Pressemitteilung vom 24. September 2012

Neue Methoden könnten Kosten für Altlastenerkundung drastisch senken

EU-Projekt ModelPROBE stellt Ergebnisse vor


Ferrara/Leipzig. Mit neuen Methoden könnten Erkundung und Langzeitüberwachung von Altlasten wesentlich günstiger werden als bisher möglich. Die Behörden und Sanierungpflichtige in Europa könnten so Kosten einsparen und diese auch zur Sanierung weiterer Flächen nutzen. Dies ist ein Ergebnis des EU-Forschungsprojektes ModelPROBE, das vom UFZ koordiniert wurde und dessen Ergebnisse am Freitag, den 21.9.2012, auf der internationalen Fachmesse REMTECH Expo im norditalienischen Ferrara der Öffentlichkeit vorgestellt wurden. Zu den Ergebnissen, mit denen die Wissenschaftler die Arbeit für Behörden und Ingenieurbüros erleichtern wollen, gehören ein Methodenhandbuch zur Charakterisierung kontaminierter Standorte und ein frei zugänglicher E-Learning-Kurs.


ModelPROBEZwei Mitarbeiter des UFZ bei der Untersuchung von Grundwasser mittels Direct-Push-Technologie. Dies ist eine von mehreren Technologien, die es in Kombination ermöglichen, Altlasten effektiver zu erkunden und damit Kosten zu sparen.
Foto: André Künzelmann/UFZ
In Europa existieren über 20.000 komplex und großflächig kontaminierte Flächen. Diese sogenannten Megasites gefährden die knappen Boden- und Wasserressourcen und verursachen Umwelt- und Gesundheitsrisiken sowie ökonomische und soziale Kosten. Ihre effiziente und nachhaltige Revitalisierung bedarf innovativer Erkundungs- und Sanierungstechnologien und integrierter Bewertungsansätze zur Optimierung von Nachnutzungsoptionen. Insgesamt 15 Partner aus acht Ländern haben daher im Rahmen des EU-Projektes ModelPROBE (Model driven Soil Probing, Site Assessment and Evaluation) neue Methoden zur Erkundung von kontaminierten Standorten und zur begleitenden Untersuchung (Monitoring) von Sanierungsmaßnahmen entwickelt. Diese Methoden, die wenig oder gar nicht in den Untergrund eingreifen, wurden an Referenz-Standorten des UFZ wie zum Beispiel in Zeitz erprobt, überprüft und mit klassischen Methoden verglichen. Die EU hat diese interdisziplinären Untersuchungen mit insgesamt rund drei Millionen Euro gefördert.

Um die Schadstoffbelastung im Untergrund erkennen zu können, werden bisher meist Boden- und Grundwasserproben entnommen. Belastungen können jedoch nur dann erkannt werden, wenn die Probenahmen an den optimalen Stellen und in einen ausreichend dichten Messnetz erfolgen. Von deren Genauigkeit hängt ab, wie gut die Belastung erkannt werden kann. Die Wissenschaftler haben daher an zeitversetzten geophysikalischen Messungen gearbeitet, um die Genauigkeit der Erkundung zu verbessern und auch die Dynamik durch hydraulische Veränderungen und mikrobielle Aktivität erfassen zu können.

ModelPROBETitelbild des neuen Methodenhandbuchs zur Charakterisierung kontaminierter Standorte.
Quelle: modelprobe.ufz.de
Das Projekt ModelPROBE integriert zudem neue Methoden, mit denen durch die Analyse der Vegetation wichtige Informationen über Schadstoffbelastungen im Untergrund gewonnen werden können. Auf der Basis dieser nicht-invasiven Methoden der Standorterkundung wird dann das Ausmaß der Kontaminationen und die Heterogenität des Untergrundes lokalisiert. „Mittels Rammkernsondierungen (Direct Push) mit gekoppelten geophysikalischen und hydrologischen Sondensystemen und verbunden mit Methoden der chemischen, toxikologischen und Isotopen-Analysen werden dann sogenannte “Hot spots“ untersucht, um die Schadensherde einzugrenzen und „rechtsmittelfest“ zu identifizieren“, erläutert Projektkoordinator Prof. Matthias Kästner vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ). Außerdem werden biologische Prozesse wie der Schadstoffabbau oder toxische Wirkungen am Standort mittels Passivsammlern, Biosensoren und Mikrokosmen mit nachfolgender Isotopen- und Biomarkeranalyse beobachtet. Wegen dieser komplexen Betrachtung waren an den Untersuchungen nicht nur Wissenschaftler/innen aus dem Department Umweltbiotechnologie, sondern auch aus den Departments Grundwassersanierung, Monitoring- und Erkundungstechnologien, Bioanalytische Ökotoxikologie und Isotopenbiogeochemie beteiligt.

Erprobt wurden diese Verfahren nicht nur in Zeitz, sondern auch von Projektpartnern in Italien, Norwegen und Tschechien. Ziel war es, durch eine integrierte, statistische Analyse und Modellierung auf unterschiedlichen Ebenen einen neuen Blick auf Boden- und Untergrundkontaminationen zu ermöglichen und eine fundierte Basis für künftige Risikobewertungen und nachhaltige Sanierungskonzepte zu bieten.

Publikationen:

E-Learning-Kurs: http://modelprobedisseminationsystem.com/

M. Kästner, M. Brackevelt, G. Döberl, G. Cassiani, M. Petrangeli Papini, C. Leven-Pfister & D. van Ree Eds (2012): MODEL-DRIVEN Soil probing, site assessment and evaluation – Guidance on technologies. ISBN 978-88-95814-72-8.

Entsprechend den Grundsätzen der öffentlichen Förderung durch die EU ist das Handbuch kostenfrei gegen Versandkosten und eine Bearbeitungsgebühr von 25 € über das Department Umweltbiotechnologie des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung – UFZ zu beziehen.



Weitere fachliche Informationen:

Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)

Prof. Dr. habil. Matthias Kästner, Department Umweltbiotechnologie

Telefon: 0341-235-1235

http://www.ufz.de/index.php?de=4459

oder über

Tilo Arnhold (UFZ-Pressestelle)

Telefon: 0341-235-1635

www.ufz.de/index.php?de=640



Weiterführende Links:

EU-Projekt ModelPROBE:

http://www.modelprobe.ufz.de/index.php?en=18269


Im Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) erforschen Wissenschaftler die Ursachen und Folgen der weit reichenden Veränderungen der Umwelt. Sie befassen sich mit Wasserressourcen, biologischer Vielfalt, den Folgen des Klimawandels und Anpassungsmöglichkeiten, Umwelt- und Biotechnologien, Bioenergie, dem Verhalten von Chemikalien in der Umwelt, ihrer Wirkung auf die Gesundheit, Modellierung und sozialwissenschaftlichen Fragestellungen. Ihr Leitmotiv: Unsere Forschung dient der nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen und hilft, diese Lebensgrundlagen unter dem Einfluss des globalen Wandels langfristig zu sichern. Das UFZ beschäftigt an den Standorten Leipzig, Halle und Magdeburg über 1.000 Mitarbeiter. Es wird vom Bund sowie von Sachsen und Sachsen-Anhalt finanziert.

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