Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig

WILLKOMMEN

Gedenkstaette Zwangsarbeit Leipzig

auf den Seiten der Leipziger Gedenkstätte zur Erinnerung an die Zwangsarbeit während der Zeit des Nationalsozialismus.

Am authentischen Ort, auf dem Gelände des früheren Rüstungsbetriebes HASAG, informieren wir mit einer Dauerausstellung über Hintergründe und Zustände der Zwangsarbeit, vor allem in der Region Leipzig.

Wir stehen außerdem als Anlaufstelle für ehemalige Zwangsarbeiter_innen
zur Verfügung, erforschen noch unbeleuchtete Aspekte des Themas, arbeiten mit Lehrer_innen und Schüler_innen in Bildungsprojekten zusammen und organisieren öffentliche Veranstaltungen zum Thema Zwangsarbeit.


AKTUELLES

Netzwerk der Erinnerung an die Außenlager Buchenwalds besucht Gedenkstätte +++ Videokonferenz mit Zeitzeugin

Schon zum vierten Mal fand in der Gedenkstätte Buchenwald eine Tagung des Netzwerks der Erinnerung an die Außenlager statt, in der Vertreter_innen verschiedener Gedenkorte zusammenkamen, die sich an Orten ehemaliger Buchenwalder KZ-Außenlager befinden. Dieses Vernetzungstreffen, das vom Förderverein Buchenwald ins Leben gerufen wurde, widmet sich der Erinnerung an die 138 KZ-Außenlager unter dem Motto "Buchenwald war überall“ und betreibt u.a. die Webseite aussenlager.buchenwald.de.

Im Mittelpunkt stand in diesem Jahr die Rolle weiblicher Häftlinge in den Konzentrationslagern, insbesondere in den Frauen-Außenlagern. Dabei führte eine Exkursion die etwa 25 Teilnehmer_innen in die Gedenkstätte für Zwangsarbeit in Leipzig. Auf diesem Gelände hatte die Hasag (Hugo Schneider Aktiengesellschaft) ab Sommer 1944 das größte Buchenwalder Frauen-Außenlager mit mehr als 5.200 weiblichen KZ-Häftlingen betrieben – darunter Jüdinnen, Polinnen, Ungarinnen, Französinnen, Tschechinnen, Frauen aus der Sowjetunion und anderer Nationalitäten.

Die Mitarbeiterin der GfZL, Anne Friebel, führte die Besucher_innen durch die Gedenkstätte und die Geschichte der Hasag, und Josephine Ulbricht, stellvertretende Vorsitzende des Trägervereins der GfZL, gab einen Einblick in den Arbeitsalltag der KZ-Häftlinge in der Rüstungsfabrik sowie in die Lebensbedingungen in den Frauenlagern.

Am Nachmittag wurde die Tagung mit einem Zeitzeug_innengespräch fortgesetzt. Da Anne Burdo-Aquenin, ehemalige Zwangsarbeiterin bei der Hasag in Leipzig, in Paris lebt und nicht nach Leipzig kommen konnte, wurde das Gespräch per skype (als Videokonferenz) geführt. Madame Aquenin sprach fast zwei Stunden über ihre Lebens- und Leidensgeschichte sowie über ihre Arbeit als Künstlerin nach dem Krieg.

Anne Burdo wurde 1922 in Białystok im Osten Polens als Tochter einer bürgerlichen jüdischen Familie geboren. Die Familie erlebte in Warschau die Bombardements der deutschen Luftwaffe und musste kurz darauf ins Ghetto umziehen. Anne Burdo arbeitete erst in einem pharmazeutischen Labor und später mit ihrer Mutter in der Schneiderei der Többenswerke, wo unter anderem Wehrmachtsuniformen hergestellt wurden. Nach dem Aufstand im Warschauer Ghetto wurden Anne und ihre Mutter im Mai 1943 in das Konzentrationslager Majdanek deportiert. Dort wurde die Mutter ermordet und Anne nach Skarzysko-Kamienna weitergeschickt, wo Häftlinge 14 Stunden täglich in den Hasag-Fabriken arbeiteten. Anne Burdo erhielt eine Arbeit in der Schneider-Werkstatt. Als die polnischen Hasag-Werke vor der herannahenden Roten Armee evakuiert wurden, wurde Anne gemeinsam mit anderen Häftlingen nach Leipzig in das neu errichtete Frauen-Außenlager der Hasag deportiert. Eindringlich und bewegend schilderte sie die Lebensbedingungen im Lager, ihren Kontakt zu den Französinnen sowie das kulturelle Leben der Häftlinge. Als im April 1945 das Lager evakuiert und die Häftlinge auf die Todesmärsche geschickt wurden, floh Anne mit zwei Kameradinnen und wurde schließlich von Amerikanern befreit.

