Klimaforschung und Governance

Die Zunahme der Häufigkeit und Intensität von Extremereignissen wie Hochwasser, Dürren und Hitzewellen stellen die Politik vor besondere, kaum weniger große Herausforderungen als die Verminderung des weltweiten Ausstoßes von Treibhausgasen:

  • Wissenschaftliche Aussagen über das Ausmaß und die Eintrittswahrscheinlichkeit von Klimafolgen und deren Wechselwirkungen mit anderen Ökosystemen wie Biodiversität sind mit hohen Unsicherheiten behaftet.
  • Viele Sektoren sind in sehr unterschiedlichem Ausmaß von Klimafolgen betroffen, weshalb sich die Anpassung als eine äußerst heterogene, stark sektorenspezifisch geprägte Herausforderung darstellt.
  • Gleichzeitig verbinden sich diese sektoralen Herausforderungen zu einer komplexen Querschnittsaufgabe, da sie vielfältige Überschneidungen, Wechselbezüge und Synergiepotentiale aufweisen und daher in vieler Hinsicht nach Möglichkeit durch eine kohärente, abgestimmte Anpassungspolitik adressiert werden sollten.
Hochwasser August 2002 - Überflutete Mulde am Restloch Rösa

Hochwasser August 2002.
Unter anderem untersuchen Wissenschaftler, wie die Erfordernisse des Klimaschutzes und der Klimaanpassung wirksam in die jeweiligen Politikbereiche intergriert werden können, wie hier am Beispiel der überfluteten Mulde am Restloch Rösa.
Foto: André Künzelmann/UFZ

Initiative des PEER-Netzwerks

Um auf diese Herausforderungen angemessen zu reagieren, haben die im PEER-Netzwerk (Partnership for European Environmental Research) zusammengeschlossenen europäischen Umweltforschungszentren auf der Nachhaltigkeitskonferenz im Mai 2007 in Leipzig beschlossen, ihre Kapazitäten und Forschungsaktivitäten zu bündeln. Der PEER-Verbund, in dem Zentren aus den Niederlanden, Großbritannien, Frankreich, Dänemark, Finnland und Deutschland sowie die Gemeinsame Forschungsstelle der Europäischen Kommission zusammen arbeiten (www.peer-environment.eu), startete dort eine gemeinsame Initiative, um innovative Ansätze zur Bekämpfung der globalen Erwärmung und zur Anpassung an den Klimawandel zu entwickeln und Entscheidungsträgern in Politik, Wirtschaft und der Öffentlichkeit zu vermitteln (download).

 
 

Klimaforschung und Governance am UFZ

Liste der Projekte

 

Titel:

Rechtlicher Handlungsbedarf für die Anpassung an die Folgen des Klimawandels

Analyse, Weiter- und Neuentwicklung rechtlicher Instrumente (UBA-Forschungsvorhaben)

Department:

Umwelt- und Planungsrecht

Ansprechperson:

Dr. Stefan Möckel, Dr. Moritz Reese
stefan.moeckel@ufz.de | moritz.reese@ufz.de

Abstract:

Das Projekt setzt seine Schwerpunkte in der Analyse des Wasserrechts einschließlich des Hochwasserschutzrechts, des Bodenschutzrechts, des Industrieanlagenzulassungsrechts, des Bauleitplanungs- und Raumordnungsrechts sowie des UVP-Rechts.

Link:

 

Titel:

Comparison of the National Climate Change Adaptation Strategies (PEER)

Department:

Umwelt- und Planungsrecht

Ansprechperson:

Prof. Dr. Wolfgang Köck, Dr. Moritz Reese
wolfgang.koeck@ufz.de | moritz.reese@ufz.de

Abstract:

Das Projekt untersucht die nationalen Anpassungsstrategien und Strategiebildungsprozesse vergleichend darauf, wie sie den zentralen bereichsübergreifenden politischen Herausforderungen der Anpassung an den Klimawandel begegnen. Namentlich konzentriert sich die Untersuchung auf die folgenden zentralen Herausforderungen einer nationalen Anpassungspolitik:

  1. Wesentliche Triebkräfte der Anpassung und Strategiebildung;
  2. Wechselseitige Aktivierung und Kommunikation zwischen Forschung und Politik;
  3. Strategien und Instrumente der Wissens- und Dringlichkeits-vermittlung;
  4. Aufgabenverteilung zwischen europäischer, nationaler und örtlicher Handlungsebene;
  5. Strategien und Instrumente der Aktivierung und Koordinierung von Sektorpolitiken;
  6. Strategien und Instrumente des Monitoring, der Revision und des Vollzugs.

Im Rahmen der vergleichenden Analyse wird besonderes Augenmerk auf solche Unterschiede in den nationalen Ansätzen herausgearbeitet, die für die Wirksamkeit und Effizienz der Strategien voraussichtlich von größerer Bedeutung sein werden. Zugleich wird - mit der zum gegenwärtigen Zeitpunkt gebotenen Behutsamkeit - versucht, erste Kriterien und Beispiele für erfolgversprechende Strategieelemente herauszufiltern, die den weiteren Prozess der Strategieentwicklung, -verfeinerung und Umsetzung unterstützen können.

