Pressemitteilung vom 12. Dezember 2016

Josef Settele zu einem der Vorsitzenden für das Globale Assessment des Weltbiodiversitätsrates berufen

UFZ-Experte leitet gemeinsam mit einer argentinischen Kollegin und einem brasilianischen Kollegen wichtiges Expertengremium

Prof. Dr. Josef Settele vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) wurde zu einem der Vorsitzenden für das Globale Assessment des Weltbiodiversitätsrates IPBES berufen. Er ist damit einer von weltweit drei Wissenschaftlern, die dafür ausgewählt wurden. Gemeinsam mit der Argentinierin Prof. Dr. Sandra Díaz und dem Brasilianer Prof. Dr. Eduardo Brondízio ist der Agrarökologe nun verantwortlich für die erste interdisziplinäre Studie des IPBES, die den weltweiten Zustand von Biodiversität und Ökosystemleistungen erfasst.

UFZ-Biodiversitätsforscher Prof. Dr. Josef Settele Foto: UFZ / Sebastian Wiedling
UFZ-Biodiversitätsforscher Prof. Dr. Josef Settele
Foto: UFZ / Sebastian Wiedling

Die drei Professoren leiten in den nächsten drei Jahren gemeinsam ein interdisziplinäres Team von mehr als 150 Expertinnen und Experten aus aller Welt. Bis 2019 wollen sie einen Bericht vorlegen, der den weltweiten Zustand von Biodiversität und Ökosystemleistungen wiederspiegelt. "Wir sind stolz auf die Ernennung von Josef Settele zum Co-Chair für das Globale Assessment des Weltbiodiversitätsrates IPBES. Sie zeigt, dass deutsche Spitzenforscher ihre Expertise in wichtige internationale Diskussionen und Gremien einbringen und ist Ausdruck der Exzellenz der Biodiversitätsforschung am UFZ", sagt der Wissenschaftliche Geschäftsführer des UFZ, Prof. Dr. Georg Teutsch.

Josef Settele ist ein international renommierter Biodiversitätsforscher mit exzellenter Expertise in den Themenbereichen "Schutz und evolutionäre Biologie von Insekten" sowie "Biodiversität und Landnutzung". Er leitet die Arbeitsgruppe Tierökologie und sozial-ökologische Systeme im UFZ-Department Biozönoseforschung in Halle, ist seit März 2016 außerplanmäßiger Professor an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und Mitglied des Deutschen Zentrums für Integrative Biodiversitätsforschung (iDiv). Neben seiner exzellenten fachlichen Expertise zeichnet Josef Settele eine außergewöhnliche Kompetenz in Bezug auf die interdisziplinäre Kooperation und die Koordination von Forschungsprojekten aus. Das stellte er in vielen nationalen und  internationalen Projekten auf dem Gebiet der Biodiversitätsforschung sehr erfolgreich unter Beweis: Unter anderem koordinierte er von 2004 bis 2009 mit "ALARM" das bis dato größte EU-Projekt zur terrestrischen Biodiversitätsforschung. 2010 holte ihn der Weltklimarat zur Mitarbeit am fünften IPCC-Sachstandsbericht in seine Expertenrunde: Von 2010 bis 2014 war er Koordinierender Leitautor für das Kapitel 4 "Terrestrische Ökosysteme und Binnengewässer" der Arbeitsgruppe II des IPCC. Und auch für den Weltbiodiversitätsrat IPBES war er bereits in verantwortungsvoller Position tätig: Als Koordinierender Leitautor ist er mitverantwortlich für einen im Februar 2016 veröffentlichten Bericht, der die weltweite Lage der Bestäuber und ihre Bedeutung für die weltweite Nahrungssicherheit zusammenfasst.