Sie ging nach Frankreich, begann ein Kunststudium und heiratete den Juristen Roland Aquenin. Mit ihren farbenfrohen Wandteppichen, Fresken, Mosaiken und Bildern wurde sie schnell berühmt und stellte in der ganzen Welt aus. Ihr außergewöhnliches Werk ist geprägt von der Geschichte ihrer Deportation und von den Widersprüchen ihres Lebens – von Leid und Hoffnung, Licht und Schatten, der Härte von Metall und der Weichheit des Stoffes.

Wir freuen uns über diesen neuen, bereichernden und herzlichen Kontakt zu Anne Burdo-Aquenin und danken dem Förderverein Buchenwald für die Organisation der Tagung und für den Besuch!

Maria Brzęcka-Kosk 1930 - 2013

Der Förderverein "Dr. Margarete Blank" und die Mitarbeiter_innen der Gedenkstätte für Zwangsarbeit trauern um Maria Brzęcka-Kosk, Überlebende von Auschwitz, Ravensbrück und Buchenwald sowie ehemalige Zwangsarbeiterin im Buchenwalder KZ-Außenlager bei der HASAG in Meuselwitz, die am 19. Februar 2013 in Warschau gestorben ist.

Kosk + ZeitschelMaria Brzecka-Kosk (links) 2009 in der Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig mit Charlotte Zeitschel
Maria KoskMaria Brzecka-Kosk

Im Alter von 14 Jahren wurde gemeinsam mit ihrer Mutter und ihren drei Schwestern aus Warschau nach Auschwitz deportiert, und von dort weiter über Ravensbrück in das Buchenwalder KZ-Außenlager Meuselwitz, wo sie in der Munitionsfabrik der HASAG arbeiten mussten.

In der thüringischen Kleinstadt Meuselwitz, 40km südlich von Leipzig, hatte die Hugo Schneider AG bereits 1936 eine ehemalige Porzellanfabrik gekauft und wenig später mit der Produktion von Infanteriemunition und Flakgeschossen begonnen. Zur Unterbringung der mehr als 2.000 ausländischen zivilen Zwangsarbeiter während des Krieges wurde ein Barackenlager errichtet. Später kamen die zwei stacheldrahtumzäunten Buchenwalder KZ-Außenlager dazu. Im Oktober 1944 kamen die ersten Häftlinge an - Frauen aus Ravensbrück, unter ihnen Maria Brzęcka-Kosk, ihre Mutter und ihre Schwestern. Die meisten der Meuselwitzer KZ-Häftlinge im Frauenlager waren Polinnen, die sich als Mitglieder der "Armija Krajowa" zuvor aktiv am Warschauer Aufstand beteiligt hatten. Unter den etwa 1.500 Häftlingen befanden sich auch sowjetische Zivilarbeiterinnen und Kriegsgefangene sowie Frauen anderer Nationalitäten. Im Männerlager waren mehr als 300 Juden inhaftiert.

Die Frauen arbeiten in zwölfstündigen Tag- und Nachtschichten an Drehbänken und Schleifmaschinen. Neben Meistern und Vorarbeitern kontrollierten auch SS-Leute die Arbeit und schüchterten die Zwangsarbeiterinnen ein. Der Kommandoführer Heinz Blume (vorher Kommandoführer des berüchtigten Steinbruchs in Buchenwald) bestrafte die Frauen mit Essensentzug, Bunkerhaft und Prügeln.

Gemeinsam mit ihrer Schwester Halina wurde Maria Brzęcka-Kosk im April 1945 von Meuselwitz aus auf den Todesmarsch gezwungen und am 8. Mai wurden sie in Prag befreit. Die Mutter und die Schwester Krystyna waren bereits bei einem Bombenangriff verletzt und über Ravensbrück nach Schweden gebracht worden. Ende 1945 traf sich die Familie in Warschau wieder.

Maria Brzęcka-Kosk verarbeitete den Lagerterror und die Zwangsarbeit in zahlreichen Zeichnungen, die sie mit Unterstützung eines alten Meisters auf Zetteln aus dem HASAG-Werk anfertigte. 65 Zeichnungen sind erhalten geblieben und befinden sich heute im Buchenwald-Archiv. Einen Einblick gibt es hier. In ihrem Manuskript "In der Erinnerung bewahrte Zeit" schildert sie ihre Erlebnisse in Warschau, in den Konzentrationslagern und nach 1945.

2009 hat Maria Brzęcka-Kosk die Gedenkstätte für Zwangsarbeit in Leipzig besucht. Bei einem Treffen mit Studierenden der Universität Leipzig schilderte sie ihren Leidensweg sowie den Zwangsarbeitsalltag in der HASAG in Meuselwitz. Sie bat dringend darum, dass über dieses fürchterliche Geschehen von damals ausführlich gesprochen wird. Nur so könne das Erinnern wach gehalten werden.


Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig erhält Fotoapparat und Album mit einzigartigen historischen Fotografien

Fotoalbum und Fotoapparat Eine Delegation von Nachfahr_innen ehemaliger niederländischer Zwangsarbeiter übergab Ende Januar ein Fotoalbum an die Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig (GfZL), welches wertvolle Fotografien aus der Zeit des Nationalsozialismus enthält. Unter großen Anstrengungen bewirkte Annie Hekkelman die Herausgabe des Fotoalbums ihres Schwiegervaters aus dem Niederländischen Institut für Kriegsdokumentation in Amsterdam (NIOD), um es nun der Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig zu schenken.


Ein Großteil der Fotos stammt von einem professionellen Fotografen, der sie auf dem Gelände der HASAG (Hugo Schneider AG) in Leipzig aufnahm. Diese Bilder nahm der Niederländer Gert-Jan Jochems, der bei der HASAG in Leipzig-Schönefeld Zwangsarbeit leisten musste, nach seiner Befreiung 1945 mit in die Niederlande. Dort klebte er sie kurze Zeit später in jenes Album ein und versah die Fotos mit Anmerkungen. Aber auch seine eigenen Fotos, die Gert-Jan Jochems während seiner Zeit in Leipzig mit einem Agfa-Apparat aufnahm, klebte er in das Album ein. Sie zeigen vor allem eine Gruppe von Männern, die im Juni 1942 im Alter zwischen 18 und 25 Jahren aus dem niederländischen Loenen zur Zwangsarbeit nach Leipzig verschleppt worden waren. Bis zum April 1945 mussten sie bei der HASAG in der Rüstungsproduktion schuften.
Christoph Kaufmann, Leiter der Fotothek des Stadtgeschichtlichen Museums Leipzig, geht davon aus, dass dies die größte Sammlung originaler Fotos zur HASAG sei.

niederländische Zwangsarbeiter in BarackeNiederländische Zwangsarbeiter 1943, vermutlich in einer Wohnbaracke der HASAG.
(Bild: Gedenkstätte für Zwangsarbeit)

Auch den Fotoapparat, mit dem Jochems die meisten seiner Bilder aufgenommen hatte, übergab Annie Hekkelman der GfZL für ihre Sammlung. „Für unsere Väter wäre es gut gewesen, zu wissen, dass es hier in Leipzig diese Gedenkstätte gibt“, so Stef Beumkes, dessen Vater ebenfalls in Leipzig Zwangsarbeiter war. Dem Engagement von Beumkes ist es zu verdanken, dass sich die Nachfahr_innen der ehemaligen niederländischen Zwangsarbeiter aus Loenen in regelmäßigen Abständen treffen. Gemeinsam begeben sich Familie Beumkes, Annie Hekkelman-Van Sloeten, Hermien Put und die Familie van de Spreng, um nur einige zu nennen, auf Spurensuche.

Bei dem Besuch in der GfZL übergab Stef Beumkes zudem das bereits zweite Buch, welches er mit Hilfe der anderen Nachfahr_innen erstellt hat. Es enthält Erzählungen, Abbildungen von Fotos sowie Auszüge aus dem Tagebuch von Jan Put. Diese Materialien ermöglichen es, ein Bild der Zwangsarbeit bei der HASAG aus der Sicht der niederländischen Zwangsarbeiter nachzuzeichnen und sind wertvolle Dokumente für die Sammlung der Gedenkstätte.

niederländische ZwangsarbeiterNiederländische Zwangsarbeiter aus Loenen in Leipzig bei einem Sonntagsausflug
(ganz links: Gert-Jan Jochems) (Bild: Gedenkstätte für Zwangsarbeit)

Ein zweiter Besuch der Nachfahr_innen niederländischer Zwangsarbeiter aus Loenen wird bereits geplant. Diese Kontakte stellen einen wichtigen Bestandteil der Arbeit der GfZL dar, welche nicht nur ein Ort der Information, sondern auch der Begegnung ist. „Die Gespräche mit den Nachfahr_innen waren sehr bewegend und ermöglichen uns einen Austausch, wo die Überlebenden leider nicht mehr unter uns sind“, so Fördervereinsmitglied Martin Winter über den Besuch.

Auch niederländische Zeitungen haben über den Besuch der Niederländer_innen in Leipzig berichtet, z.B. hier.


 

Veranstaltungsprogramm Frühjahr 2013

Das Veranstaltungsprogramm im Frühjahr 2013 ist jetzt online!
Überlick hier! Download hier!

 

Newsletter des Fördervereins "Dr. Margarete Blank e.V."

Der erste Newsletter des Trägervereins der Gedenkstätte für Zwangsarbeit ist erschienen! Mit aktuellen Informationen über die Gedenkstätte und einem Jahresrückblick 2012 -
Newsletter 2012 (6.7 MB)

ÖFFNUNGSZEITEN
DI - DO  10-18 UHR

NEU: Die soeben erschienene Broschüre "Die Erla-Werke GmbH und das Massaker von Abtnaundorf" von Karl-Heinz und Jelena Rother ist jetzt in der Gedenkstätte erhältlich! Schutzgebühr 4€.

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Förderverein "Dr. Margarete Blank" e.V.