Pressemitteilung vom 28. März 2012

Wie Europas am stärksten gefährdete Schmetterlinge gerettet werden könnten

Sofia/ Halle/Saale. Weiden und Wälder sollten aktiv gepflegt und so vielfältig wie möglich gestaltet werden, um Europas am stärksten gefährdete Tagfalter vor dem Aussterben zu bewahren. Diese und weitere Empfehlungen für 29 bedrohte Schmetterlingsarten, die in der EU-FFH-Richtlinie gelistet sind und die daher von jedem EU-Mitgliedsland geschützt werden müssen, hat ein Team von Wissenschaftlern unter Leitung der „Butterfly Conservation Europe“ veröffentlicht. Der neue Fachbeitrag liefert wichtige Informationen darüber, wie dieses Ziel als Beitrag zu den internationalen Biodiversitätszielen erreicht werden kann.

Thymian-Ameisenbläuling (Phengaris arion)

Der Thymian-Ameisenbläuling (Phengaris arion) ist eine weltweit gefährdete Art, die in ganz Europa rasch zurückgeht. Er braucht die extensive Beweidung seiner Wiesenlebensräume, in denen die spezielle Ameisenart, die seine Raupen über einen Großteil des Jahres in ihren Nestern ernährt, in ausreichender Dichte vorkommen. In Großbritannien ist die Art im Jahr 1979 bereits ausgestorben, wurde aber inzwischen nach der Wiederherstellung von Lebensräumen und Wiedereinführung geeigneter Beweidungsformen wieder erfolgreich angesiedelt. Auch in Deutschland ist sie in mehreren nördlichen Bundesländern bereits ausgestorben.
Foto: Chris van Swaay

Skabiosen-Scheckenfalter (Euphydryas aurinia)

Der Skabiosen-Scheckenfalter (Euphydryas aurinia) geht in ganz Europa zurück. In Deutschland war die Art früher weit verbreitet, ist aber inzwischen in vielen Regionen ausgestorben, insbesondere im Flachland. Die Hauptgefahr droht durch Überweidung oder Mähen der Flachlandgrasländer. Er bevorzugt ausgedehnte Viehweiden mit Grasbüscheln, in denen seine wichtigste Futterpflanze, der Gewöhnliche Teufelsabbiss (Succisa pratensis), und seine Raupen überleben können.
Foto: Chris van Swaay

Der Beitrag mit dem Titel "Was man tun und nicht tun sollte für die Schmetterlinge der FFH-Richtlinie der Europäischen Union" wurde jetzt in der neuen Open-Access-Zeitschrift Nature Conservation veröffentlicht. Er enthält eine detaillierte Aufstellung der einzelnen Arten, deren Lebensraum und Nahrungspflanzen sowie eine Liste von positiven und negativen Maßnahmen bei der Bewirtschaftung ihrer Lebensräume.

„Schmetterlinge sind empfindliche Indikatoren für Umweltprobleme und die Bedrohung von Arten, da sie sehr schnell auf Veränderungen ihres Lebensraumes reagieren. Das Management von Schmetterlingen wird dazu beitragen, das Überleben einer breiten Palette von anderen Insekten zu ermöglichen, die mit drei Viertel der gesamten Artenvielfalt das Fundament der biologischen Vielfalt in Europa bilden“, sagt Dr. Martin Wiemers vom UFZ, einer der Koautoren. Die Richtlinien helfen sicherzustellen, dass die europäischen Lebensräume in einer nachhaltigen Art und Weise bewirtschaftet werden, die das Überleben von Menschen, Tieren und Pflanzen unterstützt.

„Die Nutzung von Lebensräumen in der richtigen Art und Weise ist das größte Problem für das Überleben der europäischen Schmetterlinge. Es ist das erste Mal, dass praktische Informationen zur Lösung dieses Problems angemessen zusammengetragen und aufgearbeitet wurden. Wir hoffen, dass unsere Empfehlungen in ganz Europa aufgegriffen werden, um diese schönen Arten vor dem Aussterben zu retten", sagte der federführende Autor, Chris van Swaay der niederländischen Gesellschaft für den Schutz von Schmetterlingen („De Vlinderstichting“).

