Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig

WILLKOMMEN

Gedenkstaette Zwangsarbeit Leipzig

auf den Seiten der Leipziger Gedenkstätte zur Erinnerung an die Zwangsarbeit während der Zeit des Nationalsozialismus.

Am authentischen Ort, auf dem Gelände des früheren Rüstungsbetriebes HASAG, informieren wir mit einer Dauerausstellung über Hintergründe und Zustände der Zwangsarbeit, vor allem in der Region Leipzig.

Wir stehen außerdem als Anlaufstelle für ehemalige Zwangsarbeiter_innen
zur Verfügung, erforschen noch unbeleuchtete Aspekte des Themas, arbeiten mit Lehrer_innen und Schüler_innen in Bildungsprojekten zusammen und organisieren öffentliche Veranstaltungen zum Thema Zwangsarbeit.




AKTUELLES

Jubiläum: 15 Jahre Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig!

Ausstellungseröffnung: „Im Provisorium. NS-Zwangsarbeit in Leipzig und beim Rüstungskonzern HASAG“.

Einladung Ausstellungseröffnung 12.11.2016

Anlässlich des 15-jährigen Bestehens der GfZL eröffnen wir am 12. November eine Interims-Ausstellung in den Räumlichkeiten der Gedenkstätte. Bis zur Erarbeitung einer neuen Dauerausstellung werden damit markante Sammlungsgegenstände im Kontext des mittlerweile gewachsenen Forschungsstands zu NS-Zwangsarbeit in Leipzig, der Geschichte der HASAG und dem KZ-Außenlager „Hasag Leipzig“ gezeigt.

Der provisorische Charakter der Ausstellung reflektiert die häufig improvisierten und notdürftigen Strukturen des Einsatzes von Zwangsarbeiter_innen im „Dritten Reich“ und steht zugleich für die Offenheit und Unabgeschlossenheit des Themas aus heutiger Perspektive.

Die Eröffnung der Interims-Ausstellung wird von einem Veranstaltungsprogramm umrahmt.

Achtung: Vor der Ausstellungseröffnung werden in der Gedenkstätte Bau- und Renovierungsarbeiten stattfinden. Daher ist die Gedenkstätte vom 19. September bis einschließlich 11. November für Besucher_innen geschlossen. Die Mitarbeiter_innen sind in dieser Zeit per Email erreichbar. 

Simon Herling: Jüngster Überlebender des Konzentrationslagers Buchenwald besucht die Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig und das ehemalige KZ-Außenlager „Hasag Leipzig“

Anlässlich des 71. Jahrestages der Befreiung besucht der jüngste bekannte Überlebende des Konzentrationslagers Buchenwald die Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig. Nur wenige Wochen vor der Befreiung wurde Simon Herling am 23.03.1945 im Buchenwalder Frauenaußenlager „Hasag-Leipzig“ in Leipzig-Schönefeld geboren.

Simon Herling ist der einzige namentlich bekannte Überlebende, der im größten Frauenaußenlager von Buchenwald „Hasag-Leipzig“ geboren wurde. Seine Eltern – Fela (1915-1961) und Sam Herling (1910-1991) – lebten in Suchedniów, als Polen von Deutschland besetzt wurde. Im Herbst 1942 wurde das Ghetto von Suchedniów aufgelöst. Während der Großteil der jüdischen Gemeinde in dem Vernichtungslager Treblinka ermordet worden ist, wurden Fela und Sam Herling in das von der Rüstungsfirma Hasag geführte „jüdische Arbeitslager“ in Skarzysko-Kamienna deportiert. Über 20.000 Juden und Jüdinnen wurden in diesem Lager zur Arbeit gezwungen.

Im gemischtgeschlechtlichen Lager der Hasag wurde Fela schwanger. Als die Rote Armee im Sommer 1944 gegen die Deutschen in Polen vorrückte, begann die Räumung von Skarzysko-Kamienna. Kurz vor ihrer Trennung in Buchenwald – Sam kam in das von der HASAG betriebene Außenlager Schlieben, Fela in das Außenlager „Hasag Leipzig“ – gestand Fela ihrem Ehemann die Schwangerschaft. Sie dachten, sie würden sich nie wieder sehen.