Ergebnisse des Projekts

 

Titel:

Climate Policy Integration, Coherence and Governance (PEER)

Departments:

Stadt- und Umweltsoziologie, Ökonomie

Ansprechpersonen:

Prof. Dr. Christoph Goerg, Dr. Silke Beck, Dipl. Geograph Christian Kuhlicke
christoph.goerg@ufz.de | silke.beck@ufz.de | christian.kuhlicke@ufz.de

Abstract:

Das Projekt widmet sich speziell der Herausforderung der horizontalen und vertikalen Politikintegration. Untersucht wird, wie die Erfordernisse des Klimaschutzes und der Klimaanpassung wirksam in den verantwortlichen Politikbereichen (Energie-, Verkehrs-, und Infrastrukturpolitik, Technologie- und Innovationspolitik, Wasserwirtschaft, Hochwasserschutz, Landwirtschaft) integriert werden können und wie die jeweiligen Politikbereiche kohärent und effizient zu koordinieren sind. Ziel dieses Projektes ist es, in 8 europäischen Ländern aus vergleichender Perspektive systematisch folgende Aspekte zu erfassen:

  • Den Grad der Inklusion und Kohärenz bestehender Klimapolitiken zu bestimmen und mögliche Wechselwirkungen und Synergien zwischen den Politikfeldern und Ansätze zu identifizieren, die geeignet sind, Konflikte (Bsp. Hochwasserschutz versus Trinkwasservorsorgung) zu vermeiden und Synergien (Bsp. Energieeffizienz und Produktionskostenersparnisse) zu verwirklichen.
  • Wege zur effektiven und effizienten Koordinierung auch aus der Perspektive der betroffenen Entscheidungsträger vor Ort am Beispiel der Hochwasserereignisse von 2002 an Mulde zu bestimmen.

Aus vergleichender Perspektive wird angestrebt, bedeutsame Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den nationalen Politiken aufzuzeigen und best practices zu entwickeln.

Ergebnisse des Projektes

    Stand der Politikintegration im europäischen Vergleich
  • 2007 - "Gunst der Stunde"
  • Hohe Priorität auf der programmatischen Ebene
  • Klimapolitische Ziele breiter (Sektoren, Ebenen) integriert
  • Deutschland:
    • Integriertes Energie- und Klimaprogramm: effektive Integration von klimapolitischen Zielen in sektorale Politiken
    • Anspruchsvolle Ziele werden mit weitreichenden Maßnahmen komplementiert
    • Flankiert durch Technologie- und Innovationspolitiken - schafft neue Handlungspotenziale und Optionen

Probleme:

  • Umsetzung in rechtlich verbindliche Maßnahmen und Instrumente (Beispiel: KFZ-Steuer)
  • Compliance und Enforcement: Umsetzung von politischen Entscheidungen in Sektoren
  • Politikintegration kann alte Konflikte wiedereröffnen oder neue Kontroversen auslösen (Landnutzung, Kernenergie)

Erfolgreiche Politikintegration erfordert:

  • Umsetzung von klimapolitischen Zielen in spezifische Instrumente;
  • Anerkennung des multi-level governance-Charakters;
  • Verfahren und Kapazitäten zur legitimen Konfliktbewältigung;
  • Systematische Evaluation und Assessment von Klimafolgen und Politik

Schlußfolgerungen:

  • Bedarf an Integration, Koordination und Abstimmung steigt (Post-Kyoto-Architektur)
  • Kohärenz von Vermeidung und Anpassung
  • Abstimmung von Klimapolitik und anderen Politikfeldern
  • Pluralität und Diversität von Ansätzen und Instrumenten
  • Diversifizierung von Sektoren, Akteuren und Ebenen (multi-level governance)

Fokus auf Feedback und Kohärenz zwischen politischen Maßnahmen und Instrumenten, um

  • nicht-intendierte und dysfunktionale Folgen, Trade offs und Konflikte zu minimieren und
  • Win-win-Situationen und Synergien zu maximieren

Bedarf an ex-ante und ex-post monitoring, assessment und Evaluation steigt

  • Effektive und systematische Nutzung von vorhandenen Instrumenten (SIA, EIA, RIA)
  • Abstimmung und Synthese - "Integrated" Assessment/ Evaluation
  • Effektive Integration und Umsetzung in politische Entscheidungsfindung (Rückkopplung, Lernen und reflexive. Governance)

Bericht

Climate Integration, Coherence, and Governance in Germany

 
 

Titel:

Partizipation, Akzeptanz und Regionale Governance (PARG)
BMBF-"KLIMZUG - KLIMawandel in Regionen ZUkunftsfähig Gestalten"

Department:

Stadt- und Umweltsoziologie

Ansprechperson:

Prof. Dr. Christoph Görg (Leitung), Dr. Sybille Bauriedl (Projektbearbeitung)
christoph.goerg@ufz.de | bauriedl@uni-kassel.de

Link:

Abstract:

Mit Fragen der regionalen Anpassung an den Klimawandel beschäftigt sich das Forschungsprojekt PARG (Partizipation, Akzeptanz und Regionale Governance), welches im Rahmen des Forschungsverbunds KLIMZUG-Nordhessen angesiedelt ist. Ziel ist die Unterstützung von Modellregionen im Rahmen der Fördermaßnahme "KLIMZUG - KLIMawandel in Regionen ZUkunftsfähig Gestalten" des BMBF. Das UFZ ist im Rahmen des Kooperationsabkommens mit der Universität Kassel in dieses Vorhaben involviert.

