedene räumliche und zeitliche Skalen. Vier Bereiche, denen ein Anteil am Rückgang der biologischen Vielfalt zugeschrieben wird, werden dabei näher unter die Lupe genommen:

  • der Klimawandel,
  • der Verlust an Bestäubern wie Bienen, Hummeln und Schmetterlingen,
  • die in der Umwelt vorhandenen Schadstoffe sowie
  • die Invasion gebietsfremder Tier- und Pflanzenarten.

Die Wissenschaftler werden in über 40 Untersuchungsgebieten verteilt über ganz Europa arbeiten - sowohl in den verschiedensten biogeografischen Regionen (von der Steppe über mediterrane Regionen bis hin zu alpinen und arktischen Regionen) als auch in ganz verschieden genutzten Landschaften (beispielsweise urban oder agrarisch). Zum Ende der Projektlaufzeit in fünf Jahren erhoffen sich die Projektinitiatoren einen gewaltigen Wissenszuwachs - allein aufgrund der nie da gewesenen Breite und Vielschichtigkeit der Untersuchungen. Interessant werden die Ergebnisse jedoch nicht nur für Wissenschaftler sein, sondern darüber hinaus für Politiker, Behörden, Verbände und auch die Industrie. Dem trägt das Projekt Rechnung indem es zum einen diese Zielgruppen in die Arbeit einbindet, zum anderem indem die Ergebnisse entsprechend aufbereitet zur Verfügung gestellt werden.

Zwei große Projektphasen

Vorerst geht es darum, die einzelnen Partner in den vier Themenbereichen sektoral zusammenzubringen. Das bedeutet, bisherige Forschungsarbeiten abzugleichen, sich auf die Anwendung bestimmter Methoden zu verständigen, konkrete Untersuchungsgebiete auszuwählen und thematische Schwerpunkte zu setzen. Dr. Josef Settele vom Department Biozönoseforschung des UFZ in Halle, der Initiator und Koordinator des Projektes geht davon aus, dass allein dieser Integrationsprozess innerhalb der vier Schwerpunkte mehr als ein Jahr in Anspruch nehmen wird. Erst danach ist eine Verschneidung der Themen untereinander möglich und sinnvoll.

Beispiel "Verlust an Bestäubern"

Die Wissenschaftler, die sich dieser Thematik widmen, analysieren im ersten Projektjahr hauptsächlich die Zusammensetzung der Bestäubergruppe in ihrem speziellen Untersuchungsgebiet zum jetzigen Zeitpunkt und vergleichen dieses Ergebnis vor dem Hintergrund erfolgter Landnutzungsänderungen mit wissenschaftlichen Untersuchungen der letzten 20 Jahre. Außerdem untersuchen sie, wie sich das veränderte Spektrum der Bestäuber auf Nutz- und Wildpflanzen auswirkt. Wichtig ist für sie in dieser ersten Phase - das gilt für alle vier Themenbereiche - dass sie sich auf die Anwendung vergleichbarer Methoden verständigen damit die Ergebnisse der vielen Forschungsstandorte kombiniert werden können.
Die zweite Arbeitsphase wird etwa nach dem ersten Drittel der Projektlaufzeit beginnen - die paarweise Kombination der vier Themenbereiche. Bleibt man beim Beispiel Bestäuber, wird geschaut, inwieweit die festgestellten Veränderungen in deren Zusammensetzung mit Klimaveränderungen korrelieren oder durch gebietsfremde Bestäuberarten (Hummeln und Bienen werden weltweit gehandelt und gelangen so in für sie eigentlich untypische Regionen) verursacht werden. Dazu kommt die Frage wie sich Umweltchemikalien in der Nahrungskette anreichern: wie stark ist beispielsweise der gesammelte Nektar durch atmosphärische Emissionen oder Pestizide kontaminiert? Reichern sich die Chemikalien auch im Produkt - dem Honig - an? Welche Auswirkungen haben sie auf die Vitalität der Bestäuber?

Finanzierung und Partner

Von den 26 Millionen Euro, die den Wissenschaftlern in den nächsten fünf Jahren zur Verfügung stehen, kommt mit 12 Millionen Euro knapp die Hälfte aus Brüssel und spiegelt damit das insgesamt sehr erfolgreiche Abschneiden des UFZ im 1. Call des 6. Forschungsrahmenprogramms der EU wieder. Die 53 Projektpartner kommen aus 27 Ländern (EU und Beitrittskandidaten, aber auch Israel, Russland, Australien und Chile). Dabei ist neben vielen namhaften großen Forschungsinstituten (ETH Zürich, PIK Potsdam, NERI Finnland, CEH Großbritannien, INRA Frankreich...) auch das bekannte Unternehmen Procter & Gamble vertreten, das an den Auswirkungen von Chemikalien auf die biologische Vielfalt interessiert ist. Auch eine ganze Reihe von kleineren Unternehmen aus ganz Europa ist integriert und beispielsweise für kartografische Arbeiten, die Internetpräsenz oder die Publikation der Forschungsergebnisse zuständig.
Wichtiger regionaler Partner für das UFZ ist mit dem Institut für Zoologie (Lehrstuhl für Tierökologie, Prof. Moritz) die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

(ALARM-Assessing Large-scale environmental Risks with tested Methods)

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