Pressemitteilung vom 23. November 2015

ICOS ERIC Gründung als EU-Signal an die COP21

Helsinki. Die Europäische Kommission hat offiziell das „Integrated Carbon Observation System“ (ICOS ERIC), eine neue europäische Umweltforschungs-Infrastruktur, ins Leben gerufen. Sie hat das Ziel, Langzeitbeobachtungen des Kohlenstoff- und Treibhausgaskreislaufs in Europa durchzuführen und allen interessierten Nutzern verfügbar zu machen. ICOS ERIC hat acht Gründungsmitglieder: Belgien, Frankreich, Deutschland, Italien, Niederlande, Norwegen, Schweden und Finnland, die Schweiz hat derzeit Beobachterstatus. Das UFZ ist mit zwei Standorten beteiligt.

Messungen des UFZ-Wald-Klima-Observatoriums in Sachsen-Anhalt. Foto: André Künzelmann/UFZ

Messungen des UFZ-Wald-Klima-Observatoriums untersuchen die Zusammenhänge zwischen Vegetation, Wasserhaushalt und Kohlenstoffkreislauf. Sie sind Teil des europaweiten Beobachtungsnetzwerks ICOS für Treibhausgase.
Foto: André Künzelmann, UFZ

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ICOS ERIC ist die zwölfte Europäische Forschungsinfrastruktur, die seit der Festlegung der rechtlichen Rahmenbedingungen für Forschungsinfrastrukturen im August 2009 eingerichtet worden ist, und hat einen fast zehnjährigen Vorbereitungs- und Aufbauprozess durchlaufen.

Zur Bedeutung der ICOS ERIC Gründung sagte der Generaldirektor für Forschung, Wissenschaft und Innovation der Europäischen Kommission, Robert-Jan Smits: „Durch die Einrichtung europaweiter Langzeitmessungen der Kohlenstoff- und Treibhausgasumsätze wird ICOS eine entscheidende Wissensgrundlage zur Unterstützung der europäischen und globalen Anstrengungen zur Erreichung der Klimaschutzziele liefern. Deshalb ist es eine gute Nachricht, dass ICOS nun den ERIC Status erreicht hat. Das perfekte Timing unmittelbar vor der Weltklimakonferenz in Paris sendet eine weitere klare Botschaft zum Bekenntnis der EU zum Klimaschutz aus.“

Am 24. November findet in Brüssel die offizielle Gründungszeremonie statt, zu der neben Robert-Jan Smits auch die Finnische Ministerin für Bildung und Kultur, Sanni Grahn-Laasonen, sowie der Generaldirektor von ICOS, Werner Kutsch, erwartet werden.

Hintergrund

ICOS ist eine weitverzweigte Forschungsinfrastruktur, die aufeinander abgestimmte, europaweite Messungen des Kohlenstoffkreislaufs, der Treibhausgasemissionen sowie der atmosphärischen Konzentrationen der wichtigsten Treibhausgase liefert. ICOS integriert Beobachtungsnetze für die Atmosphäre, die Landökosysteme und die Meere und schafft so die Grundlage für eine vollständige europäische Kohlenstoffbilanz und deren Langzeitentwicklung. Standardisierte Messungen werden über ganz Europa verteilt durchgeführt – an hohen Türmen und Ökosystem-Messstationen von der Arktis bis zum Mittelmeer sowie an Messplattformen im Ozean und auf Forschungs- und Handelsschiffen im Nordatlantik und in der Ostsee.

Jedes dieser Netzwerke wird von einem sogenannten Thematischen Zentrum (TC) koordiniert, das für die Datenauswertung und -integration sowie für die zentrale Qualitätskontrolle und Datenweitergabe verantwortlich ist. Das ATC (Atmosphäre) ist in Frankreich und Finnland angesiedelt, das ETC (Ökosysteme) in Italien, Belgien und Frankreich und das OTC (Ozeane) in Norwegen.

Zentrale analytische Labore (CAL) werden von Deutschland beherbergt und finanziert. Sie liefern präzise Referenzgase zur Kalibrierung an die Messnetze und führen hochempfindliche Messungen von Luftproben durch. Das ICOS Hauptquartier ist in Finnland angesiedelt und das sogenannte Kohlenstoffportal als zentrales Datenportal in Schweden. Das Kohlenstoffportal wird alle ICOS Daten frei verfügbar machen und integrierte Datenprodukte erzeugen.

Auf der bevorstehenden Weltklimakonferenz in Paris wird die Frage nach einer unabhängigen Verifizierung der nationalen Treibhausgasbilanzen eine große Rolle spielen. Hierzu wird das ICOS Messnetz in den kommenden Jahren und Jahrzehnten einen ganz wichtigen Beitrag leisten.

