Veranstaltungen
Quelle: Urs Moesenfechtel, UFZ

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Bedroht der Bioenergie-Boom unsere Umwelt?

Der vom UFZ Department „Bioenergie“ in Leipzig organisierte zweitägige Workshop „Biomass for energy – lessons from the Bioenergy Boom“ (24. bis 25. November 2014) übertraf mit mehr als 100 Teilnehmer aus 25 Ländern die Erwartungen der Organisatoren. Der Workshop war Teil des UFZ IP „EnergyLandUse“ und fand in Kooperation mit dem Deutschen Biomasseforschungszentrum statt.

Das umfangreiche wissenschaftliche Programm bot sechs Sessions, in denen insgesamt 25 ausgewählte Experten ihre neuesten Forschungsergebnisse präsentierten. Neben der Kontaktpflege nutzten die Teilnehmer den Workshop zur Diskussion der aktuellsten Ergebnisse zu den Wechselwirkungen zwischen Bioenergie, Umwelt und Gesellschaft: von den Auswirkungen des Energiepflanzenanbaus auf Gewässer, Boden und Biodiversität, hin zu den Effekten und Herausforderungen im politischen, juristischen und sozialen Bereich sowie den Herausforderung der Systemintegration der Bioenergie und der Bewertung von potenziellen Umweltauswirkungen auf regionaler Ebene.

Die Wissenschaftler betonten, dass die möglichen Umweltauswirkungen in hohem Grad von den standortspezifischen Bedingungen und den Bewirtschaftungskonzepten abhängen. Es gibt kein Patentrezept. Insbesondere die kritischen Stellen entlang der Bereitstellungskette bedürfen verstärkter Aufmerksamkeit. Der Fokus sollte dabei auf der Auswertung der Best-Practice Erfahrungen zu den wichtigsten Umweltauswirkungen, besonders im Bereich Biomassebereitstellung, liegen, z.B. das Problem der Wasserknappheit in Trockengebieten oder die Bodenqualität auf Grenzertragsstandorten. Zudem wurde bemängelt, dass es zwar viele wissenschaftliche Studien gibt, jedoch bisher der Transfer in die Praxis kaum stattfindet. Auch sind nachhaltige Bewirtschaftungsmethoden oft weniger wirtschaftlich als konventionelle intensive Systeme und benötigen daher finanzielle und politische Unterstützung. Als vielversprechender nächster Schritt wurde die Ausdehnung der Nachhaltigkeitsindikatoren, die es bereits für flüssige Biokraftstoffe gibt, auf das breite Spektrum der Biomasse gesehen.

Das Workshop-Programm und die Vorträge sind verfügbar unter: www.ufz.de/biomass-lessons2014 .


Impressions from the workshop

Abschlusstagung des Vorhabens „Meilensteine 2030“ am 18. November 2014 in Berlin


Die Energiebereitstellung aus Biomasse trägt gegenwärtig am stärksten zur Nutzung von erneuerbaren Energien bei. In einer weitgehend auf erneuerbaren Energien fußenden Energieversorgung in Deutschland muss Bioenergie künftig die Lücken füllen, die nicht aus anderen Quellen gespeist werden können. Vor diesem Hintergrund förderte das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie im Rahmen des Programms „Energetische Biomassenutzung“ das Verbundvorhaben „Meilensteine 2030 – Elemente und Meilensteine für die Entwicklung einer tragfähigen nachhaltigen Bioenergiestrategie“ (FKZ: 03KB065 und FKZ: 03MAP230). Nach einer Laufzeit von gut zwei Jahren präsentierte das Projektteam am 18. November 2014 auf der Dialogveranstaltung „Biomasse in zukünftigen Energiesystemen“ in Berlin seine Ergebnisse zu Rohstoffmärkten, Landnutzung, Anlagenparkentwicklung sowie deren Auswirkungen auf verschiedene Nachhaltigkeitsaspekte und diskutierte mit Vertretern aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft die sich daraus ableitenden Meilensteine und Handlungsempfehlungen für die nachhaltige Entwicklung der energetischen Biomassenutzung.

Das Forschungskonsortium (DBFZ, Thünen Institut für Marktanalyse, CESR - Universität Kassel, IFEU, Öko-Institut e. V., IZES, IINAS, UFZ) unter Leitung von Prof. Dr. Daniela Thrän konnte durch eine neuartige Kopplung dreier Computermodelle in szenarienbasierten Modellierungen Ergebnisse zu Rohstoffmärkten, Landnutzung und Anlagenparkentwicklung generieren und so mögliche Entwicklungen der Bioenergienutzung bis zum Jahr 2050 simulieren. Die gewonnenen Erkenntnisse wurden hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf Klima, Biodiversität, Umwelt, Infrastruktur und Ernährungssicherheit analysiert. Auf Basis der Ergebnisse wurden Elemente und Meilensteine identifiziert, die nach Ansicht des interdisziplinären Projektteams bis 2030 erreicht sein sollten, um eine langfristig tragbare und nachhaltige Bioenergiestrategie zu ermöglichen.

