Pressemitteilung vom 28. April 2016

Stadtnatur für eine nachhaltige Stadtentwicklung

"Naturkapital Deutschland – TEEB DE" präsentiert Bericht "Ökosystemleistungen in der Stadt"

Hannover/Leipzig/Berlin. Die Stadt der Zukunft muss viele Herausforderungen bewältigen. Stadtnatur ist dabei ein entscheidender Baustein zur Lösung komplexer Probleme. Der dritte Bericht des Projekts "Naturkapital Deutschland – TEEB-DE" widmet sich diesem Thema. Unter dem Titel "Ökosystemleistungen in der Stadt – Gesundheit schützen und Lebensqualität erhöhen" machen die Autorinnen und Autoren die Bandbreite städtischer Ökosystemleistungen sichtbar und veranschaulichen ihre gesellschaftliche Bedeutung. Zudem stellen sie Ansätze vor, wie solche Werte stärker in der Stadtentwicklung berücksichtigt werden können. Der Bericht wird am 3. Mai in Hannover im Beisein von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks vorgestellt.

Stadtpark in Leipzig Foto: UFZ / André Künzelmann
Stadtpark in Leipzig
Foto: UFZ / André Künzelmann

"Städtische Parks und Gärten fördern den sozialen Zusammenhalt", betont der Leiter des dritten TEEB-DE-Berichts, Prof. Dr. Ingo Kowarik von der Technischen Universität Berlin, "sie führen Jung und Alt zusammen, ebenso unterschiedliche Kulturen. Sie sind Orte des Austausches in der Nachbarschaft und fördern die Identifikation mit dem eigenen Viertel. Besonders für Kinder und Jugendliche bieten sie oft die einzige Möglichkeit für Sport und Spiel. Durch Naturräume werden zudem Naturerfahrungen und -erlebnisse im direkten Wohnumfeld möglich. Sie tragen zur Sensibilisierung der Menschen für die Natur bei. Die vielfältige Natur in der Stadt hat damit eine immense Bedeutung für die Gesundheit und Lebensqualität in Städten."

"Und sie spart Geld!", ergänzt Prof. Dr. Bernd Hansjürgens, Chefökonom vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ). Der Leiter der deutschen TEEB-Studie führt fort: "Natur in der Stadt hat eine große wirtschaftliche Relevanz. Vor allem können Gesundheitskosten eingespart werden. Allein in Berlin sind etwa vier bis fünf Prozent aller Sterbefälle eines Jahres direkt auf Hitze zurückzuführen. Stadtnatur verbessert das Stadtklima und reduziert somit auch hitzebedingte Erkrankungs- und Sterberaten."

Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Reduzierung von Stress. Allein die drei für das Gesundheitswesen teuersten Erkrankungen, für die Stress als Mitursache gilt, - Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Erkrankungen des Haltungs- und Bewegungsapparates und psychische Erkrankungen - verursachen in Deutschland jährlich mehr als 100 Mrd. Euro Krankheitskosten. Auch durch Lärmminderung kann Stadtnatur zur Kostenreduzierung beitragen. In Deutschland lag in den Studien zum Umweltbewusstsein die Zahl derer, die sich durch Straßenverkehrslärm mindestens mittelmäßig gestört fühlten in den vergangenen Jahren konstant über 25 Prozent. Durch die Lärmminderung von bis zu drei dB durch entsiegelte Flächen im Straßenraum oder begrünte Fassaden können gesellschaftliche Kosten erheblich gesenkt werden. Diese liegen pro dB Lärmpegelanstieg zwischen zehn Euro (unter 70dB) und 16 Euro (über 70dB) pro betroffener Person und Jahr.

Die Reduktion von Feinstaub oder der Hochwasserschutz sind weitere Beispiele für die positiven Leistungen von Stadtnatur. Der Bericht macht diese und andere wesentliche Leistungen von Stadtnatur sichtbar und zeigt darüber hinaus deren gesellschaftliche Bedeutung auf. Die dabei zugrunde liegende ökonomische Betrachtungsweise bietet Verantwortlichen aus verschiedenen Bereichen der Stadt eine Basis, um sich auf gemeinsame Ziele zu verständigen und entsprechende Maßnahmen umzusetzen. Die ökonomische Betrachtungsweise zeigt insbesondere die Synergieeffekte auf, die durch Kooperationen in verschiedenen Handlungsfeldern entstehen können. Infrastruktur, Klimaanpassung, Gesundheit, Bildung, Integration, soziale Förderung sowie wirtschaftliche Entwicklung profitieren von der Erhaltung und Stärkung urbaner Ökosystemleistungen und der Biodiversität in der Stadt.