Die Rolle Deutschlands

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat für fünf Jahre Mittel in Höhe von 16 Millionen Euro bereitgestellt, mit denen wesentliche Teile der deutschen Infrastruktur für das europäische Treibhausgasbeobachtungssystem ICOS in Form von hochpräzisen Dauer-Messstationen über Land und Ozeanen für atmosphärische Treibhausgase aufgebaut werden. Zusätzlich übernimmt Deutschland gesamteuropäische Verantwortung: Das zentrale Kalibrier- und Analysenlabor für ganz Europa wird am MPI Jena errichtet, während am Institut für Umweltphysik der Universität Heidelberg das zentrale Radiokohlenstofflabor aufgebaut wird. Mithilfe der Präzisionsmessungen und kontinuierlichen Auswertungen von ICOS kann gezeigt werden, wie viel des atmosphärischen Kohlendioxids aus der Verbrennung von Kohle, Öl und Gas stammt und wie viel aus natürlichen Quellen.

Der nun anlaufende operationelle Betrieb von ICOS wird auf deutscher Seite vor allem vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) getragen. Das BMVI unterstützt dabei über den Deutschen Wetterdienst das atmosphärische Messnetz sowie den Betrieb der zentralen ICOS-Labore zunächst für 20 Jahre mit ca. 3,4 Millionen Euro pro Jahr.

Als nationale Koordinierungsstelle des ICOS-Netzwerks übernimmt mit dem Thünen-Institut auch eine Einrichtung aus dem Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) eine zentrale Funktion im deutschen ICOS Konsortium. Das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung Leipzig – UFZ ist mit zwei Standorten in der Magdeburger Börde am ICOS-Ökosystem-Messnetz beteiligt. An diesen Standorten (ein Buchenmischwald sowie ein beweidetes Grasland) wird der Spurengasaustausch zwischen Atmosphäre und Ökosystem bestimmt. Entsprechende Messungen werden z.B. auch im Tharandter Wald, im Hainich, im Rur-Einzugsgebiet sowie im Voralpenland durch Einrichtungen der Helmholtz-Gemeinschaft sowie den Universitäten Dresden und Göttingen durchgeführt.

Was bedeutet ERIC?

ERIC steht für European Research Infrastructure Consortium. Dies ist ein europarechtliches Instrument, das 2009 durch die Kommission beschlossen wurde und das der Förderung und dem Betrieb von europäischen Forschungsinfrastrukturen auf einer nicht-wirtschaftlichen Grundlage dient. ERIC verleiht Forschungsinfrastrukturen in allen Mitgliedsstaaten eine juristische Identität. ICOS ERIC ist das 12. ERIC, das seit 2009 gegründet wurde.

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Weitere Informationen

UFZ-Ansprechpartner:
Dr. Corinna Rebmann
corinna.rebmann@ufz.de
Dr. Corinna Rebmann

oder über

Susanne Hufe (UFZ-Pressestelle)
Telefon: +49 341 235-1630

Weiterführende Links

ICOS-EU
www.icos-ri.eu

ICOS-Deutschland
www.icos-infrastruktur.de

UFZ-Wald-Klima-Observatorium nimmt Betrieb auf
www.ufz.de/index.php?de=33937

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Im Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) erforschen Wissenschaftler die Ursachen und Folgen der weit reichenden Veränderungen der Umwelt. Sie befassen sich mit Wasserressourcen, biologischer Vielfalt, den Folgen des Klimawandels und Anpassungsmöglichkeiten, Umwelt- und Biotechnologien, Bioenergie, dem Verhalten von Chemikalien in der Umwelt, ihrer Wirkung auf die Gesundheit, Modellierung und sozialwissenschaftlichen Fragestellungen. Ihr Leitmotiv: Unsere Forschung dient der nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen und hilft, diese Lebensgrundlagen unter dem Einfluss des globalen Wandels langfristig zu sichern. Das UFZ beschäftigt an den Standorten Leipzig, Halle und Magdeburg über 1.100 Mitarbeiter. Es wird vom Bund sowie von Sachsen und Sachsen-Anhalt finanziert.

Die Helmholtz-Gemeinschaft leistet Beiträge zur Lösung großer und drängender Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft durch wissenschaftliche Spitzenleistungen in sechs Forschungsbereichen: Energie, Erde und Umwelt, Gesundheit, Schlüsseltechnologien, Struktur der Materie, Verkehr und Weltraum. Die Helmholtz-Gemeinschaft ist mit fast 36.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in 18 Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 3,8 Milliarden Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands. Ihre Arbeit steht in der Tradition des Naturforschers Hermann von Helmholtz (1821-1894).

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