Pressemitteilung vom 27. April 2012

Globale Pandemie versetzt Amphibien in Not - Wissenschaftler bitten Bergwanderer um Mithilfe

SAVE-The-Frog-DAY am 28. April / Wissenschaftler bitten Bergwanderer um Mithilfe

Leipzig. Batrachochytrium dendrobatidis (Bd) ist ein mikroskopisch kleiner Hautpilz, der sich mittlerweile weltweit verbreitet hat, Amphibien Populationen befällt und dabei die Krankheit Chytridiomykose auslöst. Der Pilz, bzw. die Krankheit führt weltweit zu Massensterben, Populationsrückgängen und dem Aussterben von Amphibienarten. Inzwischen ist bekannt, dass Bd auch in Europa angekommen ist und vor allem die Amphibien in den Alpen und die Pyrenäen befallen hat. Untersuchungen von Wissenschaftlern und Naturschützern haben gezeigt, dass die Chytridiomykose in den Pyrenäen Massensterben bei der Geburtshelferkröte ausgelöst hat.

Männchen der Geburtshelferkröte (Alytes obstetricians) mit Eiern

Männchen der Geburtshelferkröte (Alytes obstetricians) mit Eiern
Foto: Dr. Dirk Schmeller/CNRS

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Lizenz: CC BY 3.0

Die Krankheit Chytridiomykose wurde in Europa zum ersten Mal in Spanien entdeckt. Dort konnte der Biologe Jaime Bosch 1999 feststellen, dass die Krankheit ursächlich ist für den Rückgang von Population der Geburtshelferkröte und des Feuersalamanders. Schon 2005 wurde Bd in mehr als 20 Arten in 5 Ländern nachgewiesen (England, Italien, Portugal, Spanien und Schweiz). Zur Ausbreitung der Krankheit kann auch der Handel mit invasiven exotischen Arten beigetragen. „Dazu gehört zum Beispiel der Nordamerikanische Ochsenfrosch (Lithobates catesbeianus), der mittlerweile in weiten Teilen Europas etablierte Populationen aufweist und den Pilz potentiell in noch nicht infizierte Amphibienpopulationen verschleppen kann“, erklärt Dr. Mark Auliya vom UFZ. Es stellt sich nun die Frage, ob unsere Teiche und Seen in Bergen bald keine Amphibien mehr beherbergen und wir kein Froschquarken mehr hören werden in der Zukunft.

Zurzeit sieht es so aus, dass die Krankheit sich besonders in Regionen, die bei Wanderern populär sind, ausbreitet. Aber mit einem mikroskopischen Organismus ist es immer schwierig, die genaue Infektionsquelle zu finden. Warum diese Krankheit sich so schnell ausbreiten kann ist immer noch wenig verstanden. Deshalb hat sich ein internationales Forscherteam im Projekt RACE (www.bd-maps.eu) zusammengefunden. Überall in der Welt, auch in Europa, sind Amphibien bedroht: Von den 85 europäischen Amphibienarten haben 60 Prozent zurückgehende Populationsgrößen und –zahlen, und 64 dieser Arten kommen nur in Europa vor. Europa hat für diese Arten also eine besondere Verantwortung, besonders weil viele dieser Arten in der Roten Liste der IUCN als bedroht oder fast bedroht eingestuft werden. Bei dieser Verantwortung will das Projekt RACE helfen.

Die Wissenschaftler bitten daher alle Naturfreunde, Touristen, Bergwanderer um ihre Mithilfe bei einer Umfrage:
„Und Sie können uns helfen! Es gibt z.Z. wenige Möglichkeiten Bd in der Natur zu bekämpfen und in vielen Fällen sind nur Präventivmaßnahmen möglich, die weitere Verbreitung einzudämmen und unsere Amphibien zu schützen. In Bergregionen können Wanderer, Spaziergänger, Naturalisten und Einwohner helfen. Ein paar wenige und einfache Gesten können die Verbreitung verlangsamen, aber sind Sie bereit Ihr Verhalten zu ändern? Wir Wissenschaftler sind deshalb auch darauf angewiesen, die Mechanismen der Ausbreitung besser zu verstehen. Um uns in diesem Unterfangen zu helfen, sammeln wir Informationen zu Ihrem Wanderverhalten und Einstellung bzgl. möglicher Naturschutzmaßnahmen, um die Ausbreitung des Pilzes und das Amphibiensterben zu stoppen. Diese Umfrage wird RACE helfen, die besten Naturschutzmaßnahmen zu erarbeiten und an die Öffentlichkeit anzupassen. Der Fragebogen wird Sie etwa 15 Minuten kosten, aber Ihre Antworten sind von extrem hohem Interesse für uns. Bitte helfen Sie uns, in dem Sie ehrlich und offen antworten“, so die Wissenschaftler des RACE-Projektes.

Die Umfrage ist online unter:
www.bd-maps.eu/survey/?lang=de

Bisher sind bei den Wissenschaftlern 1089 Rückmeldungen eingegangen. Darunter sind 486 Frauen und 594 Männer von 26 Ländern. 80 Prozent kommen aus Frankreich. Wesentlich weniger liegen dagegen aus anderen Ländern vor: 40 Rückmeldungen aus Deutschland (3.8%), 30 aus UK (2.8%) und 29 aus Belgien (2.7%). Um eine repräsentative Umfrage für ganz Europa zu haben, sind Rückmeldungen besonders aus dem deutschsprachigen Raum sehr wichtig.
von Dirk Schmeller/Tilo Arnhold

Weitere Informationen

PD Dr. Klaus Henle, Dr. Dirk Schmeller, Dr. Mark Auliya
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)
Tel. 0341-235-1270, -1646
PD Dr. Klaus Henle
Dr. Mark Auliya

Dr. Dirk Schmeller
Station d’Ecologie Expérimentale du CNRS à Moulis (Frankreich)
Tel.: +33 5 61 04 03 73
dirk.die-schmellers.de
Dr. Dirk Schmeller

Dr. Matthew Fisher, Projektkoordinator RACE
Imperial College London
Dr. Matthew Fisher

Tilo Arnhold (UFZ-Pressestelle)
Telefon: 0341-235-1635
presse@ufz.de

Weitere Links

Save The Frogs Day - April 28th, 2012
www.savethefrogs.com/day

RACE - Risk Assessment of Chytridiomycosis to European Amphibian Biodiversity

Chytridpilz bedroht Amphibien in höheren Lagen offenbar stärker - Erste Ergebnisse aus dem EU-Projekt RACE (Pressemitteilung vom 14. April 2010)
www.ufz.de/index.php?de=19544

RACE in Froglog
www.amphibians.org/wp-content/uploads/2012/03/FrogLog101.pdf

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