Pressemitteilung vom 4. September 2009

Pestizide - Belastung und Wirkung in Gewässern jetzt einfacher nachweisbar

Leipzig. Die Langzeitfolgen von Pflanzenschutzmitteln auf die Lebewesen und die Qualität des Wassers in Flüssen kann jetzt einfacher als je zuvor ermittelt werden: Forscher des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) haben ein Werkzeug entwickelt, mit dem innerhalb von Minuten die schädliche Wirkung von Pestiziden abgeschätzt werden kann, die zum Beispiel von landwirtschaftlichen Flächen in Flüsse und Bäche gespült worden sind. "Bisher war es sehr schwierig nachzuweisen, welche chronischen Wirkungen auftreten", erläutert Dr. Matthias Liess, Leiter des UFZ-Departments System-Ökotoxologie. Bei ihrem neuen Ansatz machen es sich die Helmholtz-Forscher zu nutze, dass Pestizide charakteristische Änderungen in der Zusammensetzung der jeweils betroffenen Lebensgemeinschaft bewirken.

Pestizideinsatz auf landwirtschaftlich genutzten Flächen

Pestizideinsatz auf landwirtschaftlich genutzten Flächen. Forscher des UFZ haben ein Werkzeug entwickelt, welches innerhalb von Minuten die schädliche Wirkung von Pestiziden in Fließgewässern abschätzt.
Foto: André Künzelmann/UFZ

download als jpg (1,7 MB)
Nutzungsbedingungen Bildmaterial

"Man muss lediglich ermitteln, welche und wie viele Tiere wie etwa Insekten und Krebse an einer bestimmten Stelle des Flusslaufs zu finden sind", beschreibt es Liess. Die mit der Wasserwirtschaft befassten Ämter hätten solche Daten in der Regel vorliegen, fügt er hinzu. Liess und seine Kollegen haben nun einen Dienst im Internet eingerichtet, über den diese Daten eingegeben werden können und in deren Auswertung sofort feststellbar ist, wie hoch die Belastung der untersuchten Gewässer tatsächlich ist. Von der Internetseite http://www.systemecology.eu/SPEAR/Start.html kann eine gewöhnliche Exel-Tabelle heruntergeladen werden, in die in wenigen Schritten eingetragen wird, an welchen Probestellen welche Lebewesen in welcher Häufigkeit vorkommen. Ist die Tabelle fertig ausgefüllt, wird sie in den so genannten SPEAR-Rechner geladen und angegeben, in welcher Region die Proben genommen wurden. Sofort erfährt man, wie es um die Wasserqualität im untersuchten Gebiet bestellt ist. Daten zu den Regionen liegen derzeit für Deutschland, Frankreich, Finnland und West-Sibirien vor, erprobt wurde das System aber auch schon in Großbritannien und Australien. Die Nutzung des Angebots ist kostenlos.

Mit den Ergebnissen der Berechnungen können die Verantwortlichen laut Liess geeignete Maßnahmen ergreifen, um die Belastung von Gewässern mit Pestiziden zu verringern. "Unser Werkzeug kann aber mehr, als nur Problembereiche identifizieren", unterstreicht der Helmholtz-Wissenschaftler. Es zeigt auch an, wo unbelastete Gewässerabschnitte die Wirkung der Belastung kompensieren. Das ist deshalb von enormer Bedeutung, weil so gezeigt werden kann, wenn Schutzmaßnahmen gegriffen haben. Weiterer Vorteil des neuen Werkzeugs: Aufwändige und teure chemische Analysen sind häufig nicht mehr notwendig.
Jörg Aberger

Mehr zu diesem und weiteren Themen lesen Sie in der September-Ausgabe des UFZ-Newsletters:
September-Ausgabe des UFZ-Newsletters

top

Weitere fachliche Informationen

Dr. Matthias Liess
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)
Telefon: 0341-235-1578, 0151-527 390 36
Dr. Matthias Liess

oder über

Tilo Arnhold (UFZ-Pressestelle)
Telefon: 0341-235-1269
presse@ufz.de

Publikation:

Beketov M.A., Foit K., Schäfer R.B., Schriever C.A., Sacchi A., Capri E., Biggs J., Wells C., Liess, M. (2009):
SPEAR indicates pesticide effects in streams - comparative use of species- and family-level biomonitoring data.
Environmental Pollution 157(6), June 2009, 1841-1848
http://dx.doi.org/10.1016/j.envpol.2009.01.021
Die Untersuchungen wurden von der Environment Agency of England and Wales und der Europäischen Union gefördert.

Weiterführende Links:
www.systemecology.eu/SPEAR/Start.html

top

Im Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ erforschen Wissenschaftler die Ursachen und Folgen der weit reichenden Veränderungen der Umwelt. Sie befassen sich mit Wasserressourcen, biologischer Vielfalt, den Folgen des Klimawandels und Anpassungsmöglichkeiten, Umwelt- und Biotechnologien, Bioenergie, dem Verhalten von Chemikalien in der Umwelt, ihrer Wirkung auf die Gesundheit, Modellierung und sozialwissenschaftlichen Fragestellungen. Ihr Leitmotiv: Unsere Forschung dient der nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen und hilft, diese Lebensgrundlagen unter dem Einfluss des globalen Wandels langfristig zu sichern. Das UFZ beschäftigt an den Standorten Leipzig, Halle und Magdeburg 900 Mitarbeiter. Es wird vom Bund sowie von Sachsen und Sachsen-Anhalt finanziert.

Die Helmholtz-Gemeinschaft leistet Beiträge zur Lösung großer und drängender Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft durch wissenschaftliche Spitzenleistungen in sechs Forschungsbereichen: Energie, Erde und Umwelt, Gesundheit, Schlüsseltechnologien, Struktur der Materie, Verkehr und Weltraum. Die Helmholtz-Gemeinschaft ist mit 28.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in 16 Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 2,8 Milliarden Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands. Ihre Arbeit steht in der Tradition des großen Naturforschers Hermann von Helmholtz (1821-1894).

zurück
top