Im Leipziger Konzentrationslager hatte es Fela Herling geschafft, ihre Schwangerschaft bis kurz vor Kriegsende zu verheimlichen. Trotz der schweren Zwangsarbeit im Rüstungsbetrieb, der mangelnden Ernährung und den Schikanen und Strafen der Wachmannschaften vermochte sie es, ihr Kind durchzubringen. Wenige Wochen vor der Geburt befahl die SS allen Frauen - nachdem eine Geburt im Lager "Hasag Leipzig" bekannt geworden war - ihre Schwangerschaften "freiwillig" anzuzeigen. Fela Herling gestand daraufhin ihre Schwangerschaft, um ihren Mithäftlingen die Strafe zu ersparen. Wenige Monate zuvor hätte ihr Geständnis die Deportation nach Auschwitz bedeutet. Doch mit dem herannahenden Kriegsende entkam sie dem sicheren Tod.

Im Mai 1945 trafen sich Fela und Sam nach der Befreiung wieder. Zusammen mit ihrem Sohn Simon hielten sie sich bis 1949 im DP-Camp Landsberg auf, um dann in die USA zu emigrieren. Seitdem lebte die Familie Herling in New York. Fela starb bereits in den 1960ern, ihr Ehemann Sam in den 1990ern.

Simon Herling nahm an der diesjährigen Feierlichkeit der Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald teil. Er verband seine Reise mit dem Besuch seines Geburtsortes und der Gedenkstätte für Zwangsarbeit, bei dem ihn seine Tochter Samantha und die amerikanische Freiwillige der Gedenkstätte Buchenwald, Mackenzie Lake, begleiteten.

Simon und Samantha Herling in der Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzigvon links: Samantha Herling, Simon Herling, Mackenzie Lake, Sebastian Schönemann, Anja Kruse   

Bei dem Treffen in der Gedenkstätte in Leipzig erzählte Simon uns von der Geschichte seiner Familie und ließ uns an vielen persönlichen Erinnerungen aus seiner Kindheit und seinem Leben teilhaben.
Während seines Besuchs berichtete er auch, er habe Deutschland eigentlich nie besuchen wollen. Er wusste, dass er in Leipzig in einem KZ geboren worden sei, habe aber nie weiter mit seinen Eltern darüber gesprochen. Das Thema war in seiner Familie tabu, zu schmerzhaft waren die Erinnerungen. Im Familien- und Freundeskreis wurde nur sehr wenig über den Holocaust und das Schicksal der Familie gesprochen. So erfuhr Simon erst im Alter von vierzig Jahren durch seinen Vater, dass er eine ältere Schwester gehabt hatte. Diese war 1942 im Alter von vier Jahren zusammen mit der Großmutter in Treblinka ermordet worden.

Wir besuchten gemeinsam mit Simon und seiner Tochter die im Umfeld der Gedenkstätte erhalten gebliebenen historischen Orte. Unsere erste Station führte uns zum alten Bahnhof Leipzig-Schönefeld, der östlich an das ehemalige Firmengelände der HASAG grenzt. Dort kamen ab Sommer 1944 die Züge mit den KZ-Häftlingen an, um sie von dort aus in Kolonnen in das nahegelegene Außenlager „Hasag Leipzig“ zu bringen.

Zum Abschluss besuchten wir gemeinsam den ehemaligen Standort des Frauenaußenlagers „Hasag Leipzig“, und somit den Geburtsort von Simon. Die ehemalige Werkshalle der Hasag, die ab August 1944 zur Unterbringung von mehr als 5000 weiblichen KZ-Häftlingen genutzt wurde, steht heute noch (Kamenzer Straße 12). In diesem Gebäude befand sich auch der „Block“, in dem Fela Herling zusammen mit hunderten anderen polnischen Frauen jüdischer Herkunft untergebracht war. Ob er in dem Block selbst oder auf der Krankenstation des Außenlagers geboren wurde, weiß Simon nicht.