"Der Verlust an Biodiversität ist eines der wichtigsten Themen für die Zukunft unseres Planeten. Unsere neue Open Access Zeitschrift Nature Conservation soll die wissenschaftlichen Informationen frei verfügbar zu machen, die zur Erhaltung der Natur beitragen. Die Zeitschrift zielt insbesondere darauf, den Informationsfluss zwischen Wissenschaftlern und Praktikern zu verbessern. Eines unserer wichtigsten Ziele ist es, Synergien zwischen Wissenschaft, Politik und Behörden zu unterstützen", sagt Dr. Klaus Henle vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ), der die neue Zeitschrift in Zusammenarbeit mit Ljubomir Penev von Pensoft (Bulgarien) im Rahmen des vom UFZ koordinierten EU-FP7-Projektes „SCALES“ etabliert hat.

Publikation

van Swaay C, Collins C, Dušej G, Maes D, Munguira ML, Rakosy L, Ryrholm N, Šašić M, Settele J, Thomas JA, Verovnik R, Verstrael T, Warren M, Wiemers M, Wynhoff I (2012):
Dos and Don'ts for butterflies of the Habitats Directive of the European Union. Nature Conservation 1: 73–153. http://dx.doi.org/10.3897/natureconservation.1.2786
Die Untersuchungen wurden u.a. von der EU über die Projekte ALARM, SCALES und CLIMIT sowie nationale Institutionen gefördert.

Weitere fachliche Informationen

Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)
Dr. Martin Wiemers
martin.wiemers@ufz.de

PD Dr. Josef Settele
PD Dr. Josef Settele

PD Dr. Klaus Henle
Telefon: 0341-235-1270
PD Dr. Klaus Henle

oder über

Tilo Arnhold (UFZ-Pressestelle)
Telefon: 0341-235-1635
presse@ufz.de

Butterfly Conservation Europe / Dutch Butterfly Conservation
Chris van Swaay (chris.vanswaay@vlinderstichting.nl)
Chris van Swaay
Chris van Swaay - Twitter

Pensoft Sofia
Dr. Ljubomir Penev
www.pensoft.net/contact_us.php

Weiterführende Links

Nature Conservation - a new open-access, peer-reviewed, interdisciplinary journal launched (Pressemitteilung vom 16.03.2012):
www.eurekalert.org/pub_releases/2012-03/pp-nc031612.php

Vögel und Schmetterlinge "flattern" dem Klimawandel hinterher (Pressemitteilung vom 9. Januar 2012)
www.ufz.de/index.php?de=30100

Alarm für seltene Schmetterlinge in Europa (Pressemitteilung vom 5. Oktober 2011)
www.ufz.de/index.php?de=22156

Ein Drittel der Schmetterlinge Europas gefährdet (Pressemitteilung vom 18. März 2010)
www.ufz.de/index.php?de=19465

Butterfly Conservation Europe ist ein Dachverband, der sich zum Ziel gesetzt hat, den Rückgang der Schmetterlinge und ihrer Lebensräume in ganz Europa aufzuhalten und das weitere Artensterben zu verhindern. Er konzentriert sich darauf, die Umsetzung der UN-Konvention zur biologischen Vielfalt in Bezug auf den Schutz von Schmetterlingen und deren Lebensräume zu unterstützen und damit einen Beitrag zum EU-Ziel zu leisten, den Verlust an biologischer Vielfalt zu bremsen.

Im Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) erforschen Wissenschaftler die Ursachen und Folgen der weit reichenden Veränderungen der Umwelt. Sie befassen sich mit Wasserressourcen, biologischer Vielfalt, den Folgen des Klimawandels und Anpassungsmöglichkeiten, Umwelt- und Biotechnologien, Bioenergie, dem Verhalten von Chemikalien in der Umwelt, ihrer Wirkung auf die Gesundheit, Modellierung und sozialwissenschaftlichen Fragestellungen. Ihr Leitmotiv: Unsere Forschung dient der nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen und hilft, diese Lebensgrundlagen unter dem Einfluss des globalen Wandels langfristig zu sichern. Das UFZ beschäftigt an den Standorten Leipzig, Halle und Magdeburg über 1.000 Mitarbeiter. Es wird vom Bund sowie von Sachsen und Sachsen-Anhalt finanziert.

Die Helmholtz-Gemeinschaft leistet Beiträge zur Lösung großer und drängender Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft durch wissenschaftliche Spitzenleistungen in sechs Forschungsbereichen: Energie, Erde und Umwelt, Gesundheit, Schlüsseltechnologien, Struktur der Materie, Verkehr und Weltraum. Die Helmholtz-Gemeinschaft ist mit über 31.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in 18 Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 3,4 Milliarden Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands. Ihre Arbeit steht in der Tradition des Naturforschers Hermann von Helmholtz (1821-1894).

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