Um herauszufinden, welche Bereitstellungspfade für Bioenergie (Strom/Wärme, Kraftstoffe) sich unter welchen Bedingungen zukünftig entwickeln und welchen Einfluss diese Entwicklung auf die Landnutzung, auf die Umwelt, auf regionale Perspektiven und weitere Nachhaltigkeitsaspekte hat, wurde ein Modellverbund aus einem globalen Handelsmodell, einem globalen Landnutzungsmodell und einem Modell zur Simulation des ökonomischen Wettbewerbes von Bioenergietechnologien sowie verschiedener Bewertungsmodule für Deutschland erstellt. Der gemeinsame Rahmen für die Modellierungen und Analysen bestand dabei aus 4 Szenarien, welche sich sowohl bezüglich der Nachfrage nach Bioenergie als auch bezüglich der Annahmen zu Nachhaltigkeitsanforderungen unterschieden. Aus den Ergebnissen der szenarienabhängigen Entwicklungen der Rohstoffpreise, des simulierten Anlagenparks, der Landnutzungsänderungen, verschiedener Umweltwirkungen, der Notwendigkeiten regionaler Infrastrukturen sowie der Auswirkungen auf Ernährungssicherheit wurden Eckpunkte einer an Nachhaltigkeitskriterien ausgerichteten Bioenergiestrategie identifiziert und in Form von 10 Meilensteinen, die bis zum Jahr 2030 erreicht werden sollten, formuliert.

Das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ war mit der Erstellung des Simulationsmodells BENSIM im Projektkonsortium vertreten. BENSIM simuliert den Wettbewerb ausgewählter Bioenergietechnologien zur energetischen Nutzung (Kraftstoff bzw. Strom / Wärme) eines gegebenen Primärenergieangebots von Biomasse in Deutschland bis 2050. Die Modellberechnungen in BENSIM liefern Aussagen darüber, welche der Bioenergietechnologien sich wann und unter welchen Bedingungen gegen andere Bioenergietechnologien durchsetzen.

Die Projektergebnisse wurden im Rahmen der Schriftenreihe des Förderprogramms „Energetische Biomassenutzung“ veröffentlicht und stehen unter diesem Link zur Verfügung.


Ort: Leipzig, UFZ, "Kleiner Speisesaal", Geb. 2.0
Zeit: 10:00 - 12:15 Uhr

Referent:

Dr. Wolfgang Weimer-Jehle, Wissenschaftlicher Geschäftsführer ZIRIUS / Scientific executive director ZIRIUS (Stuttgart Research Center for Interdisciplinary Risk and Innovation Studies / Zentrum für Interdisziplinäre Risiko- und Innovationsforschung der Universität Stuttgart) wird einen Vortrag halten zum Thema:

"Introduction into scenario development methods: (An introduction to) Cross Impact Balancing (CIB)"

Weitere Informationen:

Ort: UFZ, "Geopark", Bautzner Str. 67, Seminarraum Nr. 221
Zeit: 10:30 - 16:00

Referenten:

Prof. Dr. Rodrigo Navia, Director of Innovation and Technology Transfer. University of La Frontera. Temuco, Chile.

Prof. Dr. Odorico Konrad, Director of Laboratory of Bioreactors. UNIVATES University Center. Lajeado, Brazil.

„Bioeconomy in Europe and Latin America: Status and collaboration possibilities”

Ort: UFZ, Vortragssaal, Geb. 1.0, 1. Etage
Zeit: 13:00 - 16:00 Uhr

Referenten:

Dr. Alena Buyx, Assistant Director beim Nuffield Council on Bioethics in London wird einen Vortrag halten mit dem Titel:

"Biofuels: ethical issues. Der Report des Nuffield Council on Bioethics zu ethischen Aspekten von Biosprit"

Weitere Informationen:

Jens Giersdorf, Mitarbeiter des Bereichs Internationale Beziehungen und Leiter der Arbeitsgruppe Internationaler Wissens- und Technologietransfer am DBFZ sowie Doktorand an der Freien Universität Berlin (Forschungszentrum für Umweltpolitik) wird seine Dissertation vorstellen:

"Politics and Economics of Ethanol and Biodiesel Production and Consumption in Brazil"

Weitere Informationen: