Pressemitteilung vom 15. August 2016

Ökosystemfunktionen in Ölpalmplantagen reduziert

Wissenschaftler bewerten Auswirkungen der Umwandlung von Tieflandregenwäldern

Die Umwandlung von tropischen Tieflandregenwäldern in Ölpalmplantagen hat große Auswirkungen auf Umwelt und Menschen. Ein interdisziplinäres Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Universität Göttingen, des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig sowie der indonesischen Bogor Agricultural University hat erstmals eine vollständige und multidisziplinäre Bewertung aller Ökosystemfunktionen in Ölpalmplantagen im Vergleich zu Tieflandregenwäldern vorgenommen. Dabei fanden die Forscher heraus, dass in Ölpalmplantagen elf von 14 Ökosystemfunktionen rückläufig sind, einige mit irreversiblen globalen Folgen. Gleichzeitig zeigten sie jedoch Managementoptionen auf, die Schäden reduzieren und mehrere Ökosystemfunktionen begünstigen können. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Biological Reviews erschienen.

Junge Ölpalmplantage auf Sumatra, Indonesien. Die Plantagen reichen oft bis zum Horizont. Foto: Kerstin Wiegand, Uni Göttingen
Junge Ölpalmplantage auf Sumatra, Indonesien. Die Plantagen reichen oft bis zum Horizont.
Foto: Kerstin Wiegand, Uni Göttingen
Ölpalmplantage auf Sumatra, Indonesien. Wissenschaftler der Universität Göttingen und des UFZ untersuchen dort die Folgen der Umwandlung von Tieflandregenwald in Ölpalmplantagen. Foto: Claudia Dislich, UFZ
Ölpalmplantage auf Sumatra, Indonesien. Wissenschaftler der Universität Göttingen und des UFZ untersuchen dort die Folgen der Umwandlung von Tieflandregenwald in Ölpalmplantagen.
Foto: Claudia Dislich, UFZ

Die bisherige Forschung über die Umweltauswirkungen von Ölpalmanbau ist verstreut und lückenhaft. Durch die Synthese von etwa 1000 wissenschaftlichen Studien und Berichten konnten die Forscherinnen und Forscher einen ausgewogenen Überblick über die Veränderungen in allen 14 Ökosystemfunktionen geben. Dazu zählen zum Beispiel die Gas- und Klimaregulierung, die Wasserregulierung und -versorgung, die Abmilderung von Extremereignissen, die Bereitstellung von Nahrungsmitteln und Rohstoffen sowie Arzneistoffressourcen. Während die Bereitstellung von Lebensmitteln und Rohstoffen - meist Palmöl - erhöht wird, zeigen alle anderen Funktionen in Ölpalmplantagen im Vergleich zu Tieflandregenwäldern eine Nettoabnahme. Bei zwei Funktionen - der Bestäubungsleistung und der biologischen Kontrollfunktion - reichen die derzeitigen Kenntnisse nicht aus, um eine eindeutige Aussage zu treffen.

"Während das allgemeine Ergebnis so zu erwarten war, zeigen sich eine Vielzahl von ökologischen und gesellschaftlich schädlichen Auswirkungen auf lokaler bis globaler Ebene", erläutert Prof. Dr. Kerstin Wiegand. "Unsere Studie stellt damit ein leistungsfähiges Werkzeug zur Politikgestaltung dar, auf der Grundlage einer ausgewogenen und detaillierten Betrachtung aller Ökosystemfunktionen."

Die Wissenschaftler kommen außerdem zu dem Ergebnis, dass die größten negativen Effekte mit der Waldzerstörung einhergehen. Deshalb sollten Ölpalmplantagen nur auf bereits umgewandelten Flächen angelegt werden. Der Verlust von Ökosystemfunktionen kann bis zu einem gewissen Grad abgemildert werden, manchmal mit einfachen Mitteln wie bodenbedeckenden Pflanzen, Mulch und Kompost. Dennoch sollte Waldumwandlung auf den in Ölpalmanbaugebieten besonders häufigen Torfböden auf jeden Fall vermieden werden: Wenn Torfböden trockengelegt werden, um Plantagen anzulegen, werden große Mengen an Kohlendioxid freigesetzt - mit dramatischen, langlebigen und nahezu irreversiblen Folgen.

Die Studie zeigt auch Forschungslücken auf, insbesondere in Bezug auf die Funktionen von soziokulturellen Informationen. Wald hat in nahezu allen Gesellschaften eine wichtige kulturelle Bedeutung und erfüllt beispielsweise bestimmte medizinische, spirituelle oder rituelle Funktionen. "Ob und welche dieser Funktionen von der Ölpalme erfüllt werden, ist bislang kaum erforscht", so Prof. Wiegand. "Es besteht ein Bedarf an empirischen Daten aus unterschiedlichen Regionen und von unterschiedlich alten Plantagen. Außerdem benötigen wir mehr Forschung über die Entwicklung wirksamer Managementpraktiken, die die Verluste der Ökosystemfunktionen abmildern könnten."

Publikation:
Claudia Dislich et al. A review of the ecosystem functions in oil palm plantations, using forests as a reference system. Biological Reviews 2015. Doi: 10.1111/brv.12295. http://dx.doi.org/10.1111/brv.12295

Die Untersuchungen sind Teil des Sonderforschungsbereichs "Ökologische und sozioökonomische Funktionen tropischer Tieflandregenwald-Transformationssysteme" (EFForTS), in dem mehr als 200 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den Naturwissenschaften, der Ökonomie und den Sozialwissenschaften zusammenarbeiten. Neben der Universität Göttingen sind daran Forschungseinrichtungen aus Indonesien beteiligt, darunter die Universitäten Bogor, Jambi und Tadulako (www.uni-goettingen.de/efforts).


Weitere Informationen

Dr. Guy Pe'er
UFZ-Department Naturschutzforschung
guy.peer@ufz.de

Prof. Dr. Kerstin Wiegand
Georg-August-Universität Göttingen Fakultät für Forstwissenschaften und Waldökologie
Telefon: ++49 551 39 10121
kerstin.wiegand@uni-goettingen.de

UFZ-Pressestelle

Susanne Hufe
Telefon: +49 341 235-1630
presse@ufz.de


Im Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) erforschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Ursachen und Folgen der weit reichenden Veränderungen der Umwelt. Sie befassen sich mit Wasserressourcen, biologischer Vielfalt, den Folgen des Klimawandels und Anpassungsmöglichkeiten, Umwelt- und Biotechnologien, Bioenergie, dem Verhalten von Chemikalien in der Umwelt, ihrer Wirkung auf die Gesundheit, Modellierung und sozialwissenschaftlichen Fragestellungen. Ihr Leitmotiv: Unsere Forschung dient der nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen und hilft, diese Lebensgrundlagen unter dem Einfluss des globalen Wandels langfristig zu sichern. Das UFZ beschäftigt an den Standorten Leipzig, Halle und Magdeburg mehr als 1.100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Es wird vom Bund sowie von Sachsen und Sachsen-Anhalt finanziert.

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