Der Pilot 2006 Environmental Performance Index

Bewertung aus deutscher Sicht und Vergleich mit anderen Instrumenten zur Bewertung von Umweltpolitik

Bearbeitung: Dr. Carsten Neßhöver
Kooperationen:

Förderung durch: Deutsche Bundestiftung Umwelt
Projektlaufzeit: Mai 2006 bis November 2006

Projektbeschreibung

Mit dem "Pilot 2006 Environmental Performance Index" (EPI) wurde im Januar 2006 ein Index vorgestellt, der versucht, anhand von 16 Indikatoren die Umweltpolitik von Nationalstaaten in verschiedenen Feldern zu ver-gleichen und daraus eine Einschätzung der gegenwärtigen Umweltqualität abzuleiten. Deutschland schneidet in dieser Bewertung mit Platz 22 unter den 133 berücksichtigten Ländern und Platz 19 von 29 der OECD-Staaten vergleichsweise schlecht ab.

Landschaft

Ziel des Forschungsvorhabens war es, die Zielsetzung, Methodik und die Ergebnisse des EPI unter verschiedenen Gesichtspunkten zu analysieren und Schlussfolgerungen im Hinblick auf die Aussagekraft des EPI und anderer vergleichbarer Indikatorsysteme für die deutsche Umweltforschung- und politik zu ziehen.

Ergebnisse und Diskussion

Die vorgenommene Analyse des EPI kommt zu dem Schluss, dass die vorliegende Form des Indexes sowie seine Diskussion in der Pilot 2006 EPI Studie nur sehr eingeschränkt dafür geeignet ist, um den selbst formulierten Zielen der EPI-Autoren gerecht zu werden. So weist der Pilot EPI in seiner aktuellen Konstruktion noch erhebliche Defizite auf. Neben Problemen, mit denen solche globalen Indices allgemein zu kämpfen haben wie einer unzureichenden Datenlage und damit einer eingeschränkten Indikatorauswahl, wird etwa auch der konzeptionelle Rahmen des EPI nicht hinreichend deutlich. Positiv ist hier allerdings der innovative Ansatz, die Indikatoren mit konkreten, wenn möglich bereits politisch festgelegten Zielen zu versehen, um somit die Performance einzelner Länder direkt durch den Grad ihrer Erreichung dieser Ziele zu messen. Auch hier sind aber konzeptionell Verbesserungen möglich.
In der Diskussion der EPI-Ergebnisse in der Pilot 2006 Studie wird das Ergebnis des EPI ferner allzu leicht mit anderen globalen Indices etwa zur Wettbewerbsfähigkeit in Beziehung gesetzt und daraus Schlussfolgerungen gezogen, die nicht ohne weiteres akzeptiert werden können. Dies täuscht, wenn auch stets vorsichtig formuliert, eine Aussagekraft des EPI vor, deie er in seiner aktuellen Form nicht hat.

Am Beispiel der deutschen Ergebnisse zeigt unsere Analyse, dass die Ergebnisse einzelner Länder stark von einzelnen Indikatoren abhängen können. Aufgrund von Dateninkonsistenzen kann dies zu Fehleinschätzungen im Ranking, aber auch bei der Identifikation von länderspezifisch relevanten Politikfeldern führen.
Der Vergleich mit anderen globalen Indices zu Umweltaspekten wie den Ökologischen Fußabdruck, dem Environmental Vulnerability Index (EVI) und den Environmental Sustainability Index (ESI) zeigt, dass solche zusammengesetzten Indikatoren aufgrund unterschiedlicher Methodiken und Datengrundlagen häufig zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen kommen, was die Einschätzung einer wirklichen Leitfunktion durch sie erschwert. Es zeigt sich vielmehr, auch unter dem Gesichtspunkt der möglichen Überbewertung einzelner Indikatorergebnisse, dass nur eine getrennte Betrachtung von Indikatorensets und qualitativen, den Länderkontext berücksichtigenden Analysen, eine solche Leitfunktion evtl. erfüllen können. Beispiele sind hier die Indikatorensets und Berichte der OECD und der Europäischen Umweltagentur (EEA).

Veröffentlichung der Ergebnisse:
Neßhöver, C.; Berghöfer, A. & Beck, S. (2007): Weltranglisten als Bewertungsinstrumente der Umweltpolitik - Eine Einschätzung des Environmental Performance Index.- Metropolis-Verlag, Marburg.- 120 S.

Weitere Informationen

Aktuelle Publikationen

Das Ende der Nacht

Das Ende der Nacht: Lichtsmog: Gefahren - Perspektiven - Lösungen, 2nd Edition, Thomas Posch (Editor), Franz Hölker (Editor), Thomas Uhlmann (Editor), Anja Freyhoff (Editor), ISBN: 978-3-527-41179-5

Naturschutz Sachsen-Anhalt

Fisheries and Fish-eating Vertebrates as a Model Case
Series: Environmental Science and Engineering
Subseries: Environmental Science
Klenke, R.A.; Ring, I.; Kranz, A.; Jepsen, N.; Rauschmayer, F.; Henle, K. (Eds.)
2013, XIV, 347 p. 64 illus., 36 in color.

http://www.sciencemag.org/content/331/6021/1139.summary

Carsten Neßhöver zeigt anhand von Fallbeispielen und wissenschaftlichen Fakten auf, warum Biodiversität unsere wertvollste Ressource ist - und was wir tun müssen, um sie zu schützen. Verlag Herder, 208 Seiten, kartoniert, ISBN 978-3-451-06598-9, €9,99

PRESS report 2011

Nie zuvor wurde die Vielfalt des Lebens so anschaulich und zugleich mit so viel Fachwissen dargestellt wie in diesem Buch. Die besten Biodiversitätsforscher Deutschlands erklären dem Leser das Was, Wie und Warum der Biodiversität in diesem unterhaltsamen Lesebuch.
2012. XV, 246 Pages, Hardcover, ISBN 978-3-527-33212-0 - Wiley-VCH, €24.90

JAX, K. (Ed.)(2010): Ecosystem functioning Cambridge Univ. Press, Cambridge, 272 S.

JAX, K. (2010): Ecosystem functioning. Cambridge University Press, Cambridge, 272 S.

BIODIVERSITY AND CONSERVATION Volume 20, Number 5, 1057-1072, DOI: 10.1007/s10531-011-0015-2

Effects of species turnover on reserve site selection in a fragmented landscape - Birgit Felinks, Renata Pardini, Marianna Dixo, Klaus Follner, Jean P. Metzger und Klaus Henle

BRECKLING, B., PE'ER, G. & Y.G. MATSINOS (2011). Cellular Automata in Ecological Modelling. In: JOPP, F., REUTER, H., BRECKLING, B. (Eds.): Modelling Complex Ecological Dynamics.  Springer: 105-117.

BRECKLING, B., PE'ER, G. & Y.G. MATSINOS (2011). Cellular Automata in Ecological Modelling. In: JOPP, F., REUTER, H., BRECKLING, B. (Eds.): Modelling Complex Ecological Dynamics. Springer: 105-117.