Kurzinformation vom 15. Juni 2017

Auf den Spuren des Grundwassers im Süd-Oman

Erster Feldeinsatz für neues Probenahmegerät / Prototyp im Leipziger Zoo getestet

Dr. Jan Friesen (UFZ), Dr. Thomas Müller (UFZ) und Nils Michelsen (TU Darmstadt) installieren bis Ende Juni im Oman sieben Autosampler. Foto: UFZ / André Künzelmann
Dr. Jan Friesen (UFZ), Dr. Thomas Müller (UFZ) und Nils Michelsen (TU Darmstadt) installieren bis Ende Juni im Oman sieben Autosampler.
Foto: UFZ / André Künzelmann
Gerätetest im Gondwanaland des Zoo Leipzig (Mai 2017). Foto: UFZ
Gerätetest im Gondwanaland des Zoo Leipzig (Mai 2017).
Foto: UFZ

Seit vielen Jahren forscht das UFZ in wasserarmen Regionen der Welt. Abzuschätzen, wie groß die Wasservorräte noch sind, in welcher Qualität das Wasser vorhanden ist und wie es den Menschen nachhaltig verfügbar gemacht werden kann, ist eine der großen Herausforderungen der Wasserforschung heute und in der Zukunft. Gerade in wasserarmen Regionen der Welt wie dem Mittleren Osten entwickeln sich der Bedarf und die Verfügbarkeit von nutzbarem Wasser aufgrund von Klimawandel und Bevölkerungsentwicklung stark auseinander. Und häufig sind gerade dort Daten und Beobachtungen, auf denen Abschätzungen aufbauen können, nur unzureichend vorhanden.

Doch wie können auch bei wenig verfügbaren Daten zuverlässigere Vorhersagen erstellt werden? Hierfür forschen Wissenschaftler des UFZ an der Entwicklung integrativer Monitoring- und Modellkonzepte. Das Monitoring beinhaltet eine Kombination verschiedener Informationsquellen wie Fernerkundung, Beobachtung von Oberflächen- und Grundwasser, chemische Analysen und Integration natürlicher Indikatoren. Wesentlich dabei sind Isotopenuntersuchungen, mit denen Fließ-, Transport-, Austausch- und Abbauprozesse in Einzugsgebieten analysiert werden können. Die detaillierten Monitoringdaten wiederum sind die Basis für hydrologische Modelle.

In einem Projekt, das im Süd-Oman stattfindet ("Submarine Groundwater Discharge: Adaption of an autonomous aquatic vehicle for robotic measurements, sampling and monitoring"), geht es zum Beispiel um die Bestimmung von submarinen Grundwasseraustritten ins Arabische Meer. Dazu ist es notwendig, die Fließpfade des Grundwassers vom Gebirge bis hin zum Meer zu bestimmen. Neben anderen Methoden werden Isotopenanalysen von Niederschlagswasser und von Grundwasser genommen, um u.a. die Herkunft des Grundwassers zu bestimmen. Über die Analyse von Isotopen können die Forscher bestimmen, welche Niederschlagsereignisse in der Regenzeit relevant für die Grundwasserneubildung sind und in welchen Regionen im Gebirge das Wasser infiltriert ist.

Für die Beprobung wird am UFZ das entsprechende Gerät, ein sogenannnter Autosampler entwickelt. Der Prototyp entstand in Zusammenarbeit mit der TU Darmstadt und wurde in der UFZ-Werkstatt gebaut. Seinen ersten Praxistest hatte der Sampler im Gondwanaland des Zoo Leipzig zu bestehen. Die Bedingungen im Gondwanaland (hohe Luftfeuchte, hohe Temperaturen, regelmäßige Beregnung) sind mit den Klimabedingungen im Süd-Oman zur Monsunzeit vergleichbar und daher ideal dafür geeignet. Den Feldtest haben die Geräte jetzt unter realen Bedingungen im Oman zu bestehen. Ein Wissenschaftler-Team um Dr. Jan Friesen vom UFZ installiert bis Ende Juni sechs Autosampler in den semiariden Nebelwäldern der Dhofargebirge. Um den Verdunstungsschutz zu testen, wurde ein Autosampler zudem in der Rub Al Khali, einem der trockensten Orte der Welt, aufgebaut.


Weitere Informationen

Dr. Jan Friesen
UFZ-Department Catchment Hydrology
jan.friesen@ufz.de

UFZ-Pressestelle

Susanne Hufe
Telefon: +49 341 235-1630
presse@ufz.de


Im Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) erforschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Ursachen und Folgen der weit reichenden Veränderungen der Umwelt. Sie befassen sich mit Wasserressourcen, biologischer Vielfalt, den Folgen des Klimawandels und Anpassungsmöglichkeiten, Umwelt- und Biotechnologien, Bioenergie, dem Verhalten von Chemikalien in der Umwelt, ihrer Wirkung auf die Gesundheit, Modellierung und sozialwissenschaftlichen Fragestellungen. Ihr Leitmotiv: Unsere Forschung dient der nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen und hilft, diese Lebensgrundlagen unter dem Einfluss des globalen Wandels langfristig zu sichern. Das UFZ beschäftigt an den Standorten Leipzig, Halle und Magdeburg mehr als 1.100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Es wird vom Bund sowie von Sachsen und Sachsen-Anhalt finanziert.

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Die Helmholtz-Gemeinschaft leistet Beiträge zur Lösung großer und drängender Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft durch wissenschaftliche Spitzenleistungen in sechs Forschungsbereichen: Energie, Erde und Umwelt, Gesundheit, Schlüsseltechnologien, Struktur der Materie sowie Luftfahrt, Raumfahrt und Verkehr. Die Helmholtz-Gemeinschaft ist mit 37.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in 18 Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 4 Milliarden Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands. Ihre Arbeit steht in der Tradition des großen Naturforschers Hermann von Helmholtz (1821-1894).

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