Dr. Marion Höhn
Helmholtz Zentrum für Umweltforschung UFZ
Department Naturschutzforschung
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Naturschutzgenetik von Vertebraten
Trotz zahlreicher Anstrengungen durch die internationale Naturschutzforschung verläuft der Verlust biologischer Vielfalt rasant. Neben dem direkten Lebensraumverlust und der schleichenden Verschlechterung der Habitatqualität ist ein weiterer Grund für diesen Verlust die Fragmentierung (=Verinselung) der verbleibenden Resthabitate. Ein wichtiger Gesichtspunkt für das Überleben von Arten in fragmentierten Habitaten ist die Fähigkeit zur Ausbreitung und zur Überwindung der entsprechenden Barrieren.
Um Arten bei der Sicherung von Naturschutzgebieten oder bei Eingriffsregelungen entsprechend berücksichtigen zu können, benötigen Naturschutzbehörden daher Informationen zur Abundanz, Populationsgröße und Demographie, aber auch zu den Ausbreitungsfähigkeiten der jeweiligen Art. Die direkte Schätzung dieser Parameter kann allerdings problematisch sein, wenn das Fangen der Tiere schwierig und invasive ist. Beispielsweise stellt die Schätzung von Austauschraten trotz verfeinerter Arbeitstechniken nach wie vor ein nicht zufrieden stellend gelöstes Problem dar. Der methodische Aufwand ist sehr hoch, besonders wenn die Mobilität der Art gering oder die Art trotz moderner Technik schwer direkt zu beobachten ist.
In diesem Zusammenhang bietet die Anwendung genetischer Methoden (Mikrosatelliten) ein geeignetes Werkzeug, um Information über die Austauschraten zwischen den Fragmenten zu erhalten. Der Vorteil dieser indirekten Messung des Genflusses liegt darin, dass nur solche Migrationen geschätzt werden, die auch zum reproduktiven Erfolg führen. Neben der klassischen Genfluss-Messung, können genetische Methoden jedoch auch dazu beitragen, andere demographische Parameter zu messen. Beispielsweise erlauben es neuere Entwicklungen, Populationsgrößen mittels Fang-Wiederfang von Kotproben zu schätzen ohne dass dabei die Individuen gefangen werden müssen.