Simon Herling vor dem ehemaligen Frauen-KZ "Hasag Leipzig"Simon Herling vor dem ehemaligen Frauen-KZ "Hasag Leipzig" in der Kamenzer Straße   

Fela Herling muss eine sehr starke und mutige Frau gewesen sein, die es trotz der unmenschlichen Lebens- und Arbeitsbedingen geschafft hatte, sich und ihrem Kind das Leben zu retten. Sichtlich bewegt von der Geschichte, der Stärke und dem Mut seiner Mutter sagte Simon: „Ich bin nicht meinetwegen in Leipzig, sondern wegen meiner Mutter und ihrer Geschichte“.

Weiterführende Informationen finden Sie hier:

Independent: How a Jewish Woman survived pregnancy in a Nazi Concentration Camp to give Birth to her Son

http://www.rivkasyiddish.com/blog

Anja Kruse / Sebastian Schönemann


30.03.2016 Pressemitteilung: Ravensbrück-Rosen in Leipzig - Einweihung durch die Amicale de Ravensbrück –18. April 2016, 14:00 Uhr

Der französische Häftlingsverband Amicale de Ravensbrück sowie die Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig und das Umweltforschungszentrum weihen gemeinsam am 18. April 2016 ein Rosenbeet zur Erinnerung an französische KZ-Häftlinge in Leipzig ein. Zur Einweihung werden rund 20 Angehörige und Freund_innen ehemaliger KZ-Häftlinge erwartet.

Pressemitteilung: Ravensbrück-Rosen in Leipzig (194 KB)

25.02.2016 Pressemitteilung des Trägervereins der Gedenkstätte für Zwangsarbeit zur Förderungspolitik der Stiftung Sächsische Gedenkstätten

Der Förderverein der Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig fordert die Stiftung auf, die
Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit Sachsens weiter anzuregen und
bestehende sowie entstehende Projekte finanziell besser auszustatten.

Pressemitteilung: Förderungspolitik der StSG (618.3 KB)

Das Veranstaltungsprogramm der Gedenkstätte für das erste Halbjahr 2016 ist nun fertig!

Veranstaltungsprogramm Frühjahr 2016.pdf (490.1 KB)

Our flyer is now available in English!
LEIPZIG NAZI FORCED LABOUR MEMORIAL (1 MB)

Nasza ulotka jest już dostępna w języku polskim! MIEJSCE PAMIĘCI PRACA PRZYMUSOWA W LIPSKU (1.1 MB)

Onze brochure is nu beschikbaar in het Nederlands! GEDENKPLAATS VOOR DWANGARBEID LEIPZIG (1 MB)

Notre brochure est disponible en français maintenant! MÉMORIAL POUR LE TRAVAIL FORCÉ DE LEIPZIG (1 MB)

Trauer um Willem van Burgh (1921-2015)

Der Förderverein "Dr. Margarete Blank" e.V. und die Mitarbeiterinnen der Gedenkstätte für Zwangs­arbeit Leipzig trauern um Willem van Burgh, der vor wenigen Wochen im Alter von 94 Jahren in Holland gestorben ist. Zwischen 1942 und 1945 musste er als ziviler Zwangsarbeiter bei der Firma HASAG in Leipzig arbeiten. 

Willem van Burgh im Jahr 2014 während eines Videointerviews (Stef Beumkes)Willem van Burgh im Jahr 2014 während eines Videointerviews (Quelle: Stef Beumkes)

Willem van Burgh wurde am 11. Februar 1921 in Zierikzee im Südwesten Hollands geboren. 1942 wurde er wie viele andere holländische Arbeiter_innen zur Zwangsarbeit verpflichtet und nach Deutschland gebracht. Im März 1942 kam er ins „Holländer-Männerlager Amstel“ der Firma HASAG (Hugo-Schneider-AG) in Leipzig. Das Lager befand sich im ehemaligen Verwaltungsgebäude der Firma auf dem Werksgelände, in dem außerdem kroatische Männer und Frauen untergebracht waren. Das Lager „Amstel“ bestand aus zwei Schlafsälen für mehr als 250 Personen.