Der dritte TEEB DE-Bericht, an dem mehr als 130 Personen aus Wissenschaft, Politik, Verwaltung und Gesellschaft als Autoren und Gutachter beteiligt waren, zeigt unterschiedlichsten Akteuren der Stadt, wie die Berücksichtigung von Ökosystemleistungen in  der Landschafts- und Stadtplanung sowie in Stadt- und Freiraumentwicklungskonzepten die Zusammenarbeit innerhalb oder zwischen Kommunen stärken kann. Neben Politik und Verwaltung spricht der Bericht auch die Wirtschaft an, die ökonomische Vorteile durch eine Förderung von Stadtnatur auf ihren Flächen erreichen kann. Auch dies trägt zu einer nachhaltigen Stadtentwicklung bei.

Fachliche Beratung und Förderung durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit

Publikation:
Naturkapital Deutschland - TEEB DE (2016): Ökosystemleistungen in der Stadt - Gesundheit schützen und Lebensqualität erhöhen. Hrsg. von Ingo Kowarik, Robert Bartz und Miriam Brenck. Technische Universität Berlin, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ. Berlin, Leipzig. http://www.naturkapital-teeb.de/publikationen/projekteigene-publikationen/bericht-3.html

Öffentliche Vorstellung des Berichts:
3. Mai 2016, 11:00 bis 13:00 Uhr, im Rahmen der Veranstaltung Fachtagung Stadtnatur: Gesund, lebenswert, artenreich - Grüne Kommunen im 21. Jahrhundert (von 10:30 bis 21:30 Uhr), im Haus der Volkshochschule Hannover, Burgstraße 14, 30159 Hannover (http://www.vhs-hannover.de/info-und-service/unterrichtsorte/haus-der-vhs.html)

Interessierte Journalisten sind zur Veranstaltung herzlich eingeladen.
Anmeldung über: urs.moesenfechtel@ufz.de

Pressegespräch: 13:00 bis 13:30 Uhr (Raum 114)
Rede und Antwort stehen:

  • Dr. Heino Kamieth (Landeshauptstadt Hannover, Leiter Bereich Forsten, Landschaftsräume und Naturschutz)
  • Prof. Dr. Bernd Hansjürgens (Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ / Studienleiter Naturkapital - TEEB DE) und / oder
  • Prof. Dr. Ingo Kowarik (Technische Universität Berlin / Leiter des Berichts "Ökosystemleistungen in der Stadt" im TEEB-DE-Projekt)
  • Peter Gaffert (Vorstandsvorsitzender des Bündnisses "Kommunen für biologische Vielfalt e.V." / Oberbürgermeister der Stadt Wernigerode)

Weitere Informationen:
Zur Veranstaltung: www.ufz.de/stadtnatur
Zu Naturkapital Deutschland - TEEB DE: www.naturkapital-teeb.de


Weitere Informationen

Prof. Dr. Ingo Kowarik
Technische Universität Berlin Leiter des Fachgebiets Ökosystemkunde / Pflanzenökologie am Institut Ökologie der Fakultät VI Planen Bauen Umwelt
kowarik@tu-berlin.de

Prof. Dr. Bernd Hansjürgens
Leiter des UFZ-Departments Ökonomie / Studienleiter TEEB DE
bernd.hansjuergens@ufz.de

Urs Moesenfechtel
UFZ-Department Ökonomie / Pressereferent TEEB DE
Telefon: +49 341 235 1680
urs.moesenfechtel@ufz.de

UFZ-Pressestelle

Susanne Hufe
Telefon: +49 341 235-1630
presse@ufz.de


Im Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) erforschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Ursachen und Folgen der weit reichenden Veränderungen der Umwelt. Sie befassen sich mit Wasserressourcen, biologischer Vielfalt, den Folgen des Klimawandels und Anpassungsmöglichkeiten, Umwelt- und Biotechnologien, Bioenergie, dem Verhalten von Chemikalien in der Umwelt, ihrer Wirkung auf die Gesundheit, Modellierung und sozialwissenschaftlichen Fragestellungen. Ihr Leitmotiv: Unsere Forschung dient der nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen und hilft, diese Lebensgrundlagen unter dem Einfluss des globalen Wandels langfristig zu sichern. Das UFZ beschäftigt an den Standorten Leipzig, Halle und Magdeburg mehr als 1.100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Es wird vom Bund sowie von Sachsen und Sachsen-Anhalt finanziert.

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