Fragestellung:

Die verschiedenen Regionen in Deutschland müssen sich in den kommenden Jahrzehnten auf die möglichen Auswirkungen des Klimawandels einstellen, wobei auf Küstengebiete andere Herausforderungen zukommen als auf Mittelgebirgsregionen. Mit der neuen Fördermaßnahme des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) werden im Förderzeitraum von fünf Jahren ausgewählte Modellregionen dabei unterstützt, die dafür notwendigen Vorraussetzungen zu schaffen. Die Fördermaßnahme KLIMZUG ist Teil der Hightech-Strategie zum Klimaschutz der Bundesregierung und ist mit insgesamt 75 Millionen Euro ausgestattet.
KLIMZUG-Nordhessen will in enger Kooperation zwischen Forschung, Wirtschaft, Verwaltung und Gesellschaft Klimaanpassungsstrategien für eine Mittelgebirgsregion entwickeln und umsetzen. Im Rahmen eines Klimaanpassungsnetzwerks werden für die Bereiche Land-, Forst-, Wasserwirtschaft, Transport, Tourismus, Bildung, Gesundheitsvorsorge und Energie eine gemeinsame Sicht auf die Herausforderungen entwickelt und praxisgerechte Lösungen für Entscheidungsträger und Akteure erarbeitet.

Das Teilprojekt PARG beschäftigt sich mit der gesellschaftlichen Umsetzung von Klimaanpassungsmaßnahmen und der Entwicklung einer umfassenden Governancestrategie für die Region Nordhessen. Im Zentrum stehen dabei Fragen der Bearbeitung möglicherweise auftretender Konflikte sowie der öffentlichen Kommunikation von Anpassungsmaßnahmen, u.a. im Hinblick auf ihre Akzeptanz in der Bevölkerung und auf Gerechtigkeitsaspekte.

Interessen- bzw. Bevölkerungsgruppen werden von den sich abzeichnenden Klimaänderungen unterschiedlich betroffen sein. Die soziale Verwundbarkeit (Vulnerabilität) ergibt sich sowohl aus den regionalen Folgen des Klimawandels (z.B. niedrigere Sommerniederschläge und Extremwetterereignisse) als auch aus den sozialen, politischen und ökonomischen Reaktionsmöglichkeiten auf diese Veränderungen. Die Anpassungskapazitäten variieren nicht nur zwischen Wirtschaftssektoren (z.B. Landwirtschaft und Transportsektor), sondern auch innerhalb einzelner Wirtschaftszweige (z.B. Winter- und Sommertourismus) bzw. den Betroffenengruppen (z.B. Altersgruppen mit unterschiedlichem Einkommen). Bei der Umsetzung von Anpassungsmaßnahmen werden daher Ziel- und Interessenskonflikte unvermeidbar sein. Das Teilprojekt wird dazu beitragen diese (potenziellen) Konflikte zu erkennen, deren Folgen frühzeitig abzuschätzen und Strategien zu ihrer Bearbeitung zu entwickeln.

Im Hinblick auf das Ausmaß von Klimaänderungen, deren regionale Auswirkungen sowie die zeitliche Dringlichkeit von Anpassungsmaßnahmen existieren hohe Unsicherheiten. Maßnahmen, die mit gut etablierten Interessen kollidieren, werden daher umso schwerer zu begründen und umzusetzen sein. Vor diesem Hintergrund ist es eine Herausforderung, für einzelne Sektoren, Teilregionen oder die Region als Ganze verbindliche Anpassungsstrategien zu entwickeln, die als notwendig bzw. angemessen angesehen werden und auf breite Akzeptanz stoßen. Das Teilprojekt wird durch eine Stärkung partizipativer Elemente zu einer Entschärfung von Zielkonflikten beitragen und auf diese Weise die Akzeptanz der Einzelmaßnahmen erhöhen.

Nordhessen dient als Modellregion, für die eine geeignete Governanceformation zur Klimaanpassung zusammen mit regionalen Akteuren erarbeitet werden soll. Aus den spezifischen Bedingungen einer regionalen Gesamtstrategie für Nordhessen sollen verallgemeinerbare Schlussfolgerungen für eine regionale Governance von Klimaanpassungmaßnahmen gezogen werden. Durch einen Vergleich unterschiedlicher Konfliktfelder und unterschiedlicher Governancestrategien soll die Anpassungsdynamik der Region erfasst und abschließend in regionalen Zukunftsszenarien "Nordhessen 2030" zusammengefasst werden.