Im April 1945 wurde Willem van Burgh gemeinsam mit den anderen zivilen Zwangsarbeiter_innen durch US-amerikanische Truppen befreit und blieb vorerst im Lager „Amstel“. Dort kam er auch in Kontakt mit KZ-Häftlingen, die dem „Massaker von Abtnaundorf“ im KZ Leipzig-Thekla, unweit des HASAG-Geländes, entkommen waren:

„An einem Abend sahen wir einen Franzosen und einen Polen, die KZ-Kleidung trugen. Beide hatten schlimme Verbrennungen am Rücken, und sie waren sehr verängstigt. Der Franzose ging weiter und den Polen haben wir versteckt. Am nächsten Tag kamen Amerikaner in einem Jeep und ich sagte ih­nen, dass wir einen Polen versteckt hielten. Ich erinnere mich noch gut an das ängstliche Gesicht des Polen. Der Mann war so schwach, dass die Amis ihn sofort ins Krankenhaus brachten. Später hörte ich, dass es sich um Überlebende handelte, die aus einer brennenden Baracke in Abtnaundorf, eines Außenlagers des KZ Buchenwald, entkommen konnten.“

Bei der HASAG hatte Herr van Burgh seine spätere Ehefrau, die kroatische Zwangsarbeiterin Ivana Juranić kennengelernt. Kurz nach ihrer Befreiung, am 8. Mai 1945, heirateten sie in Leipzig und gingen dann gemeinsam in die Niederlande.

Lebhaft und erstaunlich detailreich erinnerte sich Willem van Burgh in den letzten Jahren an die Zeit der Zwangsarbeit in Leipzig. Neben vielen Namen von holländischen Zwangsarbeitern konnte er auch die Struktur des Lagers sehr konkret beschreiben. So zeichnete er einen Lageplan des Lagers „Amstel“, der den Lageralltag veranschaulicht und für die Gedenkstätte ein wertvolles Dokument darstellt. Er erinnerte sich auch an die Unterstützung, die er und seine Kameraden von einigen deutschen HASAG-Mitarbeiter_innen erhalten hatten: manche hatten Brot für die Zwangsarbeiter_innen versteckt oder Schuhe und warme Kleidung zurückgelassen. Besonders verbunden waren Herr van Burgh und seine Ehefrau mit der Leipziger Familie Wolter. Heinrich und Hertha Wolter waren bei der HASAG angestellt und suchten den Kontakt zu den Zwangsarbeiter_innen. Werksausweis der HASAG von Willem van Burgh (Quelle: Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig)Werksausweis der HASAG von Willem van Burgh (Quelle: Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig) Als Ivana Juranić schwer erkrankt war, nahm die Familie sie für eine Woche zu sich, um sie zu pflegen. Auch nach dem Krieg blieben die Familien Wolter und van Burgh freundschaftlich verbunden. 

Im Januar 2015 übergab Willem van Burgh alle originalen Dokumente und Fotografien aus seinem Besitz an die Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig. Darunter befanden sich sein Werksausweis, ein Lohnstreifen und weitere historische Objekte. Mit ihm verliert die Gedenkstätte einen der letzten Zeitzeugen der Zwangsarbeit in Leipzig.

GfZL, 06.01.2016

Der neue Newsletter des Fördervereins "Dr. Margarete Blank" e.V. ist erschienen!

Mit vielen neuen Informationen aus der Gedenkstätte für Zwangsarbeit, einem Jahresrückblick und einer Vorschau auf 2016!

Wir wünschen allen Unterstützer_innen und Freund_innen einen entspannten Jahresausklang und ein gutes neues Jahr!

Newsletter #4 2015 (1.5 MB)