All diese Tätigkeiten und gesammelten Erfahrungen als Koordinator von Projekten und Assessments qualifizierten Josef Settele nun auch für die Funktion als Co-Chair für das globale Assessment des IPBES. "Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit einem großen internationalen Autorenteam, das die wissenschaftlichen Kenntnisse über den weltweiten Zustand der biologischen Vielfalt und ökosystemaren Leistungen zusammentragen und bewerten wird. Aus eigener Erfahrung weiß ich, welch große Herausforderung das ist. Zugleich finde ich es sehr motivierend, auf diese Weise die Basis für politische Entscheidungen zu erarbeiten", kommentiert Josef Settele seine Berufung. Und weiter: "Ich glaube, dass es uns gelingen wird, überregionale Entwicklungen der biologischen Vielfalt und Ökosystemleistungen realistischer als bislang einzuschätzen zu können und Handlungsoptionen für deren künftige Nutzung und deren Erhalt zu formulieren. Und ich hoffe, dass der Bericht, der ja gemeinsam mit den Regierungsdelegationen als Konsensdokument verabschiedet werden wird, dadurch einen sehr hohen Stellenwert für politische Entscheidungen erlangt".

Der Weltbiodiversitätsrat IPBES (Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services) ist ein wissenschaftliches, zwischenstaatliches Gremium, das politischen Entscheidungsträgern objektive und zuverlässige Informationen über den Zustand und die Entwicklung der biologischen Vielfalt und ihrer Ökosystemleistungen zur Verfügung stellt.
IPBES besteht aus offiziellen Mitgliedern (bislang sind 125 Staaten bei IPBES vertreten), Experten (Regierungen und Organisationen nominieren Wissenschaftler und weitere Experten für zeitlich befristete Expertengruppen und Task Forces) und     Beobachtern (zwischenstaatliche Organisationen und relevante Interessensgruppen).
Bei einer Regierungskonferenz im Juni 2010 in Busan (Südkorea) wurde die Einrichtung von IPBES von der internationalen Gemeinschaft beschlossen und noch im selben Jahr von der UN-Generalversammlung bestätigt. Im Oktober 2011 fand das erste IPBES-Gründungsplenum zum Aufbau von IPBES und seiner Strukturen in Nairobi statt. Auf dem 2. Gründungsplenum in Panama City, im April 2012, wurde IPBES von der Staatengemeinschaft schließlich formell gegründet. Das Sekretariat des IPBES befindet sich in Bonn. IPBES wird vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) verwaltet (Quelle: IPBES-Koordinierungsstelle).

Weiterführende Links:
BMBF Pressemitteilung vom 12.12.2016: https://www.bmbf.de/de/globale-bestandsaufnahme-zur-biologischen-vielfalt-angelaufen-3694.html

IPBES - Deutsche Koordinierungsstelle: http://de-ipbes.de/20.php


Weitere Informationen

Prof. Dr. Josef Settele
UFZ-Department Biozönoseforschung
josef.settele@ufz.de

UFZ-Pressestelle

Susanne Hufe
Telefon: +49 341 235-1630
presse@ufz.de


Im Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) erforschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Ursachen und Folgen der weit reichenden Veränderungen der Umwelt. Sie befassen sich mit Wasserressourcen, biologischer Vielfalt, den Folgen des Klimawandels und Anpassungsmöglichkeiten, Umwelt- und Biotechnologien, Bioenergie, dem Verhalten von Chemikalien in der Umwelt, ihrer Wirkung auf die Gesundheit, Modellierung und sozialwissenschaftlichen Fragestellungen. Ihr Leitmotiv: Unsere Forschung dient der nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen und hilft, diese Lebensgrundlagen unter dem Einfluss des globalen Wandels langfristig zu sichern. Das UFZ beschäftigt an den Standorten Leipzig, Halle und Magdeburg mehr als 1.100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Es wird vom Bund sowie von Sachsen und Sachsen-Anhalt finanziert.

www.ufz.de

Die Helmholtz-Gemeinschaft leistet Beiträge zur Lösung großer und drängender Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft durch wissenschaftliche Spitzenleistungen in sechs Forschungsbereichen: Energie, Erde und Umwelt, Gesundheit, Schlüsseltechnologien, Struktur der Materie sowie Luftfahrt, Raumfahrt und Verkehr. Die Helmholtz-Gemeinschaft ist mit 37.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in 18 Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 4 Milliarden Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands. Ihre Arbeit steht in der Tradition des großen Naturforschers Hermann von Helmholtz (1821-1894).

www.helmholtz.de
« zurück