Soziale und räumliche Konsequenzen des demographischen Wandels für ostmitteleuropäische Großstädte

Potentiale und Grenzen eines Erfahrungstransfers aus Westeuropa und Ostdeutschland



Publikation

Residential Change and Demographic Challenge − The inner City of East Central Europe in the 21st Century
(ISBN: 978-0-7546-7934-9)
erscheint im Frühjahr 2011


Status

finanziert von der VolkswagenStiftung (Förderinitiative "Einheit in der Vielfalt? Grundlagen und Voraussetzungen eines erweiterten Europas")

Projektlaufzeit

5/2006 − 4/2009


Kurzbeschreibung

Städte in Ostmitteleuropa sind spätestens seit den 1990er Jahren von einem tief greifenden, quantitativen wie qualitativen, demographischen Wandel betroffen. Geburtenrückgang, Alterung sowie Veränderungen der Strukturen der privaten Haushalte einerseits und die Folgen intra- und interregionaler Mobilität andererseits schlagen sich auch in den urbanen Zentren nieder. Noch überwiegt zwar in der Debatte um die postsozialistische Stadt die Wachstumsperspektive, doch offenbart ein kleinteiliger Zugang − etwa ein Blick auf die Städte der "zweiten Reihe" in altindustriellen Regionen −, dass die gegenwärtig viel diskutierten Schrumpfungsphänomene auch für die künftige Entwicklung ostmitteleuropäischer Städte von Bedeutung sein werden.

Ziel des Projektes ist es, am Beispiel polnischer und tschechischer Großstädte soziale und räumliche Konsequenzen des demographischen Wandels zu untersuchen. Ausgehend von Erkenntnissen über die westeuropäische Stadtentwicklung und die Veränderungen in Ostdeutschland nach 1989 lassen sich − so die Ausgangshypothese − für vergleichbare ostmitteleuropäische Städte in absehbarer Zeit ebenfalls gravierende Folgen für die stadtfunktionalen, sozialräumlichen und Wohnungsmarktstrukturen erwarten. Das Projekt setzt an den Theorien und Befunden der Transformationsforschung der 1990er Jahre an, geht jedoch mit der Schwerpunktsetzung auf bislang kaum untersuchte Fragen der housing demography einen konzeptionellen Schritt darüber hinaus.

Die Detailanalysen werden in innerstädtischen Altbauquartieren polnischer und tschechischer Großstädte (z. B. Gdansk, Lodz, Brno und Ostrava) durchgeführt. Es wird untersucht, ob sich der demographische Wandel bereits in den Gebieten widerspiegelt und welche Rolle er für die Ausbildung sozialräumlicher Ungleichheit − im Vergleich zu klassischen Faktoren wie sozialer Status und Ethnizität − spielt. Im Fokus stehen dabei die so genannten "neuen Haushaltstypen" (Singles, Paare, Wohngemeinschaften u. a.), ist doch aus der westlichen Stadtforschung bekannt, dass innerstädtische Quartiere aufgrund ihrer traditionellen Baustrukturen, zentralen Lage und Angebotsvielfalt den Wohnpräferenzen dieser Haushaltstypen in besonderem Maße entgegenkommen. Entsprechend erfuhren innerstädtische Altbauquartiere in Westeuropa und in jüngster Zeit auch in Ostdeutschland einen fundamentalen sozialstrukturellen, materiellen und symbolischen Wandel. Demgegenüber haben diese Viertel in Ostmitteleuropa einen langen Abwärtsprozess hinter sich, und die Wohnungsmärkte sind von stärkeren Schließungstendenzen gekennzeichnet − ob der demographische Wandel somit tatsächlich zu Strukturveränderungen des städtischen Raums führt, ist offen.

Das Projekt soll die Vielgestaltigkeit und die Pfadabhängigkeiten innerstädtischer Entwicklungen in Ostmitteleuropa identifizieren und in Bezug zu sowohl gesamteuropäischen als auch ostdeutschen Mustern setzen.

Als Ergänzung zum Fokus auf die innere Stadt fungiert eine Studie zu Zukunftsperspektiven von Großwohnsiedlungen am Beispiel von Brno, bearbeitet von Dr. Katrin Großmann.

Unsere Forschungspartner sind:

Polnische Akademie der Wissenschaften, Institut für Geographie und Raumorganisation, Warschau

Universität Gdansk, Institut für Wirtschaftsgeographie

Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik, Institut für Geonik, Brno und Ethnologisches Institut, Außenstelle Brno

Institut für Geographie am Queen Mary College, Universität London