Pressemitteilung vom 26. Oktober 2012

Triclosan gehört überwacht

UFZ-Spezial „Chemikalien in der Umwelt“ erschienen


Leipzig. Forscher aus Deutschland und der Slowakei haben darauf hingewiesen, dass die Chemikalie Triclosan zu den Stoffen gehört, die besonders schädlich für den ökologischen Zustand von Flüssen sind, die aber nicht ausreichend kontrolliert werden. Bei umfangreichen Messungen im Einzugsgebiet der Elbe, die über das übliche Monitoring hinausgingen, betrug die Konzentration der Chemikalie an zahlreichen Messpunkten bis zum Zwölffachen des Wertes, der für Algen ohne Wirkung wäre. Von 500 untersuchten Schadstoffen belegte Triclosan, das in der Regel gegen Bakterien eingesetzt wird, damit Platz sechs der problematischsten Stoffe in Europa. Es sei daher notwendig, diesen Stoff in die Überwachungsprogramme aufzunehmen und regelmäßig europaweit zu kontrollieren, schreiben die Forscher des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) und des Slowakischen Umweltinstitutes im Fachblatt „Environmental Science Pollution Research“.


ProbenahmeDie Liste der prioritären Schadstoffe, die von den Behörden europaweit kontrolliert werden müssen, soll 2013 von derzeit 33 auf 48 Stoffe und Stoffgruppen erweitert werden. Die Chemikalie Triclosan ist jedoch nicht unter den neuen Kandidaten.
Foto: André Künzelmann/UFZ
Bildverwendung unter Lizenz: CC BY 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/)
Die Liste der prioritären Schadstoffe, die von den Behörden europaweit kontrolliert werden müssen, soll 2013 von derzeit 33 auf 48 Stoffe und Stoffgruppen erweitert werden. Die Chemikalie Triclosan ist jedoch nicht unter den neuen Kandidaten. Sie ist seit 1972 auf dem Markt. 1998 wurden erste gravierende Wirkungen entdeckt. Bis heute wird Triclosan in Körperpflegemitteln (z.B. Zahnpasta) und Sporttextilien als Bakterienhemmer genutzt. Sorgen bereitet den Wissenschaftler auch die Tatsache, dass Triclosan inzwischen nicht nur in Lebewesen, die im Abwasser leben, sondern auch in menschlichem Plasma und in Muttermilch nachgewiesen werden konnte. Folgen, die über Schäden für Wasserorganismen hinausgehen, sind daher nicht auszuschließen.
Rund 350 Tonnen Triclosan wurden 2005 in der EU verwendet. Überwacht wird es in großen Teilen Europas jedoch noch nicht. „Verbindungen, die nicht auf der Liste der prioritären Schadstoffe stehen, müssen nicht kontrolliert werden. Und Verbindungen, die nicht kontrolliert werden, kommen in der Regel nicht auf diese Liste, da zu wenig über deren Verbreitung bekannt ist“, erklärt Dr. Peter von der Ohe vom UFZ das Dilemma. Innerhalb des EU-Forschungsprojekt MODELKEY haben Wissenschaftler daher mehrere hundert Schadstoffe in verschiedenen europäischen Flusseinzugsgebieten genauer unter die Lupe genommen und Vorschläge erarbeitet, wie die Überwachung der Flüsse in Sachen Chemikalien verbessert werden könnte.
Tilo Arnhold

Offizielle Eröffnung des Implementierungsbüros im Jordanischen Wasserministerium am 21. OktoberUFZ-Spezial "Chemikalien in der Umwelt"
Bildverwendung unter Lizenz: CC BY 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/)


Am UFZ untersuchen etwa 150 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der Umweltchemie, Ökotoxikologie, chemischen und biologischen Analytik, Umweltimmunologie bis hin zur Genetik das komplexe Verhalten chemischer Stoffe. Sie kombinieren chemische und biologische Analysemethoden, um Schadstoffen in der Umwelt auf die Spur zu kommen. Sie wollen herausfinden, ob es tatsächlich die üblichen Verdächtigen sind oder ob möglicherweise Spurenstoffe, Abbauprodukte oder Kombinationswirkungen von Chemikalien langfristig Probleme bereiten können.

“Chemikalien in der Umwelt” ist daher das Thema des neuen UFZ-Spezial.

Mehr zum Thema „Die üblichen Verdächtigen“ lesen Sie dort auf S.08:
http://www.ufz.de/index.php?de=10690


Weitere Informationen:

Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)

Dr. Peter Carsten von der Ohe/ Dr. Mechthild Schmitt-Jansen/ Dr. Werner Brack

Telefon: 0341-235-1581, -1532, -1531

http://www.ufz.de/index.php?de=14838

http://www.ufz.de/index.php?de=17161

http://www.ufz.de/index.php?de=17477

oder über

Tilo Arnhold (UFZ-Pressestelle)

Telefon: 0341-235-1635

http://www.ufz.de/index.php?de=640


Publikationen:

Peter Carsten von der Ohe, Mechthild Schmitt-Jansen, Jaroslav Slobodnik and Werner Brack (2012): Triclosan - the forgotten priority substance? Environ Sci Pollut Res. 19:585 – 591, DOI 10.1007/s11356-011-0580-7

http://dx.doi.org/10.1021/es3028378

Die Studie wurde von der Europäischen Kommission über das Projekt MODELKEY und der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert.


Franz, S., Altenburger R., Heilmeier H., Schmitt-Jansen M. (2008): What contributes to the sensitivity of microalgae to triclosan? Aquatic Toxicology, 90, 102-108.

http://dx.doi.org/10.1016/j.aquatox.2008.08.003


Weiterführende Links:

UFZ-Kernthema „Chemikalien in der Umwelt / Gesundheit“:

http://www.ufz.de/index.php?de=30503

EU-Projekt MODELKEY:

http://www.modelkey.org/

Im Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) erforschen Wissenschaftler die Ursachen und Folgen der weit reichenden Veränderungen der Umwelt. Sie befassen sich mit Wasserressourcen, biologischer Vielfalt, den Folgen des Klimawandels und Anpassungsmöglichkeiten, Umwelt- und Biotechnologien, Bioenergie, dem Verhalten von Chemikalien in der Umwelt, ihrer Wirkung auf die Gesundheit, Modellierung und sozialwissenschaftlichen Fragestellungen. Ihr Leitmotiv: Unsere Forschung dient der nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen und hilft, diese Lebensgrundlagen unter dem Einfluss des globalen Wandels langfristig zu sichern. Das UFZ beschäftigt an den Standorten Leipzig, Halle und Magdeburg über 1.000 Mitarbeiter. Es wird vom Bund sowie von Sachsen und Sachsen-Anhalt finanziert.

Die Helmholtz-Gemeinschaft leistet Beiträge zur Lösung großer und drängender Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft durch wissenschaftliche Spitzenleistungen in sechs Forschungsbereichen: Energie, Erde und Umwelt, Gesundheit, Schlüsseltechnologien, Struktur der Materie, Verkehr und Weltraum. Die Helmholtz-Gemeinschaft ist mit über 31.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in 18 Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 3,4 Milliarden Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands. Ihre Arbeit steht in der Tradition des Naturforschers Hermann von Helmholtz (1821-1894).

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